Der frühere Bayernspieler und heutige Sky-Experte Didi Hamann sorgt regelmäßig beim FC Bayern und seinen Fans für Verwunderung und Empörung. In dieser Woche in besonderem Maße mit seiner scharfen Kritik an Jamal Musiala: „Wenn ich aus Bayern-Sicht Florian Wirtz und Musiala tauschen könnte, würde ich es gleich morgen tun„, schrieb der 51-Jährige in seiner Kolumne bei Sky. Der Bayern-Youngster sei „eher ein Einzelspieler und oft ein Alleinunterhalter„, wohingegen Wirtz „seine Mitspieler besser macht„. Sein früherer FCB-Teamkollege und jetziger TV-Kollege Lothar Matthäus, obwohl selbst permanenter FCB-Kritiker, widerspricht ihm in dieser Einschätzung deutlich.
„Didi ist jemand, der mit seiner Meinung gerne und oft gegen den Strom schwimmt. Ich sehe das komplett anders. Messi ist ein Alleinunterhalter, das ist richtig, Musiala ist kein Alleinunterhalter. Absolut nicht„, so der deutsche Rekordnationalspieler gegenüber der BILD.
Stattdessen würde der 21-Jährige laut dem Weltmeister von 1990 äußerst mannschaftsdienlich agieren. „Er ist überhaupt nicht egoistisch, er geht ins Gegenpressing, und wenn er den Ball hat, setzt er seine Mitspieler in Szene, wenn es möglich ist und Sinn macht. Und weil er das tut, hat er auch die Freiheiten – und muss sie auch haben – ins Dribbling zu gehen, wenn er es für richtig hält.„
Der 63-Jährige ergänzt: „Wenn er ins Eins-gegen-Eins gehen muss, dann macht er das. Aber er sieht genauso den freien Mitspieler. Etwa bei Füllkrugs Tor gegen Ungarn; das hätte Jamal auch selbst machen können. Musiala ist sich für nichts zu schade, auch nicht für Zweikämpfe. Nächstes Beispiel: Die Balleroberung vor dem Tor gegen Holland, als de Ligt den Fehler macht.„
Laut BILD ist man beim FCB stinksauer auf Hamanns Aussagen. Wo die Kritik bisher ausschließlich der Vereinsführung oder dem Trainer gegolten habe, hatte der 51-Jährige nun Publikumsliebling Musiala ins Visier genommen – darüber sei man in München „irritiert und überrascht„.
Der 21-jährige Musiala spielt seit 2019 in München, 2020 wurde er in den Profikader aufgenommen. In 166 Pflichtspielen erzielte er dabei beachtliche 44 Tore und bereitete 31 weitere vor. In der Nationalmannschaft stehen bei ihm in mittlerweile 36 Spielen 6 Tore und 8 Vorlagen zu Buche.
Bei der heutigen PK vor dem BL-Auswärtsspiel in Kiel bezeichnete FCB-Sportdirektor Hamanns Kritik als „absurd.“ Und: „Wir sind einfach extrem happy, so einen Spieler im Kader zu haben. Jamal ist ein Spieler, für den die Leute ins Stadion gehen. Er kann Spiele entscheiden und ist zudem ein absoluter Teamplayer. Er kann einer der besten der Welt werden und sowohl der FC Bayern als auch Deutschland können sich glücklich schätzen, ihn in den Reihen zu haben. Er wird das nächste Jahrzehnt für Deutschland prägen und hoffentlich auch beim FC Bayern.“
Vincent Kompany, der ein mildes Lächeln für Hamanns Aussagen übrig hatte, ergänzte: „Ich habe schon den ein oder anderen Spieler erlebt und Jamal soll einfach genau so weiter machen und nichts ändern. Wir freuen uns, dass wir ihn haben. Er kann einer der drei bis vier besten Spieler der Welt werden.“
So alleine mit seiner Aussage stand Hamann selten dar. Um seinen Kritikpunkten zu folgen, muss man schon extrem auf der FCB-Hater-Seite angesiedelt sein – oder wahlweise einen wenig ausgeprägten Fußballsachverstand haben …
