Es gibt wohl eine Vielzahl an Gründen für die aktuelle Krise des FC Bayern. Einige seriöse, aber auch eine Vielzahl an ausschließlich Click-bringenden von den (Boulevard-)Medien und emotionalen unsachlichen von der Fanseite. Ein von letzterer häufig genanntes Argument ist, dass die Bayernspieler nach so vielen Erfolgen faul und satt, ohne Motivation wären. Das ist großer Blödsinn.
Schauen wir uns zu diesem Argument den aktuellen FCB-Kader an:
Acht Spieler kamen entweder vor der Saison zum FCB (Harry Kane, Minjae Kim, Raphael Guerreiro, Konrad Laimer, Daniel Peretz) oder nun in der Winterpause (Eric Dier, Sasha Boey, Bryan Zaragoza). Drei Spieler spielen die zweite Saison für den deutschen Rekordmeister (Matthijs de Ligt, Noussair Mazraoui, Mathys Tel). Dayout Upamecano ist seit 2021 im Verein.
Diese Kicker stellen bereits die Hälfte aller aktuellen FCB-Kaderkicker dar. Einige, nicht zuletzt Harry Kane, sind noch ohne einen einzigen großen Titel. Keiner dieser zwölf Spieler kann ohne Motivation aus den genannten Sättigungs-Gründen sein. Absurd. Bei Upa liegen die Gründe für seine zuletzt leider zahlreichen spielentscheidenden Aussetzer eher im Gegenteil: Übermotivation.
Dann gibt es die Oldies und langfristig im Verein spielenden: Thomas Müller (schon immer 😉 ), Manuel Neuer (seit 2011), Joshua Kimmich, Kingsley Coman, Sven Ulreich – alle drei seit 2015, Ulle hatte ein Jahr Pause (2020/21 beim HSV). Welchem dieser verdienstvollen Bayernspieler kann man nur ansatzweise eine Sättigung vorwerfen? Sie brennen alle!
Auf die Youngster Aleksandar Pavlovic und den seit Anfang Februar zur Wiener Austria verliehenen Frans Krätzig kann dieser Vorwurf wohl auch kaum zutreffen. Tarek Buchmann ist dauerverletzt.
Leon Goretzka und Serge Gnabry sind seit 2018 beim Rekordmeister, ebenso wie der seit Januar 2019 für den FCB kickende Alphonso Davies gehören sie dem legendären Sextupel-Team an – alle drei haben dazu einen überragenden Beitrag geleistet. Die Drei sind zur Zeit aus unterschieden Gründen nicht in Bestform, Gnabry im Grunde genommen die gesamte Saison verletzt. Ein Motivationsproblem ist nicht ansatzweise zu erkennen.
Und bei Jamal Musiala (ab 2019 beim FCB, zunächst im Campus, seit 2020 FCB-Profi) und Eric Maxim Choupo-Moting (2020) ist eine solche Tendenz wohl auch kaum zu erkennen.
Und auch beim häufig wegen seines Auftreten kritisierten Leroy Sané ist in Wahrheit eher das Gegenteil der Fall. Auch wenn viele in seiner Mimik und Gestik etwas anderes sehen wollen, ist Leroy ein zwar sensibler, gleichzeitig wohl aber einer der engagiertesten FCB-Spieler, was Laufleistung und Einsatz betrifft. Thomas Tuchel nennt ihn eine „Maschine„. Seine kritisierten Gesten sind Ausdruck eines riesigen Ehrgeizes und der Verzweiflung, wenn es nicht funktioniert.
Man sagt und schreibt vieles sehr schnell aus der Emotion heraus, vor allem wenn man wütend und aufgebracht ist. Vieles macht dann aber bei genauerer Betrachtung überhaupt nicht den geringsten Sinn.
Häufig wird der Forderung, die (zu) satten Spieler zu feuern, eine ebenso unsinnige nach vermehrten Einsätzen der Nachwuchsspieler nachgeschickt. Die meisten Fans, die das fordern, haben ganz sicher noch keine einzige Partie auf dem FCB-Campus gesehen. Blicken wir dazu kurz auf die Ergebnisse des vergangenen Wochenendes: Die Bayern Amateure und die U19, welche beide insgesamt eine sehr unbefriedigende Saison spielen, haben bittere Niederlagen einstecken müssen gegen Gegner, die in der Tabelle sogar weit hinter ihnen stehen. Die 1:4-Heimniederlage der bisher so großartig aufspielenden U17 gegen Mainz war sogar noch bitterer. Und diese im Schnitt 16-jährigen Jungs sind sowieso noch ganz weit weg von Profifußball. Die Campus-Ergebnis-Krise ist hausgemacht und in der Nachwuchsstrategie des Vereins begründet. Ein eigenes langes Thema.
