Der FC Schalke 04, seine Anhängerschaft und letztlich fast ganz Fußball-Deutschland feiert das überraschende 0:0 der Knappen gegen den scheinbar übermächtigen FC Bayern am 2. Bundesligaspieltag 2026/27. Letztendlich war es aber ganz alleine der Rekordmeister, der sich selbst um den verdienten Sieg brachte.
Der FC Bayern hatte beim BL-Auswärtsspiel in Gelsenkirchen nach dem Schlusspfiff 83 Prozent Ballbesitz, 15:4 Schüsse (5:1 aufs Tor) und 11:0 Ecken auf seiner Habenseite. Die sechs gezählten Großchancen vergab zur Hälfte Luis Díaz, Harry Kanes großartiger Distanzschuss kurz vor dem Spielende, den S04-Keeper Loris Karius noch großartiger aus dem Winkel kratzte, zählte statistisch nicht einmal dazu. Die Gelsenkirchner sorgten dagegen über die gesamte Spieldauer kein einziges Mal für wirkliche Torgefahr.
Nach der Partie wurde FCB-Coach Vincent Kompany von einem Teil der eigenen Fans dafür kritisiert, dass in der Startelf weder Harry Kane noch Michael Olise standen, die beim Pokalfight in Osnabrück drei Tage zuvor noch drei der vier Bayerntreffer erzielt hatten. Die Erklärung des Belgiers war ganz simpel: Beide Superstars sind nach der WM quasi ohne Vorbereitung in die Saison gestartet und können somit unmöglich in englischen Wochen regelmäßig 90 Minuten spielen.
In diesem Zusammenhang ist es durchaus unglücklich, dass außer Díaz auch alle anderen Offensivspieler des Rekordmeisters mit einem Handicap in die Spielzeit starten müssen: Jamal Musiala mit seiner speziellen Krankheitsdiagnose und OP (Entfernung der Metallplatte von der OP des letzten Jahres) nach der WM, Lennart Karl nach langfristiger Verletzung, Neuzugang Ismael Saibari nach WM-Verletzung – und Serge Gnabry steht nach fünfmonatiger Verletzungspause zwar bald wieder zur Verfügung, aber auch das wird noch dauern.
Und der eigentlich großartige Kolumbianer Luis Díaz ist eher für die spektakulären Tore verantwortlich, als dass er die „einfachen Dinge“ erfolgreich abschließt. Das ist nichts Neues, war aber auf Schalke fatal.
So konnte sich am Ende der Aufsteiger über einen Punkt freuen, den weniger er selbst erkämpft hat, als dass er ein ungewollt großzügiges Geschenk der Münchner gewesen wäre. Seit einiger Zeit ist dies auch anhand der sogenannten Expected Goals (xG) messbar. Ein Vergleich der neun Bundesligaspiele am vergangenen Wochenende zeigt, dass der amtierende Meister dabei am schlechtesten abgeschnitten hat.
Die Expected-Goal-Werte der Bundesligapartien des 2. Spieltags 2026/27
VfB Stuttgart – 1. FC Köln 4:1 – 3,48 : 2,86
TSG Hoffenheim – Borussia Dortmund 2:3 – 1,18 : 2,02
Bayer Leverkusen – Union Berlin 4:0 – 2,85 : 0,43
Borussia Mönchengladbach – SV 07 Elversberg 3:4 – 2,02 : 2,35
Werder Bremen – RB Leipzig 3:1 – 0,84 : 1,56
SC Paderborn – SC Freiburg 0:1 – 0,72 : 1,29
FC Schalke 04 – FC Bayern 0:0 – 0,21 : 2,10
Hamburger SV – FSV Mainz 05 0:5 – 0,19 : 2,91
Eintracht Frankfurt – FC Augsburg 1:4 – 1,87 : 1,30
Während S04 (0,21) und der HSV (0,19) die mit Abstand torungefährlichsten Teams des 2. BL-Spieltags darstellten, war der xG-Wert des FCB (2,10) auf einer Ebene mit dem des BVB (2,02), von Gladbach (2,02) und von Elversberg (2,35) – nur erzielten diese drei Mannschaften drei bis vier Tore!
Werder erzielte mit einem Wert von lediglich 0,84 gar drei Tore gegen RB Leipzig – ähnlich fahrlässig wie der FCB gingen sonst nur die Kölner mit ihren Torchancen um. Die Quittung: ein 1:4 in Stuttgart trotz eines xGoal-Werts von 2,86. Allerdings hatte auch der VfB zahlreiche Großchancen, die er wiederum (xG 3,48) auf seriöse Weise verwertete.
Zur Einordnung des FCB-Spiels gemäß der xG-Werte: ein 2,10 zu 0,21 ist umgerechnet ziemlich genau ein 3:0. Wäre die Samstagspartie standesgemäß so ausgegangen, würden die Fazite nun ganz anders lauten.
