Kommentar, Glosse von Petersgradmesser
Auf der PK nach der bitteren 0:1-Pleite gegen biedere Bremer hat es der FCB-Cheftrainer Thomas Tuchel selbst angesprochen: „Ich will nicht mehr sagen, dass wir gut trainieren, denn das glaubt einem keiner mehr. Wir müssen die Spieler fragen. Wir haben heute inkonsequent gespielt.“ Tatsache ist, dass man mittlerweile als Bayernfan zusammenzuckt, wenn der Coach im Vorfeld von guten Trainingsleistungen schwärmt – fast ausnahmslos folgt dann eine lausige uninspirierte Performance in den Spielen. Das zieht sich durch die gesamten zehn Monate mit Tuchel, war vorher bei Nagelsmann aber auch nicht viel anders. Ein Rätsel.
Vielleicht schon alleine aus Aberglauben sollte dieser Satz Tuchel in seiner Amtszeit beim Rekordmeister – wie lange die auch immer noch andauern möge – nie mehr über die Lippen kommen. Es ist in der Tat unerklärlich, dass seine Truppe immer dann überhaupt nicht abliefert, wenn die Grundvoraussetzungen eigentlich bestens wären. Vor der 1:5-Klatsche in Frankfurt konnte man sich auch hervorragend vorbereiten und absolut ausgeruht ins Spiel gehen.
Was man leider in der Tuchel-Ära schon gewohnt ist – und dies betrifft auch die am Ende erfolgreich zu Ende gespielten Heimspiele: Die aktuelle Mannschaft stolpert fast in jedem Spiel mehr oder weniger in die Partie. Zeigte man vor allem zu Guardiola-Zeiten schon sehr früh, wer Herr im eigenen Haus ist, ist das Szenario seit gehöriger Zeit derart, dass man gerade in der Anfangsviertelstunde immer das Gefühl haben muss, dass ein sehr frühzeitiger Rückstand droht. Definitiv nicht Bayern-like. Speziell Alphonso Davies scheint immer eine gehörige Anlaufzeit zu brauchen, Stockfehler, Unachtsamkeiten bis zu katastrophalen Blackouts gehören derzeit zu seiner Spieleröffnung. Leider hat sich bei der gestrigen Pleite mehr oder weniger das gesamte Team anstecken lassen. Diese unerklärlich fahrige Anfangsphase dauerte fast 70 Minuten … Tuchels eigene Schockstarre fast ebenso lang. Erst kurz vorher tätigte er die lange fälligen und dann auch richtigen Wechsel. Den völlig indisponierten Raphael Guerreiro hätte er korrekterweise allerspätestens zur Halbzeit in der Kabine lassen müssen …
Auch nicht neu – und das ist schon lange vor Tuchel auffällig gewesen: Das Team ist äußerst sensibel. Leider scheint in schwierigen (Spiel-)Phasen nach wie vor ein echter Leader zu fehlen, der das Ruder rumreißt. Joshua Kimmich ist das nachweislich leider nicht.
In diesem Kontext ein Kommentar zu den Arena-Fans: Die Stimmung im Stadion ist mittlerweile fast schon auf erschreckende Weise von den Kommandos der Ultras in der (Süd-)Kurve abhängig. Entscheidet sich diese – aus welch abenteuerlichen Gründen auch immer – zu protestieren, zu schweigen, geht gar nichts mehr im übrigen Rund. Und das ganz offensichtlich, obwohl eine riesige Mehrheit der restlichen Anhänger mit dem Boykottgrund nichts anfangen kann bzw. nicht einverstanden ist. Für ein Team, welches sowieso schon schwer ins Spiel findet, sind zwölf Minuten Grabesstille zu Beginn des Spiels absolutes Gift. Aber was schert mich das als Fan, wenn ich meinen eigenwilligen Willen fast schon trotzig durchsetzen will. Wird – hoffentlich – nichts bringen, der eigenen Mannschaft aber schaden. Gratulation.
Und dann kommen wir noch zu einem anderen Protagonisten, der leider gerade in solchen sowieso schon nervigen Spielen auch immer wieder negativ auffällt: Der Schiedsrichter, gestern der 46-jährige Marco Fritz. Wenn schon eine gesamte Mannschaft fast über das gesamte Spiel derart unterperformt, ist es durchaus ein Glanzstück, wenn man als SR trotzdem der mit Abstand schwächste Mann auf dem Platz ist. Es soll wahrlich keineswegs eine Ausrede für die völlig ungenügende Leistung des Rekordmeisters sein, aber bei Fritz hatte man von Beginn an das Gefühl, dass er große Lust hat, konsequent gegen diesen zu pfeifen. Stellvertretend die Szene, die zum vermeintlichen Führungstreffer von Werder Mitte der ersten Halbzeit geführt hat: Jeder im Stadion mit ein klein bisschen Sachverstand konnte aus 80, 100 Metern Entfernung problemlos erkennen, dass es ein klarstes Foul an Jamal Musiala im Vorfeld gab. Fritz – obwohl allerbestens bei dieser Situation positioniert – wollte dies wohl ignorieren. GOTT SEI DANK gibt es für solch aberwitzige Fehlentscheidungen den VAR! Und selbst da brauchte Herr Fritz noch einige Zeit, bis er dann endgültig und völlig zu Recht das Tor annullierte. Ein Armutszeugnis …
Bitte, Thomas Tuchel, sag NIE WIEDER vor einem Spiel, dass dein Team „gut trainiert“ hätte – das kann als Gesamtpaket nur immer wieder schief gehen! Warum? Keine Ahnung. Aber offensichtlich setzt danach ein Automatismus ein.

Ein Kommentar zu “Immer vor FCB-Pleiten: DER fatale Tuchel-Satz”