Medien: Eberl mit Ziel, FCB-Spitzengehälter zu reduzieren

Kommentar von Petersgradmesser

Es ist bekannt, dass die Gehälter beim FC Bayern – trotz Pandemie – in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Vor allem die Spitzengehälter sollen nahezu explodiert sein. Die Medien, allen voran der kicker, haben sich diesem Thema nun angenommen. Auslöser ist der Vertragspoker zwischen dem neuen Sportvorstand Max Eberl und Alphonso Davies bzw. dessen Berater Nick Huoseh. Die Frage ist, ob kicker & Co dabei wieder einmal lediglich spekulieren oder ob sie tatsächlich entsprechende Informationen von der FCB-Chefetage bekommen haben. Eine Einschätzung.

Seit der Verpflichtung des damaligen Weltmeisters Lucas Hernández von Atlético Madrid im Sommer 2019 für die Vereinsrekordablösesumme von 80 Millionen Euro soll das Gehaltsgefüge beim deutschen Rekordmeister aus den Fugen geraten sein. Sein jährliches Salär wurde bekanntermaßen der Transfersumme entsprechend sehr hoch angesetzt. Hernández konnte – auch verletzungsbedingt – nie die hohen Erwartungen erfüllen und erzwang im letzten Sommer seinen Abgang zu PSG. Seitdem wird er von einem Großteil der FCB-Fans als der Inbegriff des undankbaren Söldners gesehen.

Hauptverantwortlich für diesen Deal und die gesamte Fehlentwicklung wird der mittlerweile entlassene frühere Sportdirektor und dann Sportvorstand Hasan Salihamidzic gemacht. Dazu muss aber auch ausdrücklich erwähnt werden, dass Abschlüsse in der Größenordnung Hernández beim Rekordmeister nie ohne die Zustimmung des mächtigen Aufsichtsrates geschehen können.

Der kicker berichtet in diesem Kontext nun, dass die zehn FCB-Topverdiener zusammen 190 Millionen Euro jährlich erhalten sollen, im Schnitt also 19 Millionen Euro pro Akteur. Vor allem die Superstars um Harry Kane, Manuel Neuer, Thomas Müller und Joshua Kimmich sollen mächtig absahnen. Medial wird nun berichtet, dass es nun die gewaltige Herausforderung für Eberl sein soll, diese Fehlentwicklung seit 2019 zu korrigieren.

Noch einmal auf den nun viel gescholtenen Brazzo zurückkommend: Betrachtet man die vier genannten Bestverdiener beim FCB, dann fällt auf, dass drei der vier ihre (letzten) hochdotierten Kontrakte bei seinen Nachfolgern (vor Eberl) abgeschlossen haben. Dabei ist Kane unstrittig. Ob jedoch die beiden hochverdienten Oldies bei ihren letzten Verlängerungen um ein Jahr (bis 2025) noch einmal dasselbe Spitzensalär bekommen haben, ist zumindest fragwürdig bzw. entzieht sich meiner Kenntnis und ist sowieso sehr bald Geschichte.

Die Medien berichten nun, dass die Spitzengehälter an der Säbener Straße generell gesenkt werden sollen und berufen sich dabei ausschließlich auf das aktuelle Beispiel Alphonso Davies: 14 Millionen Euro ist die Grenze, höhere Forderungen werden von Eberl & Co – wie berichtet – „gnadenlos abgeschmettert„. Und es wird gemutmaßt, dass unter dem ehemaligen Sportvorstand Salihamidzic Phonzies Wünsche möglicherweise noch erfüllt worden wären. Spekulativ. Aber wie 2023 eigentlich geplant wäre dies vor der großen sportlichen Krise des 23-Jährigen tatsächlich möglich gewesen. Wenige Monate zuvor hatte ihn aber der Verein selbst noch zusammen mit Jamal Musiala als das Gesicht der Next Generation des FCB angekündigt. 

Aus dem Fall Davies schließen die Medien nun, dass es für Eberl und Sportdirektor Christoph Freund nun darum gehen würde, wieder für eine gewisse Normalität in der Gehaltsstruktur zu sorgen. Das Geld soll zukünftig intelligenter eingesetzt werden.

Soweit zu den medialen Theorien, welche viele viele Fragen aufwerfen:

In welcher Form soll das prall gefüllte Festgeldkonto des FCB künftig intelligenter verwendet werden? Dabei kann es sich dann wohl nur um einen wesentlich breiteren Spielerkader handeln. Seit Pep Guardiola war so ein aufgeblähter Kader in München jedoch nicht mehr erwünscht. Wobei der aktuelle ManCity-Trainer genau einen solchen nun in Nordengland mehr als genießt.

Internationale Topspieler kommen nur für Topgehälter nach München. So hat man auch Harry Kane bekommen. Der deutsche Rekordmeister kann nicht so naiv sein zu glauben, dass man im Vergleich zur internationalen Konkurrenz Dumpinggehälter zahlen kann.

Nach den Pandemie-Jahren, in welchen die Umsätze stagnierten bzw. sogar rückläufig waren, hat der FC Bayern im Bilanzjahr 2022/23 (1. Juli 2022 – 30. Juni 2023) wieder einen gewaltigen Umsatzsprung nach vorne gemacht: Der Rekord aus dem Geschäftsjahr 2018/19 von 750,4 Millionen Euro wurde auf 854,2 Millionen Euro gesteigert. Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass die Millarden-Schallmauer in den nächsten ein, zwei Jahren fallen wird. Was macht der Verein mit den Mehreinnahmen? Und es ist auch kaum zu erwarten, dass die Ticketpreise stark gesenkt werden …

Der Verein giert wie alle nationalen und internationalen Konkurrenten nach höheren Einnahmen, zum Beispiel bei den TV-Geldern, um – international – wettbewerbsfähig zu bleiben, um dann – bei den Spielergehältern – einen Sparkurs zu fahren ….?

Fazit: Ein Lucas Hernández hat – vor allem rückblickend – wohl ein viel zu hohes Gehalt in München bezogen. Ein Phonzie Davies qualifiziert sich derzeit nicht ansatzweise für ein Gehalt, wie es Jamal Musiala für eine künftige Vertragsverlängerung ganz sicher angeboten bekommt. Daraus jedoch Rückschlüsse auf eine künftige allgemeine Gehaltssituation zu wagen, ist ein mediales Abenteuer … Bei der Entwicklung im internationalen Profifußball, im internationalen Spitzensport völlig unlogisch. Will der deutsche Rekordmeister international zukünftig weiter mitmischen – und er will ganz sicher – kann dies nicht der Weg sein. Das mag dem Fußball-Romantiker nicht gefallen, ist aber pure Realität.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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