Ex-Nationaltorhüter Uli Stein kritisiert in seiner kicker-Kolumne die Entscheidung von Julian Nagelsmann für Manuel Neuer als Nummer 1 deutlich. Der 69-Jährige hätte den Bayern-Keeper erst gar nicht für die EM nominiert.
Nach Manuel Neuers Patzer bei Deutschlands EM-Generalprobe gegen Griechenland wollten Bundestrainer, Rudi Völler & Co keine Torwart-Debatte zulassen. Stattdessen wurde einheitlich versichert, ganz klar an Neuer als EM-Stammkeeper festzuhalten. Ex-Nationaltorhüter Uli Stein hat hierfür kein Verständnis.
„Die Häufung der Schnitzer von Manuel Neuer stimmt mich nachdenklich. Manuel ist nicht mehr der, der er war. Und er ist schon lange nicht mehr unumstritten, womit ich nicht nur auf die jüngsten Spiele beim FC Bayern und in der Nationalelf, sondern bis zur WM in Katar, ja sogar in Russland 2018 zurückblicke“, schreibt der 69-Jährige in seiner Kolumne für den kicker.
Nagelsmann hatte bereits im März angekündigt, dass Neuer für die Europameisterschaft gesetzt sei. Eine Entscheidung, die Stein als „hausgemachtes Problem“ bezeichnet.
Der frühere Keeper von HSV, Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld geht sogar noch einen Schritt weiter und hätte Neuer gar nicht erst mitgenommen. „Nimmst du einen Manuel Neuer mit, musst du ihn auch spielen lassen. Er rechtfertigt es aber sportlich nicht mehr. Man hätte ihn schweren Herzens, jedoch mit Vernunft zu Hause lassen müssen – nach dieser wackeligen Vorbereitung!“
Bei der Heim-EM hätte Stein angesichts dieser Entwicklung gerne Neuers Vertreter Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona im deutschen Tor gesehen. Laut Stein flößt Neuer den gegnerischen Stürmern keinen allzu großen Respekt mehr ein: „Internationale Klasse kann Manuel Neuer immer noch abrufen. Wir sollten nur nicht darauf zocken, dass er es – wie einstmals – schon alleine richten wird. Bei dieser EM wird es kaum einen gegnerischen Stürmer geben, der Angst hat, alleine aufs deutsche Tor zuzulaufen.“
Apropos Respekt und Angst einflößen: Im Juli 1987 hatte Stein den damaligen FCB-Stürmer Jürgen Wegmann im Supercup-Spiel nach dessen Tor zum 2:1 per Faustschlag nieder gestreckt und wurde daraufhin von seinem damaligen Arbeitgeber, dem Hamburger SV, zunächst „für unbestimmte Zeit beurlaubt“ und dann letztendlich entlassen.
Ein Jahr später flog er im Trikot seines neuen Vereins Eintracht Frankfurt wieder gegen den FC Bayern per Ampelkarte vom Platz, weil er unter anderem dem Schiedsrichter höhnisch Applaus geschenkt hatte.
Und noch einmal ein Jahr später wurde er selbst vom FCB-Libero ein wenig der Lächerlichkeit preisgegeben: Im Erstrunden-Duell des DFB-Pokals erzielte der Auge von weit hinter der Mittellinie das Spiel entscheidende 1:0 über den verdutzten Stein hinweg – der Treffer wurde zu Steins Leidwesen auch noch zum Tor des Jahres gewählt.
Der Auge rächte damit auch ein wenig seinen DFB-Teamchef und die FCB-Legende Franz Beckenbauer: Diesen hatte Uli Stein bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexico – nicht zuletzt aus Verärgerung über seine Reservistenrolle hinter Toni Schumacher – mannschaftsintern als „Suppenkasper“ tituliert. Majestätsbeleidigung – der Rückflug nach Deutschland wurde prompt gebucht.
Neben vielen anderen Eskapaden hatte der Uli wohl immer so seine Probleme mit dem FC Bayern, seinen Protagonisten und Legenden – da verwundert seine aktuelle Haltung nicht so sehr. Erinnert sie ihn selbst wohl auch ein bisschen an seine Dauerreservistenrolle hinter der deutschen Torwartlegende Harald Toni Schumacher.
