FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß sprach heute Vormittag in einer Talkrunde als Gast des ehemaligen kicker-Chefreporters Karlheinz Wild in Seligenporten gewohnt offen über aktuelle Themen rund um den Rekordmeister, die deutsche Nationalmannschaft, aber auch Politisches. Dass er immer noch der absolute Dominator an der Säbener Straße ist und den mächtigen Aufsichtsrat des Vereins kontrolliert, dürfte nach seinen Aussagen mehr als eindeutig sein. Kein Sportvorstand dürfte es da leicht unter ihm haben.
Der 72-Jährige arbeitete sich politisch an den Herren Orban und Trump ab (absolute Zustimmung!), fand Toni Kroos bei der Heim-EM „okay„, aber nicht überragend. „Er hat so gespielt, wie man das erwarten konnte. Es war eine richtige Entscheidung, ihn zurückzuholen. Gerade im Mittelfeld hatten wir gewisse Probleme. Er hat das weitestgehend gut gelöst.“
Eine klare Ansage gab es für Alphonso Davies und seinen Berater Huoseh: „Wir haben ihm ganz klar gesagt, dass wir den Vertrag auslaufen lassen, wenn er nicht verlängert. Er wird nicht mehr Geld bekommen.„
Leon Goretzka bekommt von ihm – bei einer gleichzeitigen (Ab-)Mahnung – eine zweite Chance: „Im Leben bekommt man immer eine zweiten Chance. Das gilt auch für ihn bei Bayern München. Er hat jetzt die Chance, sich zu beweisen. Die letzten zwei Jahren waren nicht in Ordnung.“ Zur Erinnerung: Goretzka hatte wie alle FCB-Spieler in diesem Zeitraum seine Tiefen, aber auch absolute Höhen.
Über den Ex-FCB-Coach Thomas Tuchel: „Wir haben uns total okay verabschiedet. Es bleibt bei mir nichts übrig – auch wenn ich die Zeit sehr kritisch sehe.„
So richtig interessant wird es aber erst, als der FCB-Patron über die aktuell laufende Transferphase spricht – und in seinem Tonfall ist völlig klar, wer an der Säbener Straße – trotz CEO Dreesen und Präsident Hainer – immer noch das eindeutige Sagen hat: Das Aufsichtsrats-Mitglied Hoeneß, nicht der Aufsichtsratsvorsitzende Hainer:
„Es kommt überhaupt kein Spieler mehr, wenn nicht vorher zwei, drei Spieler gehen. Max Eberl und Christoph Freund wissen genau, dass keiner mehr kommt, wenn nicht der ein oder andere prominente Spieler geht. Der FC Bayern hat keinen Geldscheißer.„
Aber auf alle Fälle gut, dass dies nun ganz offiziell auch einmal ein FCB-Boss zum Ausdruck bringt. Die Boulevardmedien haben doch erstaunlich, oder soll man sagen erschreckend, viel Insiderwissen, wenn es um den Rekordmeister geht. Wo ist nur dieser bestens informierte Maulwurf an der Säbener Straße zu finden?
Und um ganz klar zu verstehen, wer tatsächlich immer noch der Alleinherrscher an der Säbener Straße ist, muss man folgendes Statement auf sich wirken lassen:
„Max Eberl hat einen Vertrauensvorschuss, viele Freiheiten. Er und Freund sind ein gutes Tandem, sie verstehen sich auch privat gut. Natürlich muss man zwischendurch mal die Bremse reinhauen.„
Sehr positiv beginnend demonstriert Hoeneß („man„) seinen uneingeschränkten Machtanspruch. Nicht jeder beim FCB, bei den Fans und Mitgliedern wird das in dieser Form gut finden.
