Max Eberl wird wahrscheinlich heilfroh sein, wenn die Sommertransferperiode am nächsten Freitag beendet sein wird. Grundsätzlich hat er die Transferbemühungen des Rekordmeisters – „wenn nichts Außergewöhnliches passiert“ – für beendet erklärt. Dennoch muss er permanent dazu und in diesem Kontext auch Fragen zur viel diskutierten Gehaltsstruktur im Profikader des FC Bayern beantworten. Auslöser ist ein vom mächtigen FCB-Aufsichtsrat offensichtlich getätigter Entschluss, die Spielergehälter insgesamt – und dies ziemlich kurzfristig – um ein Fünftel zu reduzieren. Völlig klar sind die Gründe und Umstände dafür nicht, wie auch ein Interview von Oliver Kahn im kicker offenkundig macht.
Nachvollziehbar war Eberls gestriges Statement nach dem 4:0-Testspielsieg von Vincent Kompanys Profis gegen Grasshoppers Zürich am FCB-Campus: “Über Geld spricht man in der Öffentlichkeit nicht so gerne, nicht so häufig. Wir versuchen, nach und nach Dinge umzusetzen, entsprechend den Vorstellungen von Christoph Freund und mir und gewisse Dinge zu verändern.”
Der 50-Jährige weiter: „Auch Bayern München ist nicht frei davon, Einnahmen zu generieren und darum auch Verkäufe von Spielern. Wir können nicht alle Topspieler behalten, auch wenn es die Menschen gerne hätten. Es wäre sehr schön. Aber auch das Gehaltsgefüge können wir nicht stemmen... Dementsprechend müssen wir eine gesunde Mischung zwischen Einnahmen und Ausgaben finden. Und gleichzeitig einen konkurrenzfähigen Kader zu haben, um die Champions League gewinnen zu können.“
Matthijs de Ligt und Noussair Mazraoui wurden bereits für kolportierte 60 Millionen Euro an Manchester United abgegeben. Auch Leon Goretzka wurde medial immer wieder als Abschiedskandidat betrachtet. Allerdings dürfte dieses Szenario wohl vorbei sein.
„Vollwertiges Kadermitglied“: Eberl deutet FCB-Verbleib von Goretzka an – FC Bayern Total
Schon vor einigen Wochen berichtete die SportBild, dass man an der Säbener Straße künftig auf eine klare Gehaltsobergrenze setzen würde, um die Lohnkosten in den Griff zu bekommen. Diese neue Strategie ist besonders bei den Neuzugängen Joao Palhinha und Michael Olise erkennbar. Beide verdienen nicht mehr als 12 Millionen Euro pro Jahr.
Eberl unterstreicht die Notwendigkeit, “eine gesunde Mischung zwischen Einnahmen und Ausgaben zu finden und gleichzeitig einen konkurrenzfähigen Kader zu haben, um die Champions League zu gewinnen.” Die Anpassung der Gehaltsstruktur sei dabei ein zentraler Punkt, um langfristig die finanzielle Stabilität des Vereins zu gewährleisten.
Auch die komplizierten sich seit längerer Zeit hinziehenden Vertragsverhandlungen mit Joshua Kimmich, Leroy Sané und speziell Alphonso Davies spiegeln diese Denkweise wider.
Grundsätzlich sind diese Gedankengänge und Entwicklungen beim Rekordmeister im heute finanziell immer mehr ausufernden Profifußball absolut zu loben. Dennoch wirft diese aktuelle Vehemenz Fragen auf. Kahns jüngste Aussagen im kicker-Interview, in welchem er sich gegen Vorwürfe wehrt, er und Hasan Salihamidzic wären verantwortlich für die viel zu hohen FCB-Spielergehälter, verstärken diese:
„Die Spielergehälter wurden immer mit dem Finanzvorstand und dem Aufsichtsrat abgestimmt und freigegeben. Alle waren sich einig. Die Quote der Gehaltskosten für den Spielerkader im Verhältnis zum Umsatz lag wie in der Vergangenheit unter 50 Prozent. Diese Größe ist im Vergleich zu anderen europäischen Klubs, bei denen sie teilweise bei 80 Prozent und mehr liegt, ein Top-Wert. Jeder Verein, der in den letzten Jahren die Champions League gewonnen hat, hat weit höhere Gehaltskosten als der FC Bayern.“
Tatsächlich hatte der heutige FCB-CEO Jan-Christian Dreesen noch als Finanzvorstand des Vereins in früheren Jahreshauptversammlungen des FC Bayern stets stolz auf die Quote der Gehaltskosten für den Spielerkader im Verhältnis zum Umsatz im internationalen Vergleich hingewiesen.
FC Bayern Total:
Der Jahres-Umsatz des FC Bayern bewegt sich aktuell auf die Milliarden-Grenze zu, hat sie womöglich schon im Bilanzjahr 2023/24 übersprungen, aber die Spielergehälter sollen strikt reduziert werden? Und das, obwohl man an der Säbener Straße das wohl weltweit gesündeste Verhältnis im Spitzenfußball hat?
Nächstes Jahr will man Florian Wirtz aus Leverkusen holen. Bereits jetzt wird über eine Ablösesumme von 150 Millionen Euro spekuliert. Trotzdem weder seriös noch nachvollziehbar noch realistisch, dass man bereits heute dafür beim Rekordmeister zu sparen beginnt. Und welches Gehalt stellt man sich dabei im internationalen Vergleich für ihn vor? Eine Frage, die auch bei der so sehr herbeigesehnten Vertragsverlängerung von Jamal Musiala auftauchen wird bzw. bei den Verantwortlichen wohl längst präsent ist.
Was ist die Zukunftsstrategie des FC Bayern? Welche Pläne verfolgt der Rekordmeister wirklich? Ist eine gewaltige bislang nicht kommunizierte Investition geplant? Bei näherer Betrachtung gibt es einige sehr offensichtliche Unklarheiten.
