Der einst so große Bayern-Block in der deutschen Nationalmannschaft ist für die anstehenden Länderspiele in Frankreich und gegen die Niederlande stark geschrumpft: Manuel Neuer verletzt abgereist, Aleksandar Pavlovic krank erst gar nicht angereist, Leroy Sané Rot-gesperrt, Serge Gnabry erst kurz zurück nach langen Verletzungspausen – und Leon Goretzka wurde trotz einer stark ansteigenden Leistungskurve nicht nominiert. Beim FC Bayern stößt dies allgemein auf Unverständnis.
Die Ausbootung war ein heftiger Nackenschlag für den zentralen Mittelfeldspieler, auch der frühere Vorstandsvorsitzende Kalle Rummenigge hatte mit einer anderen Entscheidung gerechnet. „Wenn ich ehrlich bin, ist es der falsche Zeitpunkt, ihn nicht einzuladen„, kritisiert der Europameister von 1980 in einem Interview mit der Münchner AZ Nagelsmanns Verzicht auf Goretzka. „Er hatte ohne Frage in diesem Jahr auch mal Zeiten, in denen er nicht so gut gespielt hat, aber jetzt ist er in einer guten Verfassung und wird nicht eingeladen. Das hat mich schon überrascht.„
Gleichzeitig erhält Goretzka auch viel Zuspruch von seinem Verein. Beispielsweise von Cheftrainer Thomas Tuchel: „Das ist noch nicht der Kader für die Europameisterschaft. Das ist eine Momentaufnahme„. Auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist überzeugt, dass die Tür für den 29-Jährigen keineswegs geschlossen ist. „Wenn er so spielt wie die letzten Wochen, dann ist er ein Spieler, der auch 14 Tage vor dem EM noch auf den Zug aufspringen kann„, sagte Hoeneß am Dienstag am Rande der Sepp-Maier-Sonderausstellung in München.
Klar sollte sein: Konserviert Leon Goretzka seine zuletzt beim Rekordmeister gezeigten Leistungen bis zum Saisonende, gibt es für den Bundestrainer kein Argument, ihn nicht für die Heim-EM zu nominieren. Es sei denn, sein aktueller Kader schießt in den anstehenden Länderspielen Vize-Weltmeister Frankreich und die Niederlande ab. Aber wer glaubt schon daran?
Titelbild: Leon Goretzka beim FCB-Torjubel mit seinem Kumpel Joshua Kimmich.
