Der FC Bayern ist mit 17 Spielern in die WM 2026 gestartet. Die wenigsten dürften nach dem insgesamt umstrittenen Turnier zufrieden sein. Wird Harry Kane der Retter? Ein Kommentar.
Wenn am Sonntagabend MEZ die 23. Fußball-Weltmeisterschaft, für die FIFA die „größte aller Zeiten“, für andere eher die – mit 48 Teilnehmern – aufgeblähteste aller Zeiten, zu Ende geht, werden viele Fußballfans aufatmen. Das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko hat vielmehr aufgeregt und genervt als sportlich überzeugt.
Der unglaubliche Schulterschluss zwischen FIFA-Präsident Gianni Infantino und USA-Präsident Donald Trump, die skandalösen politischen Schikanen des Hauptgastgeberlands gegenüber teilnehmenden Ländern (speziell Iran), Spielern und Schiedsrichtern, schwache bis skandalöse Schiedsrichterleistungen und vieles mehr: All dies veranlasst vereint mit zahlreichen schwachen Partien auf dem grünen Platz wohl massenhaft Anhänger der populärsten Sportart der Welt (was allerdings nicht auf die USA zutrifft), dass sie dieses Mammutturnier rasch aus ihrem Gedächtnis streichen wollen.
Sachlich-nüchterne Spanier dominieren Frankreich
Dazu passt, dass das erste Halbfinale nicht das bis dahin im Turnierverlauf mit attraktivem Offensivfußball glänzende Frankreich gewonnen hat, sondern die sachlich-nüchterne, wenig begeisternde Spielweise der Spanier hat beim 2:0 klar dominiert. Die Truppe von Chefcoach Luis de la Fuente wirkt wie eine perfekte Maschine – ihre Protagonisten erstaunen: Denn es sind keine Superstars vom souveränen Meister FC Barcelona und Real Madrid. Das Turnier startete gar ohne einen einzigen königlichen Spieler, seit dem 1. Juli wird Real immerhin durch den vom FC Chelsea verpflichteten Marc Cucurella vertreten. Dagegen stehen zwar acht Barça-Spieler im Kader, lediglich eines der 13 spanischen Tore wurde von ihnen erzielt (Lamine Yamal beim 4:0 gegen Saudi Arabien).
Die spanischen „WM-Helden“ sind fast schon bezeichnenderweise andere: Mit bislang fünf Treffern Mikel Oyarzabal vom Tabellen-Zehnten der vergangenen LaLiga-Spielzeit, Real Sociedad San Sebastian, Top-Joker Mikel Merino, der beim FC Arsenal ebenfalls meistens von der Bank kommt. Zu ihnen zählt wohl auch Torhüter Unai Simon von Athletic Bilbao, Zwölfter der Saison 2025/26, mit nur einem Gegentor in sieben Spielen auch Profiteur der kompakten spanischen Spielweise. Die hochgehandelten Franzosen mit Real-Superstar Kylian Mbappe und Bayerns Michael Olise sind an dieser gnadenlos gescheitert.
Harry Kane und England als FCB-Hoffnungsträger
Durch die französische Schlappe ist auch die Fortsetzung eines sagenhaften WM-Rekords des FC Bayern (zusammen mit Inter Mailand) in Gefahr geraten: Seit der WM 1982 (in Spanien!) stand immer mindestens ein aktueller Spieler des Rekordmeisters im Finale auf dem Rasen. Michael Olise und Dayot Upamecano werden es dieses Mal nicht sein: Die Münchner Hoffnungen beruhen nun auf Harry Kane mit England. Die Three Lions treffen im zweiten Halbfinale auf den Titelverteidiger aus Argentinien. Der überzeugte zwar bislang wenig, kann sich aber auf seinen 39-jährigen Superstar Lionel Messi (wie Mbappe acht Turniertreffer) und im Zweifelsfall auch auf „günstige Schiedsrichterentscheidungen“ verlassen – eines der vielen Aufregerthemen der WM 2026.
Sollte mit dem englischen Toptorjäger auch der letzte FCB-Spieler vor dem Endspiel scheitern, ist nicht nur die bayerische WM-Rekordserie beendet: Für viele Anhänger des Rekordmeisters dürfte damit – aus Sympathiegründen – auch das Turnier vor dem TV-Gerät beendet sein. Während sich Kane in München größter Beliebtheit erfreut, würde die Finalpaarung durch einen weiteren Kontrahenten ergänzt werden, dem die FCB-Fans keine großen Triumphe wünschen. Das 19-jährige spanische „Wunderkind“ Yamal hat durch seine Verhöhnung der unterlegenen Franzosen nach dem Spiel dazu weiteren Anlass gegeben.
Wunschtraum der FCB-Anhänger: Harry Kane schießt seine Engländer zuerst ins Finale, dann zum WM-Titel. Den Triumph feiert er in München mit all seinen Teamkollegen, die weniger glücklich aus Übersee zurückgekommen sind. Darunter auch Olise, der heftige Kritik einstecken musste, weil er gegen den Neu-Madrilenen Cucurella im Semifinale wenig Land gesehen hat. Im Bayerntrikot hatte er den damals noch für Chelsea auflaufenden „Lieblingsspanier der deutschen Fans“ zum CL-Auftakt 2025/26 beim 3:1 noch schwindelig gespielt. Ein Szenario, das den Münchnern auch nach dessen Wechsel nach Madrid extrem gefallen würde.
