Stadionumbenennung: Warum der Franz für den Bau der Allianz Arena tatsächlich wichtiger war als der Uli

Für die Würdigung des vor einer Woche verstorbenen Kaiser Franz Beckenbauer erscheint (fast) keine Aktion zu hoch gegriffen. Es gibt zahlreiche Ideen, es wird sich noch zeigen, welche davon tatsächlich umgesetzt werden (können). Eine der spektakulärsten Ideen kommt von der FCB-Trainerlegende Otmar Hitzfeld, sehr viele Bayernfans schließen sich ihr an: Die Umbenennung der Heimspielstätte des FC Bayern von Allianz Arena in Franz-Beckenbauer-Stadion oder -Arena. Einige Uli-Hoeneß-Fans sind vehement dagegen, allerdings zu Unrecht, wie FC Bayern Total meint.

Uli Hoeneß war tatsächlich lange Zeit so etwas wie DER Mr. FC Bayern. Weniger in seiner durchaus erfolgreichen aber zu kurzen Spielerkarriere als als Funktionär des Vereins: Manager, Präsident. Als er 1979 als 27-Jähriger die Geschicke des FCB übernahm – unter einem Präsidenten Willi O. Hoffmann – sanierte und modernisierte er den heutigen Rekordmeister. Besonders bemerkenswert: Er tat dies nach einer Phase der sportlichen Erfolglosigkeit, welche auch finanzielle Sorgen mit sich brachte. Dass Hoeneß nicht immer zimperlich mit seinen (sportlichen) Gegnern umging, brachte ihm den Beinamen „Abteilung Attacke“ ein.

Franz Beckenbauer dagegen war der Kaiser, die Lichtgestalt der FCB-, aber auch der deutschen Fußballgeschichte. Bereits auf dem Platz elegant, majestätisch, übertrug er dies auf seine späteren Aufgaben als Trainer und Funktionär. Manchmal agierte aber auch er als „Wilder Kaiser“. 😉

All die Verdienste und Erfolge des zweimaligen Weltmeisters und viermaligen Europapokalsiegers aufzuzählen, muss schlichtweg scheitern. Als sein großer Fan konnte man es bei den Schilderungen seiner Kameraden und Weggefährten schon erahnen: Seine Aura, Güte und Menschlichkeit übertrafen sogar noch seine (Weltklasse-)Leistungen auf dem Fußballplatz. Die Lobeshymnen der internationalen Presse nach seinem Tod bestätigen dies nur.

Nun zum Argument einiger FCB-Fans, dass die Allianz Arena nicht kurzfristig den Namen vom Franz tragen soll, sondern später einmal den vom Uli, weil dieses Stadion dessen „Baby“ sei:

Obwohl der FC Bayern mit dem Olympiastadion eine grandiose Heimspielstätte besaß, wurde sehr früh über die Eignung dieses architektonischen Kunstwerks als Fußballstadion diskutiert. Es ist eben ein Olympiastadion, mit Tartanbahn, die Zuschauerränge sehr weit vom Spielfeld entfernt – und im Winter ist das ehrwürdige Oly schlichtweg ein Eispalast mit sehr unangenehmen Bedingungen für Zuschauer und Spieler.

Für Bayernfans schier unendliche 21 Jahre (1993-2014) war der SPD-Politiker Christian Ude Münchens Oberbürgermeister. Politisch rot – in Sachen Fußball blau, ein Anhänger der Münchner Löwen. Seine Abneigung gegenüber dem FC Bayern konnte er kaum verbergen, nach seiner politischen Karriere machte er sie auf nahezu unverschämte Weise publik: Die zahlreichen Ehrungen des FC Bayern wären ihm als Vertreter der Stadt München ein Gräuel gewesen! Und genau dieser OB war verantwortlich für den Neubau eines richtigen Fußballtempels in München. Seine zahlreichen Argumente und Ausreden dagegen verhinderten so ein Projekt für lange Zeit.

Dann holte Kaiser Franz im Jahr 2000 – in ganz (Fußball-)Deutschland bejubelt – die WM 2006 in seine Heimat und ebnete die Voraussetzungen für das große weltweit bejubelte Sommermärchen sechs Jahre später. Aber der damalige FCB-Präsident (insgesamt von 1994-2009) ließ nicht nur ganz Fußball-Deutschland jubeln, er ließ speziell die Bayernfans jubeln und hoffen. Denn mit der Austragung der Weltmeisterschaft platzten auch die Argumente des unwilligen Herrn Ude gegen ein neues Fußballstadion in München wie Seifenblasen. Udes letzte Hoffnung, ein Bürgerentscheid in München pro/contra Arena im Herbst 2001, konnte das Projekt auch nicht mehr verhindern. Auch in diesem Zusammenhang: Danke danke, lieber Kaiser!

Dazu Uli Hoeneß in einem Interview 2020:

Ich habe alle Welt mobilisiert für dieses Projekt, denn Sie müssen ja bedenken, dass wir keine finanzielle Unterstützung von der Stadt oder dem Staat bekamen – anders als viele andere europäische Clubs in solchen Fällen. Wir mussten die Mittel selbst organisieren.“

Franz Beckenbauer war damals auch eine treibende Kraft, ihn hatte ich zum Beispiel extra beim ersten Vorgespräch mit der Allianz mitgenommen. Im Nachhinein war dieser Tag einer der entscheidenden. Franz muss man überhaupt dankbar sein. Denn nur weil er die WM 2006 nach Deutschland geholt hat, spielte Ude damals überhaupt mit„.

PS: Die Namensrechte, für welche die Allianz sicherlich nicht wenig Geld an den FC Bayern zahlt, sind natürlich ein nicht zu ignorierendes Argument gegen eine Umbenennung der Arena. Und so taucht nun bei den FCB-Fans eine charmante Lösung dieses Problems auf: die Franz Beckenbauer Allianz Arena!

Titelbild: Auch als Teamkollegen holten Franz und Uli von 1970 bis 1977 zusammen zahlreiche Titel für den FCB und die Nationalmannschaft.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

Ein Kommentar zu “Stadionumbenennung: Warum der Franz für den Bau der Allianz Arena tatsächlich wichtiger war als der Uli

  1. Bei allen riesigen Verdiensten von Uli Hoeneß für den FC Bayern: Wer nicht versteht, dass der Kaiser trotzdem eine Stufe über ihm steht, hat keine Ahnung vom FC Bayern (und dem deutschen Fußball allgemein).

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Bayern Total

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen