FCB-Deadline-Day-„Katastrophe“ Ryan Gravenberch?

Kommentar von Petersgradmesser

Dass der 21-jährige niederländische Nationalspieler Ryan Gravenberch ein riesiges Talent besitzt, dürfte auch beim FC Bayern jeder wissen. Dennoch ließ man ihn am sog. Deadline-Day für stolze 40 Millionen Euro nach Liverpool ziehen. Dort findet er sich nun immer besser zurecht. Manche Fußball-Magazine munkeln deswegen schon, ob die eigentliche „Katastrophe“ des FC Bayern am Deadline-Day nicht der geplatzte Palhinha-Deal war, sondern viel eher der Verkauf von Gravenberch. Im folgenden eine Einordnung der Situation.

Obwohl der FCB im defensiven bzw. zentralen Mittelfeld inklusive der Position der sog. Holding Six mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Konrad Laimer (zu) dünn besetzt ist, ließ der Rekordmeister trotz des gescheiterten Palhinha-Deals Gravenberch in die Beatles-Stadt ziehen. Der Hauptgrund: Wie wohl auch schon zuvor Julian Nagelsmann sah FCB-Chefcoach Thomas Tuchel den Ex-Ajax-Spieler aufgrund seiner Spielanlagen nicht als Alternative zu den genannten drei Spielern, sondern wesentlich offensiver. Und genau dort ist der deutsche Rekordmeister mit Jamal Musiala, Thomas Müller, Leroy Sané, Kingsley Coman und Serge Gnabry bestens aufgestellt. Gegen diese Spieler hätte sich der Niederländer in München durchsetzen müssen. Das hat er sich offensichtlich nicht einmal selbst zugetraut.

Über die aktuelle Situation des Ex-FCB-Spielers in Liverpool kann man unter anderem bei 90min lesen: „Für Gravenberch hat sich der Deal nach jetzigem Ermessen voll und ganz ausgezahlt. Insbesondere in der Europa League läuft es für den Neuzugang mit drei Startelf-Einsätzen und drei Scorer-Punkten schon richtig gut. Zudem konnte er aber auch in der Premier League seine Einsatzzeiten stetig steigern und befindet sich auf einem guten Weg, Stammspieler zu werden.

Sehr optimistisch, wenn man genauer auf die tatsächlichen Einsatzdaten von Gravenberch in Klopps Truppe schaut: Bislang kommt er auf 129 Minuten in fünf Premier League Spielen, am 9. Spieltag am vergangenen Wochenende hatte er beim Lokalderby gegen den Abstiegskandidaten Everton sein Startelfdebüt und wurde nach 62 Minuten ausgewechselt. Die meisten Einsatzminuten sammelte er in der Europa League – die Gegner hießen Union Saint-Gilloise, FC Toulouse und der LASK aus Österreich.

In der gesamten letzten Saison kam er beim FC Bayern auf 32 Pflichtspiele und 915 Spielminuten (BL 24 Spiele / 559 Minuten; CL 6 / 250; Pokal 2 / 106). Für ihn zu wenig, wie er immer wieder auch medial durchblicken ließ. Allerdings ist sein bisheriger Schnitt in Liverpool keineswegs signifikant höher, vor allem dann nicht, wenn man die Einsatzminuten in der zweitklassigen EL wegrechnen würde.

Außerdem – ohne dass diese Argumentation derzeit als arrogant zu bezeichnen ist: Der FC Bayern ist der Zweite der UEFA-5-Jahreswertung, der deutsche Dauer- und Rekordmeister, dagegen hat sich der einstige englische Rekordmeister mit Ach und Krach für die EL qualifiziert. Die Klasse der Bayernspieler gerade auf Gravenberchs Lieblingspositionen ist in München definitiv größer als in Liverpool.

Ob sich der FCB tatsächlich wegen des Verkaufs von Ryan Gravenberch irgendwann einmal in den Allerwertesten beißen wird, wird die (Fußball-)Zukunft zeigen. Anhand der aufgezeigten Gründe war sein Abgang in die PL jedoch für alle Seiten die beste Option – wenn man außen vor lässt, dass der FCB-Kader tatsächlich in dieser Hinrunde zu dünn bestückt ist.


Update 8. Dezember 2023

Etwas überraschend bringt Sport1 heute einen Beitrag über Gravenberch mit der Überschrift „Klopp schafft, woran Bayern scheiterte„. Warum überraschend? Eigentlich hat sich an Gravenberchs Situation in Liverpool wenig geändert: Anständige Einsatzzeiten in der zweitklassigen Europa League, wenig Spielminuten in der Premier League. Zuletzt wurde er am Mittwoch in Sheffield in der 86. Minute eingewechselt.

Und den Didi Hamann zitiert Sport1 natürlich auch 😉

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

2 Kommentare zu „FCB-Deadline-Day-„Katastrophe“ Ryan Gravenberch?

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