In Katar gab die DFB-Auswahl unter Hansi Flick 2022 kein gutes Bild ab. Lassen sich daraus Lehren für eine mögliche WM in Saudi-Arabien ziehen?
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat angesichts der quasi feststehenden Vergabe der Fußball-WM 2034 an Saudi-Arabien vor einer ähnlichen Debatte wie im Vorfeld des Turniers in Katar gewarnt. Vor zwei Jahren habe man „gesehen, dass zu viele politische Themen eine Mannschaft schon belasten können, da sollten wir alle daraus lernen“, sagte der Coach der deutschen Nationalmannschaft im Interview mit RTL/ntv.
WM 2034: Saudi-Arabien einziger Bewerber
Die Weltmeisterschaft in zehn Jahren wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 11. Dezember auf dem außerordentlichen FIFA-Kongress an Saudi-Arabien vergeben. Über die WM 2034 wird zusammen mit dem Turnier 2030 abgestimmt. Sollte der DFB Saudi-Arabien die Zustimmung verweigern, würde er damit auch automatisch der Bewerbung seiner UEFA-Partner Spanien und Portugal mit Marokko, Uruguay, Argentinien und Paraguay eine Absage erteilen. Auf dieses durchaus fragwürdige Verfahren hatte sich das FIFA-Council um DFB-Chef Bernd Neuendorf im Oktober einstimmig verständigt.
Die politischen Themen wolle er gerne anderen überlassen, sagte Nagelsmann vor dem abschließenden Nations-League-Spiel der DFB-Auswahl gegen Ungarn in Budapest: „Dafür haben wir die Fachmänner, die sich um diese Dinge auch kümmern. Wir sind die Fachmänner für den Sport und kümmern uns um den Sport.“ Zwar habe er als Privatperson eine Meinung, müsse diese aber nicht jedem mitteilen.
Nagelsmann will keine Wiederholung von Katar 2022
„Am Ende treffen wir als Trainer und als Mannschaft nicht die Entscheidung, sondern das sind ganz andere Bereiche, andere Sphären, wo diese Entscheidungen getroffen werden“, so der Bundestrainer weiter – und ergänzte mit Blick auf die von vielen Seiten kritisierte Menschenrechtslage in dem Wüstenstaat: „Dass nicht alle Dinge top funktionieren in Saudi-Arabien, glaube ich, liegt auf der Hand. Aber das sind nicht unsere Bewertungsgrundlagen.“
Bei der Winter-WM in Katar war die deutsche Auswahl in der Vorrunde sehr unglücklich ausgeschieden. Dabei war sie im Vorfeld des Turniers in zahlreiche Menschenrechts-Debatten verstrickt worden, die zum einen vom sportlichen Fokus abgelenkt hatten und zum anderen eine gerechte sportliche Bewertung der Turnierleistung in den Hintergrund hatten treten lassen.
