Kommentar von Petersgradmesser
Auch wenn der deutsche Nationalspieler Leon Goretzka zusammen mit dem mittlerweile nach Manchester gewechselten Matthijs de Ligt zu den großen Verlierern des FCB-Trainerwechsels zu Vincent Kompany zählen dürfte, sind mit meiner eindrücklichen Bitte in der Überschrift nicht die Verantwortlichen an der Säbener Straße gemeint, sondern vielmehr der reißerische Umgang der Medien mit der Sache. Das hat der fünfmalige Deutsche Meister und einer der großen Triple-Helden in jenen speziellen Corona-Zeiten einfach nicht verdient!
Müssen denn Headlines wie „Kompany rasiert Goretzka vor Pokalspiel!“ oder „Goretzka beim FCB aussortiert“ tatsächlich sein? Das ist respektlos und spiegelt auch keineswegs den tatsächlichen Stand an der Säbener Straße wider. Es ist nicht nur gegenüber dem Spieler unfair, sondern auch gegenüber dem Trainer und den sportlich Verantwortlichen Max Eberl und Christoph Freund. Die Drei werden vor und nach jedem Spiel, in welchem der 57-malige Nationalspieler nicht berücksichtigt wird, in reißerischer Weise zu ihm befragt.
Tatsache ist, dass Kompany – wie schon Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der EM – nicht nur ein Spielsystem im Kopf hat, in welches der 29-Jährige möglicherweise nicht perfekt passt, der FC Bayern hat außerdem einen auf allen Positionen erstklassig besetzten Luxuskader. Aktuell fallen lediglich Hiroki Ito, Leroy Sané und Arijon Ibrahimovic verletzt aus – also zum Beispiel keiner von Goretzkas Konkurrenten um die Mittelfeld-Plätze.
Matthijs de Ligt, Noussair Mazraoui (jeweils zu ManUnited) haben bereits die Flucht vor einem aus ihrer Perspektive wahrscheinlich aussichtslosen Konkurrenzkampf angetreten. Bryan Zaragoza und Frans Krätzig aus demselben Grund Leihen akzeptiert. Trotzdem war gestern neben Goretzka, der Anfang der Woche zudem leicht angeschlagen war, Sacha Boey aus ähnlichem Grund nicht im Pokalspiel-Kader. Die nach Ulm mitgereisten Konrad Laimer, Eric Dier und Nestory Irankunda saßen 90 Minuten auf der Bank.
Dennoch könnten in dieser Saison alle genannten Spieler, die den Verein noch nicht verlassen haben, noch eine wichtige Rolle spielen. Der Terminkalender erscheint voller denn je. Vincent Kompany weist permanent auf diese Situation hin. Der FC Bayern hat bekanntlich viele Nationalspieler, noch in diesem Jahr wird die komplette Nations League Gruppenphase gespielt. Die Champions League wurde aufgebläht, im Pokal will man wieder einmal sehr weit kommen und nach einer hoffentlich sehr spielreichen erfolgreichen Saison kommt eine Klub-WM, in welcher man bis zu sieben Spiele absolvieren muss.
Dass Goretzka aktuell nicht zum Stamm von Nagelsmanns Nationalmannschaft zählt, kann übrigens sehr rasch für ihn, aber auch den FCB zum Vorteil werden.
Schön ist, dass seine Teamkollegen, seine Freunde beim FCB, permanent darauf hinweisen, wie wertvoll der intelligente und in vielen Bereichen engagierte Mittelfeldspieler ist. Das taten bereits Serge Gnabry und Manuel Neuer, gestern nach dem Spiel auch Thomas Müller und Joshua Kimmich.
Und auch wenn es definitiv Clicks bringt: Die Medien sollten auch den Menschen Goretzka respektieren und nicht wieder und wieder dieselben bohrenden Fragen stellen, am Dienstag beim Freundschaftskick gegen Grashopper Zürich wird sicherlich die nächste Gelegenheit ergriffen.
Der 29-Jährige hat offensichtlich für sich die Entscheidung getroffen, in diesem Sommer den Rekordmeister nicht zu verlassen. Dann müssen aber Sky & Co nicht sofort die nächste Spekulation in den Umlauf bringen, dass er dann im Winter seine Zelte an der Säbener Straße abbrechen könnte. Kommen dann schon die Fragen nach einem Winterabgang, wenn er Mitte / Ende Februar noch nicht in der Nähe eines Stammplatzes ist?
