Das Champions-League-Finale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Arsenal war extrem taktisch geprägt, gewiss kein spielerischer Leckerbissen. Die Bayern werden aufmerksam zugeschaut haben.
Das Endspiel in der Champions League stellt seit einiger Zeit den Saisonabschluss im europäischen Topfußball dar. Der Sieger erklimmt den kontinentalen (und wohl auch weltweiten) Thron im Vereinsfußball – ohne dabei stets den hundertprozentigen Anspruch zu haben, auch tatsächlich Europas bestes Team zu sein. In der Spielzeit 2025/26 standen jedoch definitiv die aktuell drei besten Fußballteams der Welt im Halbfinale der Königsklasse: die beiden Endspielteilnehmer und der FC Bayern.
Nach einer schwächeren Ligaphase, nach welcher als Tabellen-Elfter sogar erneut der Umweg über die Zwischenrunde gegangen werden musste, spielte Titelverteidiger PSG erneut eine beeindruckende K.-o.-Phase und triumphierte im Endspiel – allerdings erst im Elfmeterschießen – über Arsenal. Die Londoner dominierten zunächst die Ligaphase mit acht Siegen und mussten sich – ohne eine einzige Wettbewerbsniederlage bei vier Unentschieden – den Parisern auf die bitterste Weise geschlagen geben.
Die Bayern beendeten dagegen die Ligaphase auf dem zweiten Platz, obwohl sie die schwierigste Auslosung aller 36 Teilnehmer hatten. Sie mussten unter anderem in Paris (2:1) und in London (1:3) antreten. Nach zwei Kantersiegen über den Europa-League-Gewinner von 2024, Atalanta Bergamo (10:2), und zwei Siegen über den „Angstgegner“ des letzten Jahrzehnts, Real Madrid (2:1; 4:3), trafen sie im Halbfinale auf PSG. Dort scheiterten sie denkbar knapp nach dem „Jahrhundertspiel“ im Prinzenpark (4:5) und einem mehr taktisch geprägten Rückspiel in München (1:1).
Auf die „Begleitumstände“ der Semifinal-Partien („was wäre, wenn…“) soll hier nicht explizit eingegangen werden. Die Kurzform lautet: Zahlreiche Schiedsrichterfehlentscheidungen zu eigenen Ungunsten, die aktuell beste Offensive der Welt im Rückspiel ungewohnt ineffektiv bzw. mit „Ladehemmung“.
Die Top-3 mit unterschiedlichen Skills
Interessant: Die UEFA-Jahreswertung hat Arsenal mit 44 Punkten (Europapokal-Alltime-Rekord) als Erster abgeschlossen, dahinter die Münchner (39,25), dann erst der Henkelpottgewinner PSG (37,50). Auch beim nicht in die Wertung einfließenden Torverhältnis waren die Drei die mit Abstand Besten des Wettbewerbs: FCB (43:20 Tore in 14 Spielen), Arsenal (30:7/15), PSG (45:230/17).
Beim englischen Meister dominierte über die gesamte Spielzeit in allen Wettbewerben die Defensive (101:34 Tore in den 52 Liga- und CL-Spielen). Beim Titelverteidiger (119:52/51) imponierte erneut, dass man zur absoluten Crunchtime in Bestform auflief. Und die Bayern: Die waren in der abgelaufenen Spielzeit europaweit die absolute Tormaschine: 165:56 Tore in den 48 BL- und CL-Partien, 184:62, wenn man die Pokal- und Supercup-Spiele hinzunimmt.
Die nationalen Meisterschaften gewannen alle drei, mit Abstand am souveränsten die Bayern – mit dem besten Punkteschnitt aller Champions der europäischen Topligen, ergänzt durch einen überragenden Torrekord: 122:36 Tore. Neben Inter Mailand schloss der FCB auch als einziger Meister der Top-7-Ligen die Saison mit einem Double ab. PSG und Arsenal scheiterten an diesem Ziel bereits frühzeitig.
Der FC Bayern – Europas konstantestes Spitzenteam der Saison
Würde die Champions League wie die nationalen Ligen über die gesamte Saison in einem Ligensystem ausgetragen werden, hätte die Mannschaft von Vincent Kompany 2025/26 dieses Format mit größter Wahrscheinlichkeit als konstantestes Team gewonnen. Diese Annahme ist jedoch rein hypothetisch.
Interessanter für den FC Bayern dürfte jedoch nach dem Endspiel die Erkenntnis gewesen sein, dass beide Finalisten bei allen taktischen Zwängen durchaus Schwachstellen offenbart haben: Das über die gesamte Partie überlegene Paris hatte größte Probleme mit dem engmaschigen Abwehrverbund der Londoner. Arsenal dagegen zeigte erhebliche Schwachstellen in der Offensive, gute Kontermöglichkeiten wurden sukzessive schlampiger ausgespielt. Schade zudem, dass Kompanys „Mentalitätsmonster“ nicht zeigen konnten, was in einer Verlängerung zum Saisonfinale in ihnen steckt. Die Kontrahenten in Budapest kamen doch am Ende arg am Zahnfleisch daher.
Bitter, dass sich die Bayern in der abgelaufenen Saison nicht den großen Tripletraum erfüllen konnten. Der lebt auf alle Fälle weiter. Auch wenn man damit rechnen muss, dass Vereine wie der FC Liverpool, Manchester City, Real Madrid und der FC Barcelona in der kommenden Spielzeit wieder zu besseren Leistungen fähig sein könnten.
