Kane-Deal: „100 Millionen für ein Jahr – was für eine Dummheit!“

… derartige Kommentare liest man derzeit sehr häufig auf FCB-(Fan)Seiten.

Kommentar von Petersgradmesser

Mit einem Jahr Verspätung setzt der FC Bayern alles daran, einen adäquaten Nachfolger für Robert Lewandowski zu verpflichten. Die Wahl fällt auf den bald 30-jährigen Harry Kane, die Tormaschine der Premier League der letzten zehn Jahre, den Rekordtorschützen der Three Lions. Weltklassespieler möchte der Stammverein jedoch im Regelfall mit allen Mitteln behalten. Wenn das nicht möglich erscheint, ruft man zumindest eine gigantisch hohe Ablösesumme ab – wie nun im Fall von Kane. Die Schmerzgrenze des deutschen Rekordmeisters wird von den Medien in der Causa mit 100 Millionen Euro angegeben. Da der Tottenham-Kapitän allerdings bei seinem Londoner Klub nur noch einen Vertrag bis 2024 besitzt, könnte er im nächsten Jahr ablösefrei wechseln – und genau da setzt die Fankritik an. Diese ist jedoch viel zu kurzsichtig.

Der FC Bayern hat genau auf dieser Position eine Schwachstelle in seinem Luxuskader ausgemacht. Vom vorhandenen Personal ist Eric Maxim Choupo-Moting leider zu verletzungsanfällig, Mathys Tel mit gerade einmal 18 Jahren noch nicht ganz bereit für diese ganz große Rolle im europäischen Spitzenfußball. Die anderen gehandelten Spieler wie Randal Kolo Muani oder Victor Osimhen würden zum einen noch teurer kommen, haben aber zum anderen jeweils gerade eine Klassesaison in einer Topliga gespielt und müssen ihre Leistungen aus 2022/23 erst noch bestätigen.

Warum nicht ein Jahr auf Kane warten und ihn dann ablösefrei unterschreiben lassen?

Der FCB braucht so einen Stürmer sofort, nicht erst in einem Jahr. Mit einer Zwischenlösung – Leihe Vlahovic? – ein Jahr überbrücken? Ist das fair gegenüber dem Serben? Und welches Signal sendet man damit an Kane? Wir holen dich nächstes Jahr, wenn du ablösefrei bist. Das strahlt nicht die ganz große Wertschätzung dem Spieler gegenüber aus. Er könnte sich im kommenden Jahr deswegen sogar umentscheiden, obwohl er nun den Bayern offensichtlich seine feste Zusage gegeben hat. Aber warum dann nicht ablösefrei zum meistbietenden Verein gehen, wenn mich mein aktueller Favorit nicht mit allem Nachdruck verpflichten will.

Das Statement „100 Millionen für ein Jahr – was für eine Dummheit!“ ist folglich schlichtweg falsch – und es hätte ohne das sog. Bosman-Urteil von 1995 – Bosman-Entscheidung – Wikipedia – übrigens überhaupt keine Berechtigung. Bis zu jenem Urteil war es für die Ablösesumme völlig gleichgültig, wie lange ein Vertrag noch Laufzeit hatte.

Es ist übrigens auch nicht logisch (Herr Matthäus!) den FCB wegen des Kane-Deals zu tadeln, weil eine Lewandowski-Verlängerung 2022 insgesamt günstiger gewesen wäre. Zum einen wollte dieser im vergangenen Jahr unter allen Umständen nach Barcelona wechseln (50 Millionen für einen 34-Jährigen, dessen Vertrag auch nur noch ein Jahr gelaufen wäre, waren auch nicht so schlecht!), zum anderen ist Harry Kane zwar kein Jungspund mehr, aber dennoch fünf Jahre jünger als die polnische Tormaschine.

Zu guter Letzt: Auch wenn FC Bayern Total den aktuellen Umgang mit Sadio Mané nicht so sehr schätzt, muss man diesen – wahrscheinlichen – Deal auch mit dem Kane-Deal verrechnen. Dann ist die Ablösesumme schon längst nicht mehr so hoch, Kane ist wiederum über ein Jahr jünger, besetzt im Gegensatz zu Sadio genau die vakante Position – und beim (teuren) Gehalt sollte es sogar zum Nullsummenspiel kommen.

PS: Dass die Transfersummen und Gehälter im Profifußball insgesamt mittlerweile weit jenseits von Gut und Böse sind, ist ein ganz anderes Thema.


Update 24. Juli 2023

Der Beitrag wird – in den Social Media (auf dem Blog überraschend gar nicht) – heftig diskutiert.

Zu einer Argumentation möchte ich gerne doch noch Stellung nehmen: Die Befürworter des Deals mit den gewaltigen Summen argumentieren zahlreich, dass dieser zum (großen) Teil über Trikotverkäufe refinanziert werden könnte.

Dieser Meinung bin ich nicht. Der FCB war zwar im letzten Jahr mit über drei Millionen verkauften Trikots „Weltmarktführer“ bei den Fußballvereinen, aber der eigene Gewinn beim Verkauf eines 100-EURO-teuren Trikots ist nicht so gewaltig hoch wie manche denken mögen.

Außerdem ist das „Fanbudget“ bei den meisten auch nicht endlich groß: Kaufe ich ein Kane-Trikot, kaufe ich eben keines von Kimmich, Musiala, Müller etc. … Nur die wenigsten leisten sich mehrere Trikots pro Saison – Heim-, Auswärts-, CL-Trikot als Auswahl.

Die vielen zusätzlichen Kane-Trikots auf dem Markt sollten eher inoffizielle Billigversionen sein. Davon hat der Verein selbst aber nichts.

Veröffentlicht von fcbayerntotal

Admin und Autor von FC Bayern Total

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