Vor dem legendären WM-Finale: Kriegsberichterstattung der englischen Presse gegen die deutsche Mannschaft

Am 30. Juli ist es unglaubliche 58 Jahre her, dass das Mutterland des Fußballs England seinen bislang einzigen Titel gewinnen konnte – das Spiel war in der Verlängerung durch das skandalöse Wembley-Tor zum 3:2 durch Geoff Hurst entschieden worden. Als Harry Kane & Co vor zwei Wochen in Berlin gegen Spanien das zweite EM-Finale in Folge verloren, erinnerte sich auch Fußball-Deutschland wieder an die bittere Finalniederlage von 1966, welche England nachfolgend nach Meinung vieler Fans einen Finalfluch bescherte. Was die wenigsten deutschen Fußballfans noch in Erinnerung haben oder aufgrund des Alters nicht wissen können, ist die damalige widerliche englische Medienhetze vor dem Endspiel. Diese hatte sich tatsächlich einen derartigen Fluch verdient.

Vorausgegangen war dem ganzen das vor allem von den Sowjets sehr hart geführte WM-Halbfinale in Liverpool, welches die Deutschen nicht immer souverän, aber doch hoch verdient mit 2:1 gewonnen hatten. Das Team der UdSSR in jener Partie kann man zurecht als Tretertruppe bezeichnen. Vor der Pause wurde diese einzig und allein von ihrem Weltklasse-Torwart Lew Jaschin im Spiel gehalten. Der 37-Jährige entschärfte zahlreiche deutsche Großchancen, lediglich Helmut Haller traf kurz vor der Pause.

Wie schon im Viertelfinale gegen Uruguay (4:0) kamen die wesentlich faireren Deutschen mit dieser extrem harten Gangart nicht wirklich zurecht und es waren eher Helmut Schöns Männer als die Gegner, die nach Feldverweisen in Überzahl spielend aus dem Tritt kamen. Franz Beckenbauers sensationelles 2:0 (68.) entschied die Partie dennoch frühzeitig.

Während die deutschen Stimmen damals nach dem Semifinal-Match positiv bis euphorisch klangen, wurde die Deutsche Fußballmannschaft von der englischen Presse – im Jargon einer ungeheuerlichen Kriegsberichterstattung – anstelle der übel foulenden Sowjets verbal malträtiert.

Der Vater des Wunders von Bern 1954, Sepp Herberger, schwärmte von der deutschen Leistung: „Deutschland spielte einfach großartig! Schon nach zehn Minuten deutete es sich an, dass sich unsere Mannschaft durchsetzen würde. Wir waren durchweg besser. Nach dem 2:0 stand es dann fest, dass die UdSSR keine Chance mehr besitzen würde. Und was an diesem Erfolg das Wertvollste ist: die Überlegenheit wurde erspielt…

Ganz anders die Kommentierung des Spiels in der englischen Presse. Es wurden Vokabeln ausgekramt, die eher an Kriegszeiten erinnerten.

Die Times: „Es war kaum eine dekorative Affäre, die sich in Liverpool abspielte. Es wurde weder frohen Mutes noch leichten Fußes gespielt, eher handelte es sich um eine Seeschlacht mit schwerstem Geschütz. Wie schon gegen Uruguay konnten auch dieses Mal die Deutschen einem ausgebrannten Gegner nicht so viel Salz in die Wunden reiben, wie sie es gerne getan hätten.Sie trafen weniger auf Fußballer von sehr hohem Standard, eher auf etwas wie den Geist von Stalingrad …“

Der Daily Telegraph machte sich über die Deutschen lustig, die „förmlich ins Weltcup-Finale stolperten, nach einer grausamen Schlacht, die bittere Erinnerungen aus den Vierziger Jahren wiederaufleben ließ. Doch sie zeigten nicht einen Schimmer von spielerischen Qualitäten, die dieses Turnier hervorbringen sollte. Sie trafen aber auf eine Gegnerschaft, die darauf aus war, jeden krachenden Querschlag, jedes niederträchtige Foul mit einem ebenso niederträchtigen Foul zu beantworten ...“

Englands Presse ließ vor dem WM-Finale 1966 nichts unversucht, um die deutsche Leistung beim 2:1 gegen die UdSSR auf widerwärtige Weise zu verzerren. War es das Ziel, der eigenen Mannschaft und den Fans den riesigen Respekt vor dem Endspielgegner aus Deutschland zu nehmen?

Letztendlich entschied dann ein Linienrichter aus der Sowjetunion das Finale mit einer unfassbaren Fehlentscheidung!

PS: Oft wird heute von der „guten alten Zeit“ geschwärmt. Die Medien bilden für viele heute eine Art Feindbild. Wenn man aber jene Art von Journalismus von vor weit über einem halben Jahrhundert betrachtet, gruselt es einen …

Titelbild: Zwei Weltklasse-Fußballspieler und Gentlemen auf dem Platz: Uwe Seeler und Lew Jaschin. Sie trotzdem damals dem allgemeinen Szenario.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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