Während die Vereinsverantwortlichen des FC Bayern einen Tuchel-Nachfolger suchen, findet die Mannschaft offensichtlich mehr und mehr zu gewünschter Form zurück. Haben die FCB-Bosse ihren Cheftrainer möglicherweise zu früh aufgegeben? Ex-FCB-Spieler Mario Basler kritisiert nun genau dies.
Für Basler haben Hainer & Co. in der Causa Tuchel voreilig gehandelt. “Ich verstehe die Bayern in der Personalie nicht. Ich hätte zumindest das Rückspiel gegen Lazio abgewartet und dann vielleicht eine Entscheidung getroffen. Das haben sie nun schon vor drei Spieltagen gemacht”, meint der 55-Jährige im Interview bei ran.
Basler zieht dabei Parallelen zur Entlassung von Julian Nagelsmann im vergangenen Jahr. Der 36-Jährige war damals von seinen Aufgaben entbunden worden, obwohl die Bayern Titelchancen in allen drei Wettbewerben hatten. Der Trainerwechsel zahlte sich letztlich nicht wirklich aus – unter Tuchel konnte man zwar den elften Meistertitel in Serie gewinnen, doch die erhoffte Weiterentwicklung blieb weitestgehend aus.
“Da hat man wieder Schnellschüsse gemacht beim FC Bayern, wie man es auch bei Julian Nagelsmann damals gemacht hat. Es war für mich auch schon sehr unverständlich, dass man da den Trainer getauscht hat”, so Basler. Die Probleme an der Säbener Straße liegen Basler zufolge derweil tiefer. “Ich glaube schon, dass der FC Bayern in den letzten zwei, drei Jahren sein Gesicht ein bisschen verloren hat”, so der ehemalige deutsche Nationalspieler.
FC Bayern Total:
Basler gehört wie einige seiner früheren FCB-Teamkollegen, darunter Lothar Matthäus und Didi Hamann, zu den sog. TV-Experten. Jeder von ihnen äußert regelmäßig scharfe Kritik am deutschen Rekordmeister, die Forderungen sind aber grundsätzlich unterschiedlich. Während den anderen beiden die Entlassung nicht schnell genug gehen konnte, sie sogar vor drei Wochen vor einer Lame Duck gewarnt haben, ist der frühere Super-Mario völlig anderer Meinung.
Es ist wie immer im Leben: Danach ist man schlauer. Für den Münchner Saisonausgang gibt es verschiedene Versionen: Von völliger Pleite bis totaler Triumph – ja, selbst der ist noch möglich!
Gehen wir dabei auf Baslers Kritik ein – und der FCB spielt die Bundesliga noch grandios zu Ende, egal, was dann dabei heraus kommt und gewinnt sensationell die Champions League: Sollte dies zusätzlich in völliger Harmonie zwischen aktuellem Trainer und Mannschaft passieren, könnte man auch eine zu frühzeitige Trennung rückgängig machen, auch ohne Gesichtsverlust …
Tatsächlich trainiert aber in Leverkusen ein Trainer, der wohl noch besser zum Rekordmeister passen würde als Tuchel, weil dieser schon von 2014 bis 2017 das Bayerngen aufgesaugt hat. Dass der FCB in den letzten zwei, drei Jahren tatsächlich etwas sein Gesicht verloren hat – da mag man dem Mario gar nicht so sehr widersprechen. Aber mit Christoph Freund und Max Eberl hat man das nun überragend korrigiert!
Titelbild: Baslers bestes Spiel beim FCB: Beim CL-Halbfinal-Rückspiel 1999 gegen Dynamo Kiew war er im Olympiastadion bester Mann auf dem Platz, rannte sich (zum einzigen Mal im Bayerntrikot) die Seele aus dem Leib und erzielte (Bild) auf großartige Weise den 1:0-Siegtreffer, der den Einzug ins Finale bescherte.
