Eine überwältigende Mehrheit der FCB-Fans würde sich angesichts der angespannten Personalsituation beim Rekordmeister über eine Rückkehr des zweimaligen Triple-Siegers und Weltmeisters von 2014 Jerome Boateng freuen, wenn sich der 35-Jährige in dieser Woche auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße dafür qualifizieren kann. Siehe dazu auch die Umfrageergebnisse am Ende dieses Beitrags. Die deutschen Medien zeigen dagegen weiterhin Unverständnis für diesen möglichen Schritt und bekommen aus Frankreich Unterstützung für diese Haltung.
Seit Sonntag trainiert der aktuell vereinslose Boateng an der Säbener Straße mit. Dabei wollen sich die Bayern-Verantwortlichen ein exaktes Bild vom seinem Leistungsvermögen und Fitnesszustand machen und angeblich Ende dieser Woche eine Entscheidung über eine erneute Zusammenarbeit treffen. Jerome hatte bereits von 2011 bis 2021 äußerst erfolgreich für den Rekordmeister gekickt.
Der ehemalige deutsche Nationalspieler hatte sein letztes Pflichtspiel vor fast genau vier Monaten im Trikot von Olympique Lyon bestritten und wurde nach dem Saisonende aussortiert. Grund sollen mangelnde Fitness, wenig überzeugende Auftritte und nicht zuletzt sein turbulentes Privatleben gewesen sein, auch wenn höchst prominente französische Nationalspieler dahingehend schon wesentlich auffälliger agiert hatten.
Dabei war die Vorfreude auf Boateng im Sommer 2021 beim damaligen Trainer Peter Bosz sehr groß gewesen. Der frühere OL-Juninho kürzlich beim Radiosender RMC Sport: “Peter war sich sicher, dass Jerome für uns eine große Hilfe darstellen würde”.
Doch Boateng konnte die hohen Erwartungen nach seinem Wechsel von München nach Lyon nie erfüllen. In zwei Spielzeiten kam er lediglich auf 35 Pflichtspieleinsätze, in der vergangenen Saison lief er vor allem aufgrund von Verletzungen nur achtmal auf. Nur in einer einzigen Partie stand er über 90 Minuten auf dem Platz und das war im Oktober 2022. Dazu Juninho: “Im Nachhinein muss man schon anerkennen, dass es keine gute Idee war, weil der Spieler unsere Erwartungen nie erfüllen konnte”.
Umso überraschter zeigt sich der frühere brasilianische Nationalspieler nun angesichts der jüngsten Entwicklungen: “Dass er nun zum FC Bayern geht, das ist ja eine Riesen-Überraschung. Er kam letzte Saison immer seltener zum Einsatz und nun hat er seit mehr als vier Monaten nur allein trainiert. Ob das gut geht in München?”
Auch der ehemalige französische Nationaltrainer Raymond Domenech (2004-2010) staunt über den sich anbahnenden Deal. Der 71-Jährige in L’Équipe TV: “Dass Boateng zu Bayern gehen soll, das ist schon unfassbar. Man hätte eher erwartet, dass er in die USA oder nach Saudi-Arabien geht, auch weil er in Lyon nie sein bestes Niveau erreichen konnte”.
Deswegen kritisiert Domenech auch die FCB-Verantwortlichen für diese Idee: “Bayern München ist eigentlich für seine hohe Professionalität und seine großartigen Erfolge bekannt. Aber mit einer solchen Maßnahme und der Rückkehr von Boateng kann es eigentlich fast nur schiefgehen.“ Um sich dann final sogar noch über die Angelegenheit lustig zu machen: „Außer die Münchner Luft verleiht ihm neue Flügel. Das darf berechtigterweise bezweifelt werden”.
Vielleicht verleiht ja tatsächlich die Münchner Luft und nicht Red Bull Jerome und in Bälde auch Max Eberl Flügel und die ganzen Skeptiker und Nörgler in Deutschland wie Frankreich stehen verschämt in der Ecke. Performt der ehemalige FCB-Spieler nicht im Training, wird er auch keine Chance auf einen erneuten Vertrag bekommen. Fußball-Frankreich muss sich auf alle Fälle um den FCB keine Sorgen machen.
