Harry Kane nimmt mit England die nächste schwere Hürde auf dem Weg zum WM-Titel und kommt dabei auch persönlich der höchsten individuellen Auszeichnung im Weltfußball näher.
Nach dem Thriller in der Höhenluft (2200 Meter) des legendären Aztekenstadions in Mexiko-City hatte Bayern-Superstar Harry Kane keine Stimme mehr. Er war völlig außer Atem, er war heiser, nicht zuletzt vom gemeinsamen Singen von „Wonderwall“ mit den euphorisierten englischen Anhängern: „Sorry, meine Stimme ist weg, ich habe die ganze Zeit gesungen, ich kann nicht wirklich reden“, entschuldigte sich der englische Kapitän im BBC-Interview. Der Toptorjäger weiter: „Es ist unglaublich. Ein verrücktes Spiel. Mein Gott, wir haben so gekämpft. Unglaublich, die Mannschaft, alles, das ist so unglaublich.“
3:2 (2:1) gewannen die von Ex-FCB-Coach Thomas Tuchel betreuten Engländer, die ab der 54. Minute aufgrund einer Roten Karte für den Leverkusener Jarell Quansah in Unterzahl spielen mussten, im WM-Achtelfinale gegen WM-Co-Gastgeber Mexiko. Real-Superstar Jude Bellingham (36./38.) schockte die Mexikaner mit einem Doppelschlag – der zweite Treffer nach glänzendem Assist von Kane. Der Bayernstürmer ließ England per Foulelfmeter und seinem sechsten Turniertreffer endgültig vom ersten WM-Titel seit 60 Jahren träumen (60).
Doch Mexiko blieb durch die Anschlusstreffer von Julian Quinones (42.) und Raúl Jiménez (69., Foulelfmeter) nicht zuletzt wegen der langen Überzahlspielzeit immer dran. So war auch Tuchel nach dem Schlusspfiff mächtig stolz: „Dieses Team gibt alles. Wenn es schwierig wird, geben sie nicht auf, glauben weiter an sich. Es war ein verrücktes Spiel. Wir müssen das jetzt erst einmal verarbeiten. Und dann geht es mit Volldampf weiter.“ Im Viertelfinale treffen die Engländer am Samstag in Miami auf Norwegen mit Erling Haaland.
Enges Rennen um den WM-Torschützenkönig und um den Ballon d’Or
Die norwegische Tormaschine von Manchester City führt gemeinsam mit Kylian Mbappé und Lionel Messi die Torschützenliste des WM-Turniers mit sieben Treffern an, dahinter folgt Kane mit sechs Toren. Mit diesem halben Dutzend hat der 32-Jährige nicht nur Bayernlegende Gerd Müller in der ewigen WM-Torjägerliste mit insgesamt 14 Toren eingeholt, er ist auch längst der erfolgreichste englische WM-Schütze aller Zeiten.
Für den Spieler des deutschen Rekordmeisters geht es bei der WM 2026 längst nicht mehr nur um den Titel, er könnte nach Gerd Müller (1970) und Franz Beckenbauer (1972 und 1976) auch der dritte Bayernspieler werden, der den Ballon d’Or gewinnt. Im Verein hat er bereits auf beeindruckende Weise mit 61 Toren in 51 Partien vorgelegt. Die Trophäe wird letztendlich aber wohl ein Spieler des künftigen Weltmeisters in den Händen halten. Auch sein FCB-Teamkollege Michael Olise ist dabei keineswegs chancenlos. Vorteil Kane: Müller gewann die Auszeichnung, nachdem er zuvor bei der WM in Mexiko (mit zehn Toren) Torschützenkönig geworden war.
