Joshua Zirkzee kam im Herbst 2017 als 16-Jähriger von Feyenoord Rotterdam auf den gerade eröffneten FCB-Campus, wurde 2018 mit der U17 des FC Bayern Deutscher Vize-Meister und feierte zum Jahresende 2019 ein bemerkenswertes Bundesligadebüt, als er in der Nachspielzeit in Freiburg mit seinem ersten Ballkontakt den 2:1-Siegtreffer erzielte. Es folgten in jener Triple-Saison drei weitere Bundesligatore und auch mit den FCB Amateuren holte er als Stammspieler sensationell die Drittliga-Meisterschaft. Den erwarteten großen Durchbruch schaffte er jedoch in München nicht. In einem aktuellen Interview mit dem Mirror erklärt der mittlerweile 23-jährige niederländische Nationalspieler die Gründe.
Zirkzee zeigte damals bei den Bayern-Profis mehrfach sein Potenzial. Er wurde sogar als möglicher langfristiger Nachfolger von Robert Lewandowski gesehen, ebensowie in diesem Jahr – aufgrund einer günstigen Rückkaufklausel in seinem Vertrag bei Bologna – als potenzieller Sturmpartner von Harry Kane. Im Gespräch mit dem Mirror betont Zirkzee nun jedoch, wie entscheidend sein Abschied vom FC Bayern für seine weitere Entwicklung war.
Nach einer halbjährigen Ausleihe zu Parma Calcio Anfang 2021, weil ihm auch noch der routinierte Eric Maxim Choupo-Moting vor die Nase gesetzt worden war, wechselte Zirkzee in der Saison 2021/22 zum RSC Anderlecht. Dort war der neue Bayern-Trainer Vincent Kompany und verhalf Zirkzee zum endgültigen Durchbruch im Profifußball.
Zirkzee heute: „Kompany war der Trainer, der mir so viel über das Spiel und die kleinen Details erklärt hat, er hat auch dafür gesorgt, dass ich die ganze Zeit gespielt habe. Ich habe bei ihm einige wichtige Schritte nach vorne gemacht“.
Nach der Ausleihe zu Anderlecht verkaufte der FC Bayern Zirkzee im Sommer 2022 an den FC Bologna. Lewandowski hatte zwar den Rekordmeister in Richtung Barcelona verlassen, dieser verstärkte sich in der Offensive aber mit Sadio Mané und Perspektivspieler Mathys Tel. Nach einer ersten schwierigen Saison in der Serie A gelang Zirkzee in Bologna 2023/24 der absolute Durchbruch. Nicht zuletzt dank seiner Tore qualifizierte man sich sensationell für die Champions League.
Weil sein einstiger Förderer Kompany das Zepter an der Säbener Straße übernahm, wurde über eine Rückkehr nach München spekuliert. Dazu kam es aber letztendlich nicht. Stattdessen wechselte er für kolportierte 42,5 Millionen Euro zu Manchester United. Der FCB erhält davon dank einer vom damaligen Sportchef installierten Weiterverkaufsklausel die Hälfte.
Zirkzee gegenüber dem Mirror, warum es nicht beim FC Bayern funktioniert hat:
„In meiner Zeit beim FC Bayern war ich nicht dieser Spieler, da war ich zu sehr in Ehrfurcht. Ich hätte mehr an mich glauben müssen. Damals dachte ich, ich sei okay, aber jetzt habe ich eine andere Mentalität. Ich glaube, ich war damals nicht einmal die Hälfte des Spielers, der ich jetzt bin.“
Der heute 23-Jährige hatte zwar schon damals das Gefühl, gut genug zu sein, „um sofort erster Stürmer bei Bayern zu werden, aber dazu war ich überhaupt nicht bereit“. Mit dem Wechsel begann ein mentaler Neuanfang, der ihm auch eine neue Perspektive eröffnete: „Es war sehr gut, dass ich einen Schritt zurück gemacht habe, um herauszufinden, was es wirklich braucht, um an der Spitze erfolgreich zu sein.“
Alles Gute in Manchester, Joshua!
PS: Der Autor dieses Textes hatte im Juli 2019 das Vergnügen eines längeren Gesprächs mit dem damals 18-jährigen Zirkzee auf dem Campus. Er war ziemlich schüchtern und freute sich, in der kommenden Saison fixer Bestandteil der Bayern Amateure zu sein. Die zur damaligen Zeit aufgekommenen Arroganzvorwürfe gegenüber dem jungen Mann konnte ich in keinster Weise bestätigen.
