Das Auftreten des neuen FCB-Cheftrainers Vincent Kompany ist im positivsten Sinne außergewöhnlich: Der 38-Jährige strahlt mit seiner ruhigen souveränen Art größtes Selbstbewusstsein aus. Auch seine Mannschaft lässt sich davon anstecken.
Als der Belgier Ende Mai nach der monatelangen Trainersuche des FC Bayern als der künftige Chefcoach an der Säbener Straße präsentiert wurde, hagelte es von allen Seiten zunächst Spott und Häme. Mit der Wahl des Trainers Nr. XY hätte der Rekordmeister ein weiteres Mal eine Niete gezogen, ein kurzfristiges Scheitern wäre vorprogrammiert.
Aber schon seine Präsentations-PK ließ viele Bayernfans jubeln, während so mancher Kritiker etwas ungläubig staunen musste: Welch unglaublich souveräner Auftritt des sanften Riesen Kompany! Ein Rookie, dessen vorherige Trainerstationen beim RSC Anderlecht und FC Burnley, mit dem er sogar soeben aus der Premier League abgestiegen war, kaum als Referenzen für den deutschen Rekordmeister gelten konnten.
Wie auch Pep Guardiola oder Xabi Alonso scheint Kompany als Trainer ein absolutes Naturtalent zu sein. Offenbar mühelos kann er seine ehemaligen Weltklasseleistungen auf dem Rasen in den neuen Job transferieren. Dabei wirkt er auf dem Trainingsplatz und auf der Trainerbank bei den Spielen genauso souverän wie vor den Mikrofonen.
Für die Journalisten liefert der 38-Jährige beileibe nicht so viele Schlagzeilen wie seine Vorgänger auf der FCB-Trainerbank. Julian Nagelsmanns PKs waren erfrischend, er hatte immer einen lockeren medial auszuschlachtenden Spruch auf Lager. Dafür wurde er von vielen Fans, aber auch den Medien gefeiert. Als es aber sportlich bei seiner Mannschaft nicht mehr so gut lief, wurde ihm diese lockere Art sogar vorgeworfen und wohl auch zum Verhängnis.
Thomas Tuchel dagegen war sich bei seinem Amtsantritt dieser Situation durchaus bewusst. Er schien bei Pressetalks manchmal über jeden einzelnen Satz dreimal nachzudenken. Im Bemühen, keine Fehler zu machen, wirkte er lange Zeit ziemlich verkrampft. Erst in seinen letzten Wochen an der Säbener Straße konnte man bemerken, dass auch ein Tuchel locker und gelöst plaudern kann.
Kompany ist ganz anders als seine beiden Vorgänger: Obwohl er nicht selten ein verschmitztes Lächeln im Gesicht hat, kommen eigentlich keine lockeren flapsigen Sprüche von ihm. Ihn umgibt eine besondere Aura: Ruhig, besonnen, höflich, sympathisch. Unangenehme Fragen von Journalisten moderiert er auf eine bemerkenswert souveräne selbstbewusste Weise ins Aus, so dass ihm auch nie jemand böse sein kann.
Und genau dieses Auftreten hat er innerhalb kürzester Zeit auch seinen zuvor so hoch sensiblen Spielern eingeimpft. Er präferiert mit dem extrem hohen, aggressiven Pressing einen sehr riskanten Spielstil. Seine Jungs scheinen diesen zu lieben und sich auch keineswegs verunsichern zu lassen, wenn die Ergebnisse eine Woche lang in drei aufeinander folgenden Spielen nicht stimmen. Ganz im Bewusstsein: Wir haben zwar dreimal nicht gewonnen, aber wir waren jeweils die (klar) bessere Mannschaft. Die korrekten Resultate werden sich bald wieder einstellen. Beste Einstellung und mit dem 4:0 im Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart auch bestätigt.
Kompany überträgt dieses Selbstbewusstsein, ohne dass es nur im Ansatz etwas mit Arroganz zu tun hat, perfekt auf seine Spieler, die selbst voller Vorfreude, aber auch Demut in jedes Spiel gehen.
Der Belgier gestern auf der PK zum heutigen Topspiel in Barcelona: „Meine Persönlichkeit zeichnet sich dadurch aus, dass ich keine Unterscheide mache zwischen Spielen und Gegnern. Jetzt ist für mich Barcelona das wichtigste Spiel, weil es unser nächstes ist. Ich lebe jede Woche für jedes Spiel so. Aber natürlich: Wir werden uns mit einem der Topvereine in Europa messen, das wird spannend.“
Anpassungen des eigenen Spielsystems an den Gegner möchte er – anders als sein Vorgänger Tuchel – nicht vornehmen. Stattdessen den eigenen Spielstil durchdrücken. Eine Herangehensweise, die er übrigens auch von Hansi Flick auf Barcelona-Seite erwartet.
Als FCB-Fan kann man nur hoffen, dass Kompany endlich wieder einmal eine längere Trainer-Ära beim Rekordmeister prägen kann. Seine spezielle Art des Mia san mia wäre dabei eine äußerst angenehme Nebenerscheinung. Vielleicht ist sie aber auch das künftige Erfolgsgeheimnis.

Ein Kommentar zu “Mia san mia à la Kompany: Maximales Selbstbewusstsein ohne jegliche Arroganz”