Die bittere Pokal-Pleite in Saarbrücken ist für die Boulevardmedien natürlich die beste Gelegenheit, um in der vermuteten Krisenstimmung an der Säbener Straße weitere Unruhe zwischen FCB-Coach Thomas Tuchel und Teilen der Mannschaft zu stiften. So soll die Kritik an Tuchel spürbar zunehmen. An vorderster Front bei solchen medialen Attacken steht wie so häufig Sport1, welches von einem Rumoren in der Kabine wissen will. Das erinnert alles an die Zeit von Julian Nagelsmann in München.
Sport1-(Klatsch-)Reporter Kerry Hau berichtet im Podcast “Die Bayern-Woche”, dass sich angeblich mehrere Spieler über die teils distanzierte Art des Trainers wundern würden. Nicht alle FCB-Spieler sollen sich von Tuchel abgeholt fühlen. Laut Hau hat Tuchel “natürlich seine Spieler, mit denen er außerhalb der Teamsitzungen viel spricht”. Dazu gehören z.B. Harry Kane und Leroy Sane. Dagegen soll der 50-Jährige mit anderen Spielern kaum kommunizieren. Hau behauptet, dass manche Spieler “von Co-Trainer Zsolt Löw erfahren, ob sie spielen oder nicht”.
Der Sport1-Boulevardjournalist breitet in dem Podcast weitere olle Kamellen aus: Die alte Geschichte, dass die Bayern-Kabine die anhaltende öffentliche Kritik des Trainers am Kader, vor allem die Holding Six Debatte, nerven würde. Nach Informationen von Sport1 soll speziell das Verhältnis zwischen Tuchel und Joshua Kimmich “eher schwierig sein”.
Es wirkt alles genauso konstruiert und haltlos wie die unsägliche „Hat-die-Kabine-verloren„-Debatte Anfang des Jahres zu Nagelsmann-Zeiten. Alle von den Spielern geäußerten Statements auch nach der Freistellung des jetzigen Bundestrainers deuteten klar darauf hin, dass dieses nicht belegte Szenario nur den Click-bringenden Fantasien mancher Boulevard-Journalisten entsprungen ist. Leider ist der damalige Sportvorstand Hasan Salihamidzic auf dieses Boot aufgesprungen bzw. hat sich hinter diesem Argument bei Nagelsmanns Entlassung versteckt. Nicht zuletzt deswegen ereilte ihn zwei Monate später selbst das gleiche Schicksal.
Heute um 11:30 gibt es die PK mit Tuchel vor dem deutschen Clásico in Dortmund. Mal schaun, ob sich Hau & Co trauen, solche Themen anzusprechen. Und wenn ja: Wie wird der FCB-Trainer reagieren.
Update 3. November 2023, 12:00
Tatsächlich wurde dieses Thema heute auf der PK angesprochen. Jedoch nicht vom anwesenden Hau, der sich etwas feige weggeduckt hat, sondern von einem Medienkollegen, der den Sport1-Reporter jedoch nicht namentlich dabei erwähnte. Tuchel reagierte etwas erstaunt, weil er ganz offensichtlich weder den Beitrag von Hau kannte noch der Inhalt nur ansatzweise die Realität an der Säbener Straße widerspiegelt:
„Ich habe keinen Bericht gelesen. Ich bin ein Teil einer Mannschaft und eines großen Clubs. Ich habe einen Anteil daran, wenn wir gewinnen und einen Anteil daran, wenn wir verlieren. Es ist alles gut im Innenverhältnis, sonst wären wir nicht in der Lage, die Saison so zu beschreiten, wie wir es aktuell machen. Daran wird auch eine Niederlage, auch wenn sie extrem bitter war, nichts ändern. Es geht darum, dass wir zusammenbleiben, gemeinsam die Ruhe bewahren und uns auf unsere Stärken besinnen.“
Tuchels Aussagen kamen absolut glaubwürdig herüber. Man muss sich somit um den FC Bayern charakterlich wesentlich weniger Sorgen machen als dass dies die Medien permanent vermitteln wollen.
