Transfersommer: Hat der FC Bayern ein „Ladenhüterproblem“?

Die Verantwortlichen beim FC Bayern stehen vor einem komplizierten Transfersommer. Als nächster Schritt stehen Spielerverkäufe zur Generierung von Transfererlösen an.

Parallel zur Mammut-WM 2026, bei der aktuell der zweite Gruppenspieltag für die 48 Teilnehmer läuft, müssen die Vereine ihre Kaderplanungen für die kommende Spielzeit vorantreiben. Die Verantwortlichen des FC Bayern scheinen dabei ganz gut im Zeitplan zu sein. Neben den Abgängen von Leon Goretzka, Raphael Guerreiro und Nicolas Jackson, deren Verträge nicht verlängert wurden bzw. bei dem (Jackson) die Kaufoption nach Leihvertrag nicht gezogen wurde, werden in Kürze wohl die beiden Neuverpflichtungen von Nathaniel Brown und Ismael Saibari finalisiert.

Beide befinden sich mit ihren Nationalmannschaften in den USA, wo auch die obligatorischen medizinischen Untersuchungen stattfinden sollen bzw. beim Marokkaner schon stattgefunden haben. Der Zeitpunkt der offiziellen Transferverkündung ist bei beiden noch offen. Danach beginnt beim Rekordmeister – laut übereinstimmenden Medienmeldungen – die nächste Phase des Transfersommers: Es sollen Erlöse durch Spielerverkäufe erzielt werden, um damit weitere Kaderverstärkungen finanzieren zu können. Darin beinhaltet sind sowohl die geplanten teuren Vertragsverlängerungen von Harry Kane, Michael Olise, aber auch Konrad Laimer, als auch weitere Neuverpflichtungen.

Natürlich könnten auch Spieler des Kaders der Saison 2025/26 wie Minjae Kim und Hiroki Ito noch abgegeben werden, aber die am heißesten gehandelten Abschiedskandidaten sind die Rückkehrer aus Leihdeals. Daniel Peretz wurde für acht Millionen Euro bereits fix (wohl aber mit Rückkaufoption) an den FC Southampton abgegeben, Maurice Krattenmacher für eine nicht bekannte Ablösesumme an den Bundesligaaufsteiger SV Elversberg.

Komplizierte Kandidaten zur Erzielung von höheren Transfereinnahmen

Größere Summen erwarten sich FCB-Sportvorstand Max Eberl & Co. aber sicherlich durch den Verkauf von Joao Palhinha, Alexander Nübel, Bryan Zaragoza und Sacha Boey. Alle vier Deals könnten jedoch anspruchsvoll bis nervenaufreibend werden. Es sind jeweils Transfererlöse im zweistelligen Millionenbereich eingeplant.

Für den ehemaligen portugiesischen Nationalspieler Palhinha besitzt Tottenham Hotspur eine Kaufoption über 30 Millionen Euro. Der Londoner PL-Klub scheint die Summe jedoch noch drücken zu wollen. Auch den anderen interessierten Vereinen wie Sporting Lissabon und Besiktas Istanbul könnte die ursprünglich vom FC Bayern geforderte Transfersumme zu hoch sein.

Auch beim dreifachen spanischen Nationalspieler Bryan Zaragoza (AS Rom) und beim Franzosen Sacha Boey (Galatasaray) wurden die vereinbarten Kaufoptionen nicht gezogen. Während Zaragozas Serie-A-Abenteuer ein reines Desaster war, und sich der 1,64-Meter-kleine Spanier offenbar nur in seinem Heimatland wohlfühlt, könnte bei Istanbul-Rückkehrer Boey das Senken der Transfersumme noch ein Umdenken bei den Galatasaray-Verantwortlichen bewirken.

Der dreifache deutsche Nationaltorhüter und WM-Fahrer Alexander Nübel hat trotz drei äußerst erfolgreicher Leihjahren beim VfB Stuttgart auch keine Zukunft, obwohl die Schwaben grundsätzlich mit dem 29-Jährigen hochzufrieden sind. Sowohl Ablösesumme als auch Grundgehalt sind den VfB-Bossen aber zu hoch. Beim Ex-Schalker sollen sich mit Juventus Turin und Manchester City hochkarätige Interessenten gemeldet haben, neuerdings auch – wie bei Palhinha – Besiktas Istanbul.

Im Gesamtpaket erhofft sich der FC Bayern für die vier genannten Spieler ein Erlösvolumen von ca. 70 Millionen Euro – die dürfte jedoch angesichts der Umstände nur schwer zu erreichen sein. Wissen die aufnehmenden Vereine, dass Spieler abgegeben werden sollen, drücken sie die Transferforderungen automatisch.

FCB-Verkaufskandidaten wie einst Thomas Berthold?

Zusätzlich wird derzeit bei zahlreichen Anhängern des Rekordmeisters ein weiteres mögliches Szenario bei den geplanten Spielerverkäufen diskutiert: Aufgrund der hohen Gehälter, die an der Säbener Straße gezahlt würden, hätte keiner der Spieler ein gesteigertes Interesse, den Verein zu verlassen. Es gibt nicht wenige FCB-Fans, die damit rechnen, dass Palhinha & Co. eher ihre hoch dotierten Verträge in München aussitzen werden, als dass sie bei den neuen Vereinen auf Gehalt verzichten würden.

In diesem Kontext wird der deutsche Weltmeister von 1990, Thomas Berthold, erwähnt, der in der Saison 1992/93 seinen Vertrag beim FC Bayern tatsächlich auf der Tribüne ausgesessen hat, weil er auf seinen bis 1995 laufenden Kontrakt pochte und nicht auf sein üppiges Jahresgehalt (damals waren das 780000 DM!) verzichten wollte. Eine derartige Handhabung ist aber Charaktersache und die vier genannten Spieler befinden sich alle noch im besten Fußballalter.

A propos (zu) hohe Gehälter beim FC Bayern: Tatsächlich könnte dies bei Nübel zu einem Problem werden. Denn sein Grundgehalt, welches der FC Bayern während seiner VfB-Zeit wohl zu drei Drittel(!) übernahm, ist mit 10 Millionen Euro brutto bemerkenswert hoch. Dass er davon nicht heruntergehen möchte, beweist die Absage aus Stuttgart trotz jahrelanger ausgezeichneter Zusammenarbeit. Schlägt jedoch ManCity zu, dürfte dies die Angelegenheit für alle Parteien deutlich einfacher gestalten.

Dagegen ist das FCB-Gehalt vom 50-Millionen-Euro-Transfer Palhinha offensichtlich um einiges geringer, als dies 2024 bei der Verpflichtung angenommen wurde: Damals spekulierte man über 16 Millionen Euro, es sollen aber in Wahrheit „nur“ 8 bis 10 Millionen sein. Tottenham würde dieses Gehalt – wie bei seiner einjährigen Leihe – zahlen.

Zaragoza (2,7 Millionen Euro Gehalt) und Boey (3 Millionen) zählen sogar zu den „Geringverdienern“ an der Säbener Straße. Selbst wenn es für „Otto Normalverbraucher“ schwindelerregende Zahlen sind: Zwei Fußballprofis Mitte 20 sollten deswegen doch nicht ihre Karrieren komplett in den Sand setzen und die Laufzeiten aussitzen: Beim Franzosen wäre das noch bis 2028, beim Spanier gar bis 2029.

Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass alle vier Kandidaten den FC Bayern im Sommer fix verlassen werden, auch wenn die Verhandlungen wohl hart werden.

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