Der türkische Nationalspieler Kenan Yildiz spielt derzeit bei Juventus Turin groß auf. 2022 verließ er den FC Bayern als 17-Jähriger nach zehn Jahren in den diversen Nachwuchsmannschaften des Rekordmeisters. Haben damals Brazzo & Co einen gravierenden Fehler begangen?
Immer wenn es beim FC Bayern – sei es auch nur temporär – einmal nicht so perfekt läuft, wie am vergangenen Wochenende bei der 1:2-Pleite in Mainz, werden mögliche Versäumnisse oder Fehler in der Vergangenheit angesprochen, deren Vermeidung das aktuelle Geschehen möglicherweise positiver hätte gestalten können.
Juventus stach den FCB mit besserem Angebot aus
So feiert die SportBILD derzeit die Auftritte des ehemaligen FCB-Campus-Spielers Kenan Yildiz, der im Sommer 2022 aus der Nachwuchsabteilung des deutschen Rekordmeisters in diejenige des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin gewechselt ist.
Der damalige FCB-Sportvorstand Hasan Salihamidzic wie die Campus-Verantwortlichen wollten den Deutsch-Türken zwar in München halten, allerdings sollen das finanzielle Angebot und die Zukunftsperspektiven der Norditaliener besser bzw. verlockender gewesen sein. So wechselte ein großes Campus-Talent nach zehn Jahren FC Bayern in das Piemont, wo er zunächst für ein Jahr in der U19, dann in der Juventus Next Generation, vergleichbar mit den Bayern Amateuren, kickte.
Tor für die Türkei macht Yildiz in Deutschland bekannt
Yildiz geriet fast schon in Vergessenheit, hätte er nicht im November 2023 ein wunderbares Tor beim 3:2-Sieg der türkischen A-Nationalmannschaft gegen eine der schlechtesten deutschen Mannschaften der letzten Jahrzehnte erzielt. Vor gut einem Jahr wurde daraufhin die Geschichte seines FCB-Abgangs schon zum ersten Mal aufgerollt und dann größtenteils wieder vergessen. Nun poppt sie wieder auf.
Die SportBILD zitiert dazu die ManUnited Legende Paul Scholes, die den starken Auftritt von Yildiz im Champions League Spiel gegen den Stadtrivalen City in seiner Instagram-Story genüsslich kommentiert: „Wer zum Teufel ist dieser Yildiz…?“ Dazu postet er drei klatschende Hände.
Nicht nur international, auch in der Serie A läuft es für den Youngster derzeit sehr gut. Er absolvierte bislang alle 16 Partien, zwölf davon von Beginn an. Dabei erzielte das Ex-FCB-Talent drei Treffer und legte drei weitere Tore auf.
Zehn Jahre im FCB-Nachwuchs, nun Supertalent im Weltfußball
Yildiz wurde am 4. Mai 2005 in Regensburg geboren und dann von 2012 bis 2022 in der Jugend des FC Bayern ausgebildet, fünf Jahre davon am neuen Campus. Seine Mutter ist Deutsche, der Vater Türke. Seit der U17 spielt er für die Türkei. Theoretisch wäre er auch für Deutschland spielberechtigt gewesen. Einen Anruf vom DFB soll es aber nie gegeben haben.
Laut SportBILD gehört Yildiz nun zu den begehrtesten Fußball-Talenten der Welt und sie zitiert das Portal CaughtOffside, welches berichtet, dass Juve für den 19-jährigen Türken bereits eine Ablösesumme 80 Millionen Euro aufrufen würde. Transfermarkt.de beziffert seinen Marktwert dagegen mit 40 Millionen Euro.
Die Entwicklung des mittlerweile 16-fachen türkischen Nationalspielers ist definitiv beachtlich. Aber auch so herausragend, dass sich der FC Bayern die ganz großen Vorwürfe machen müsste?
Die Statistiken von Kenan Yildiz
Die nüchternen Daten von Kenan Yildiz lesen sich nämlich nicht so überwältigend: Seit Sommer 2023 spielte er für Juventus 36 von 54 möglichen Serie A Spiele und erzielte dabei für einen Offensivspieler eher bescheidene vier Tore. Zudem sind die Turiner zwar der italienische Rekordmeister, aber aktuell sowohl national wie auch international abgehängt.
In der Champions League verlor die Alte Dame gegen den VfB Stuttgart zu Hause mit 0:1. Die Schwaben, die wenige Tage zuvor beim FCB mit 0:4 untergegangen waren, hätten das Spiel dabei sogar wesentlich höher für sich entscheiden müssen.
Nach 16 Spieltagen in der Serie A liegt Juve mit satten neun Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter Atalanta Bergamo lediglich auf Rang 6. Hauptverantwortlich dafür sind die schwachen 26 erzielten Tore. Yildiz schoss lediglich drei davon – übrigens war sein viel bejubelter Treffer gegen sein Geburtsland Deutschland bislang auch sein einziger in den bisherigen 16 Länderspielen für die Türkei.
Yildiz-Abgang – Tel-Zugang
Fast gleichzeitig zu seinem Münchner Abgang begrüßte der FC Bayern übrigens mit Mathys Tel (eine Woche älter) einen gleichaltrigen hochtalentierten Spieler. Der erzielte seit Sommer 2022 in 58 Bundesliga-Spielen beachtliche 12 Tore für den deutschen Rekordmeister. Trotzdem steht er aktuell in der Kritik und wird medial als Leihspieler gehandelt. Die Bayernfans lieben Mathys jedoch, nicht zuletzt für seine glaubwürdigen Treuebekenntnisse zum Verein. Aus welchen Gründen auch immer war Yildiz davon meilenweit entfernt, obwohl er schon als Siebenjähriger dem FC Bayern beigetreten war.
Man kann beiden jungen Spieler nur das Beste für die Zukunft, in diesem Kontext speziell die sportliche, wünschen. Mathys Tel ist laut eigenen Aussagen bestens in München aufgehoben und wird sich hoffentlich an der Säbener Straße nachhaltig durchsetzen können. Kenan Yildiz hat Juventus Turin für seinen Weg ausgewählt, man muss ihm in München nicht nachweinen.
