Welche Konsequenzen hat Brasiliens WM-Pleite für Ex-FCB-Coach Ancelotti?

Nach der 1:2-Niederlage gegen Norwegen ist Rekordweltmeister Brasilien erstmals seit 36 Jahren nicht im WM-Viertelfinale vertreten. Was bedeutet das für Carlo Ancelotti?

Für seinen sechsten WM-Titel hat Rekordweltmeister Brasilien im Mai 2025 mit Carlo Ancelotti einen der erfolgreichsten Trainer der europäischen Vereinsgeschichte verpflichtet. Der 67-Jährige, der bereits als Spieler des AC Milan zweimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte, hat auch als Chefcoach der Lombarden zweimal den Champions-League-Titel geholt, mit Real Madrid gar dreimal.

Der Italiener hat in seiner Trainerkarriere in sämtlichen europäischen Top-5-Ligen den Meistertitel gewonnen. Unter anderem ist ihm das 2016/17 auch beim FC Bayern gelungen. Allerdings gehörte sein Engagement beim Rekordmeister sicherlich nicht zu seinen gelungensten Trainerstationen. Bereits im September 2017 wurde er nach einem 0:3 bei Paris Saint-Germain entlassen. Große Teile der FCB-Führungsspieler rebellierten damals gegen Ancelotti, vor allem seine angeblich zu laschen Trainingsmethoden standen in der Kritik.

Wie beim FC Bayern: Ancelotti (noch) nicht erfolgreich in Brasilien

Und auch seine Mission in Brasilien ist bislang nicht vom erwünschten Erfolg gekrönt. Norwegens Superstar Erling Haaland verpasste Ancelottis Team im WM-Endspielstadion in East Rutherford mit seinem Doppelpack in der Schlussphase den Knock-out. Die Enttäuschung im Sambaland ist riesig. Schließlich wartet Brasilien seit dem Triumph 2002 gegen Deutschland auf den sechsten WM-Titel.

Anschließend war in jedem Turnier immer jeweils gegen europäische Mannschaften vorzeitig Schluss. Viermal im Viertelfinale: 2006 gegen Frankreich (0:1), 2010 gegen die Niederlande (1:2), 2018 gegen Belgien (1:2) und 2022 im Elfmeterschießen gegen Kroatien. Bei der Heim-WM 2014 kam Brasilien zwar bis ins Halbfinale, musste dort aber gegen Deutschland eine epische 1:7-Blamage einstecken. Beim laufenden Turnier ist nun sogar schon im Achtelfinale Schluss, das war zuletzt 1990 – ausgerechnet gegen den Erzrivalen Argentinien – passiert.

Viele Nationaltrainer, darunter DFB-Bundestrainer Julian Nagelsmann, mussten nach Turnierpleiten 2026 bereits ihren Stuhl räumen. Bei Ancelotti soll die bittere Pleite aber überraschenderweise nichts ändern. Schon unmittelbar nach dem Aus räumte der brasilianische Verband CBF mit möglichen Trennungsgerüchten auf: „Er ist unser Trainer und wird es im nächsten WM-Zyklus auch sein“, so Generaldirektor und Nationalmannschafts-Manager Rodrigo Caetano.

Ancelotti hatte die Seleção im Mai 2025 während der laufenden WM-Qualifikation, die auf einem enttäuschenden fünften Platz abgeschlossen wurde, übernommen. Argentinien war punktemäßig meilenweit enteilt. Auch Ecuador, Kolumbien und Uruguay standen nach 18 Spielen vor den Sambakickern, Paraguay punktgleich nur knapp dahinter. Trotzdem wurde der Vertrag mit dem Italiener noch vor dem Turnier bis 2030 verlängert – und dieses langfristige Vertrauen soll trotz der enttäuschenden WM weiterhin bestehen bleiben.

Caetano sieht dabei die fehlende Kontinuität der vergangenen Jahre als einen Grund für das frühe Scheitern. Das Fehlen einer „angemessenen, langfristig stabilen Leitung“ sei ein Problem gewesen. „Diesen Fehler dürfen wir nicht noch einmal machen. Nun liegt es an uns, mit etwas mehr Ruhe unsere Arbeit mit dem Trainer fortzuführen und dabei die nötigen Anpassungen vorzunehmen, um voranzukommen und uns auf die nächste Weltmeisterschaft vorzubereiten“.

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