Ähnlich wie bei Willi Lemke hat Uli Hoeneß auch mit Christoph Daum eine lange gemeinsame Geschichte, die zunächst jahrelang als „Erzfeindschaft“ gepflegt wurde. Die Bremer Fußballlegende ist vor knapp zwei Wochen verstorben, gestern Daum. Glücklicherweise hat der FCB-Ehrenpräsident mit beiden längst das Kriegsbeil begraben, mit beiden verband ihn zuletzt sogar eine von Respekt begleitete Freundschaft.
Insbesondere Ende der 80er-Jahre hatten sich der damalige Kölner Trainer Daum und Hoeneß, zu jener Zeit Manager des FC Bayern, hitzige Wortgefechte geliefert. Das Verhältnis der beiden galt lange Zeit als angespannt. Kurz vor Daums 70. Geburtstag letztes Jahr im Oktober kam es am Tegernsee zur großen Aussprache inklusive herzlicher Geste.
Anlässlich seines runden Geburtstages veröffentlichte Sky im letzten Jahr eine Dokumentation über Daums Leben. In „Daum – Triumphe & Skandale“ wurden die Anfänge seiner Trainerkarriere, seine Erfolge unter anderem mit dem 1. FC Köln und dem VFB Stuttgart und auch der Kokain-Skandal 2001 thematisiert, ebenso seine Lungenkrebs-Erkrankung.
Während der Aufnahmen zu der Doku kam es laut Daum auch zu einem Treffen mit seinem einstigen Erzfeind Uli Hoeneß. „Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob er für die Doku mal eine Stunde zur Verfügung steht. Er hat spontan ja gesagt und dann haben wir uns am Tegernsee getroffen“, berichtete Daum damals.
Das Verhältnis der beiden hatte sich bereits zuvor normalisiert, beide waren in regelmäßigem telefonischen Kontakt gewesen. „Aber ich glaube, es ist etwas anderes, wenn du das dann nochmal im Bild siehst, wie sich beide umarmen“, freute sich Daum über das Treffen. Ein Video zeigt, wie sich beide zur Begrüßung herzlich umarmten.
Um alte Streitereien war es bei dem rund anderthalbstündigen Gespräch kaum gegangen. „Wir haben einiges angerissen, aber nicht rauf und runter diskutiert. Das ist verschüttete Milch. Was willst du das ausdiskutieren?“, sagte Daum vor knapp einem Jahr. Viel mehr sei es um den 100-Millionen-Transfer von Harry Kane zum FC Bayern und die Ausbildung im Nachwuchsbereich gegangen. „Es war wirklich ein wunderschönes Gespräch“.
Zum Schluss wurde Daum emotional, wies besonders auf die symbolische Bedeutung des Treffens hin. „Was herüberkommt ist, dass Leute, die sich bekämpft haben, wieder zusammensetzen. Wieder miteinander sprechen, statt übereinander. Wieder Brückenbauer sind. Und das war in der heutigen Zeit für mich ein wichtiges Signal an diese Gesellschaft und das ist uns gelungen“.
Bereits zuvor hatte Daum erklärt, mit Hoeneß „seinen Frieden geschlossen zu haben“. Im Gespräch am Tegernsee meinte Hoeneß zu ihm: „Nur zwei große Persönlichkeiten können sich so bekämpfen“. Dieser Satz habe ihn sehr berührt.
Der FCB-Ehrenpräsident heute zum Tod von Daum:
„Christoph Daum ist sein ganzes Leben keinem Disput aus dem Weg gegangen, aber wir beide haben vor langer Zeit unseren Frieden gemacht, und die Nachricht von seinem Tod macht auch mich sehr betroffen. Er hat tapfer gegen seine Krankheit gekämpft und dabei mit seinem offenen Umgang mit dem Thema auch vielen betroffenen Menschen Mut gemacht. Den letzten Kampf konnte er am Ende nicht gewinnen, aber der deutsche Fußball wird ihn als einen Menschen in Erinnerung behalten, der immer alles gegeben hat – für seine Vereine, seine Mannschaften und weit darüber hinaus.“
Ruhe in Frieden, Christoph Daum!
Uli Hoeneß zum Tod von Willi Lemke: „Die Nachricht macht mich traurig“ – FC Bayern Total
