Durch das Leihende des kroatischen Nationalspielers Josip Stanisic bei Bayer Leverkusen und die Verpflichtung des Japaners Hiroki Ito vom VfB Stuttgart hat der FC Bayern aktuell sechs potenzielle Innenverteidiger. Die beiden können zwar auch auf den entsprechenden defensiven Außenpositionen spielen, aber mit dem deutschen Nationalspieler Jonathan Tah hat der Rekordmeister sogar noch einen weiteren Wunschkandidaten für das Abwehrzentrum. Auch wenn dessen Verpflichtung aufgrund von großen Differenzen bei der Ablösesumme zwischen den beiden Vereinen derzeit eher unwahrscheinlich erscheint, könnte es trotzdem noch zu Abgängen auf diesen Positionen von der Säbener Straße kommen. Darüber gibt es seit einiger Zeit eine heftige Debatte – medial und nicht zuletzt unter den eigenen Fans.
Seit knapp zwei Wochen kursieren mediale Gerüchte, dass von Vereinsseite der gewünschte Abgangskandidat – ausgerechnet – Matthijs de Ligt wäre. Als Hauptgrund soll sein zu üppiges Gehalt dienen und dass man mit ihm den größten Transfererlös erzielen könnte. Die Bayernfans laufen dagegen Sturm: Nicht nur ist Matthijs sehr beliebt beim Anhang des Rekordmeisters, er gilt auch als äußerst zuverlässig und hätte das Miasanmia des Vereins von allen Konkurrenten im Abwehrzentrum am meisten verinnerlicht.
Dagegen wird der französische Vizeweltmeister Dayot Upamecano als Fehlerteufel verunglimpft, nicht zuletzt deswegen, weil ihm dies meist in entscheidenden Spielen passiert. In der Rückrunde 2023/24 ereilte dieses Schicksal in den CL-Halbfinal-Spielen auch seinem südkoreanischen Mannschaftskollegen Minjae Kim, welcher vor einem Jahr immerhin als der beste Verteidiger der Serie A nach München gekommen war.
Der 30-jährige ehemalige englische Nationalspieler Eric Dier, der als Winterzugang alle positiv überraschte, ist in allen Diskussionen übrigens bislang noch völlig außen vor, auch wenn er es nicht in den Kader der Three Lions für die EURO 2024 schaffte.
Bei der deutschen Heim-EM kicken von den genannten somit lediglich Drei, besser gesagt eigentlich nur Zwei. Die Asiaten hatten ihr Kontinentalturnier bereits Anfang des Jahres – und Matthijs de Ligt hat für die Niederlande in den bisherigen beiden Partien keine einzige Minute gespielt.
Das Münchner Eigengewächs Stanisic läuft für die bislang mäßig auftretenden Kroaten als Rechtsverteidiger auf und ausschließlich der viel gescholtene Upamecano spielt bislang ein bockstarkes nahezu fehlerloses Turnier. Bei der WM 2022 in Katar hatten ihn übrigens bereits viele als den besten IV des Turniers gesehen.
Und wenn man den 25-jährigen Franzosen als FCB-Fan ohne Vorurteile beim laufenden Turnier beobachtet, sieht man einen körperlich robusten, Zweikampf-starken, pfeilschnellen Defensivmann, der zusätzlich der Hauptakteur im französischen Spiel ist, wenn es um den Spielaufbau von hinten geht. Seine scharfen Flachpässe sind eine technische Augenweide.
Matthijs de Ligt sieht man dagegen leider gar nicht. Er erleidet bei diesem Turnier unter dem Bondscoach Ronald Koeman dasselbe Schicksal wie bei der WM unter dessen Vorgänger Louis van Gaal. Natürlich ist die Liverpool-Legende Virgil van Dijk in der niederländischen IV eine gesetzte Hausnummer – aber auch überhaupt keine Chance gegen Stefan de Vrij von Inter?
Wenn man die Debatte beim FCB etwas versachlichen möchte: Es wird sicherlich einen Grund haben, dass Upa bei L`Equipe Tricolore als Stammspieler gesetzt und auch absoluter Leistungsträger ist, während Matthijs derzeit in der Elftal kein Land sieht …
Sollte tatsächlich der sehr sympathische (noch) 24-jährige Niederländer ein Abschiedskandidat an der Säbener Straße sein: Vielleicht sieht es Vincent Kompany schlichtweg genauso wie die Herren van Gaal, Koeman und Didier Deschamps.
