Kommentar Petersgradmesser
Obwohl es mit Xabi Alonso ganz offensichtlich einen großen Favoriten auf die Nachfolge von FCB-Chefcoach Thomas Tuchel zur neuen Saison gibt, kommen täglich neue Meldungen zu angeblich neuen Trainerkandidaten beim Rekordmeister. Die FCB-Verantwortlichen liefern dazu stets Informationen, deren Gehalt genauer betrachtet gegen Null tendiert. Führend in dieser Disziplin ist aktuell der neue Sportvorstand Max Eberl.
Im vergangenen Herbst, als Tuchel beim FCB scheinbar noch fest im Sattel saß, kamen von den FCB-Verantwortlichen in regelmäßigen Abständen Lobeshymnen auf den eigenen Ex-Spieler und aktuellen Bayer-Coach Xabi Alonso. Kalle Rummenigge gab zum besten, dass er stets einen guten Draht zum Basken behalten hat und diesen bereits 2018 als Co-Trainer von Niko Kovac verpflichten hatte wollen. Jetzt kommen aus der Führungsetage des Rekordmeisters schon lange keine derartigen Statements mehr zu Xabi.
Max Eberl erzählte vor ein paar Wochen von einem Kontakt zu Xabi noch in seiner Gladbach-Zeit. Schon damals wollte er ihn als Chefcoach verpflichten, der 42-Jährige fühlte sich damals aber noch nicht bereit. Die Gespräche sollen trotzdem sehr gut gewesen sein.
Gestern plauderte Uli Hoeneß anlässlich der Einweihung der Sepp Maier Sonderausstellung im FC Bayern Museum in der heimischen Arena, wie tiefenentspannt er hinsichtlich des zu findenden Trainers wäre. Ein typisches Verhalten, wenn der Ehrenpräsident sich einer Sache sehr sicher ist. Max Eberl ließ sich in einem fast parallel geführten Interview überhaupt nicht in die Karten schauen, obwohl er scheinbar viel über die Vorgehensweise bei der Trainersuche erzählte. Namen wurden nicht genannt, es sei aber eine spannende Angelegenheit und die Auswahlliste hätte zwar mehr als vier Kandidaten, aber sicherlich nicht die 40, die medial insgesamt wohl schon aufgezählt wurden.
Zu einem Kandidaten äußerte sich Eberl dann aber doch konkret: Zu Sebastian Hoeneß – Ja, genau derjenige, der kürzlich erst beim VfB verlängert hatte: „Sebastian macht es in Stuttgart herausragend. Mit der Verlängerung ist das Thema jetzt gestrichen. Aber bitte: Das heißt nicht, dass Sebastian unsere Top-Lösung war und wir eine Absage kassiert hätten„.
Katz-und-Maus-Spiel nennt man so etwas. Wahrscheinlich war der ehemalige Campus- und Amateure-Trainer des FCB aktuell überhaupt kein Thema. Und wenn tatsächlich, hätten wahrscheinlich Papa Dieter und Onkel Uli wegen der aktuell schwierigen Situation an der Säbener Straße schützend ihre Hand über ihn gelegt und ihm derzeit von diesem Posten abgeraten.
Dass aber Sebastian Hoeneß eventuell ein Kandidat in Leverkusen gewesen wäre, wenn der der Xabi zu Bayern … Die Hoeneß-Brothers dürften bestens Bescheid wissen.
Von Leverkusens Klub-Boss Fernando Carro wie auch von Sportdirektor Simon Rolfes kommen dagegen zur Trainer-Situation so Aussagen wie: „Wir haben eine Trainerliste, die immer aktualisiert wird, wir müssen für den Fall vorbereitet sein, dass es anders kommt als wir denken...“
Xabi hätte in Leverkusen längst wie Sebastian Hoeneß in Stuttgart verlängern können. Dass das in dieser einzigartigen Leverkusener Erfolgsgeschichte nicht erfolgt ist, spricht auch für sich. Um von bayerischer Seite vom ganz großen – nicht zuletzt medialen – Fokus auf einen künftigen FCB-Trainer Xabi abzulenken, muss der Max noch ein paar Wochen, je nach Saisonverlauf bis zu zwei Monate, sehr erfinderisch sein, um für die Medien gute Geschichte vorzubereiten, die diese und ihre Leser zufrieden stellen …
