„Anti-Held“ schießt FC Bayern per Hattrick zum Double gegen den VfB

Nach sechs Jahren Wartezeit steht der FC Bayern in dieser Saison wieder im DFB-Pokalfinale und könnte sein 14. Double gewinnen. 1986 gelang dies eindrucksvoll mit einem bis heute nicht erreichten Vereinsrekord.

Eine Woche nach der 9. Deutschen Meisterschaft, die den FC Bayern zum damaligen Rekordmeister 1. FC Nürnberg hatte aufschließen lassen, holte er vor 40 Jahren in einem einseitigen Pokalfinale das zweite Double seiner Vereinsgeschichte nach 1969. Der Gegner am 3. Mai 1986 in Berlin hieß ausgerechnet VfB Stuttgart, welcher durch seinen dramatischen 2:1-Sieg über den SV Werder Bremen am letzten Bundesliga-Spieltag erst die Münchner Meisterschaft ermöglicht hatte. Die Bayern zeigten im Endspiel dafür wenig Dankbarkeit und schossen die Schwaben mit 5:2 buchstäblich ab.

Vor 76 000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion stellten bereits zur Halbzeit zwei Tore des damaligen FCB-Goalgetters Roland Wohlfarth die Weichen auf Sieg. Nach der Halbzeit erhöhte Michael Rummenigge auf 3:0 und 4:0. Der 1990-Weltmeister Guido Buchwald konnte in der 76. Minute auf 1:4 verkürzen, nur zwei Minuten später stellte Wohlfarth mit seinem dritten Treffer wieder den Vier-Tore-Abstand her. Kurz vor Spielende verkürzte Jürgen Klinsmann noch zum Endstand von 5:2 aus Bayern-Sicht.

Roland Wohlfarth in den Rekordbüchern des FC Bayern

Roland Wohlfarth ist bis heute der einzige Bayernspieler, dem in einem DFB-Pokalfinale drei Treffer glückten – dies bei immerhin bereits 24 Endspielteilnahmen, von welchen 20 gewonnen wurden, und obwohl sowohl Gerd Müller als auch Robert Lewandowski jeweils viermal ein solches Endspiel für den FCB bestritten. Lewandowski gelang dies tatsächlich – allerdings im Finale gegen den FCB (2012).

Der 2-fache deutsche Nationalspieler Wohlfarth war in seinen neun Jahren beim FC Bayern (1984-1993) so etwas wie der stets unterschätzte „Anti-Held“. Dabei war er bis in die Ära Thomas Müller / Robert Lewandowski der FCB-Stürmer, der nach Gerd Müller (365) und Karl-Heinz Rummenigge (162) die drittmeisten BL-Tore schoss: 119 in 254 Partien. 1989 und 1991 wurde er sogar Torschützenkönig in der höchsten deutschen Spielklasse. Dennoch musste er beim FC Bayern in zahlreiche Spielzeiten als designierter Einwechselspieler gehen, weil die Verantwortlichen regelmäßig neue „Starstürmer“ verpflichteten.

Dieter Hoeneß litt mit seinem Ex-Verein

Dem eigentlichen Mittelstürmer des FC Bayern, Dieter Hoeneß, der bis 1979 selbst für den VfB gekickt hatte, schien der Ausgang des Spiels nach der großen Hilfestellung im Meisterschaftsfinale übrigens peinlich zu sein: „Irgendwie bedauere ich ja doch, dass wir gewonnen haben.“ Schon direkt nach der Meisterschaft hatte er gemeint: „Die haben so total gekämpft, von mir aus kann der VfB jetzt ruhig Pokalsieger werden.“

Die tiefe Ernsthaftigkeit dieser Hoeneß-Aussagen wurde nie hinterfragt. Tatsache ist, dass er nach seinem Karriereende beim FC Bayern (1987) beiden Vereinen stets eng verbunden blieb. Bei den Schwaben war er in den 1990er Jahren als Manager tätig, bei den Münchnern ist er regelmäßiger Besucher der Heimspiele.

Nach dem von Hoeneß scheinbar nicht gewollten Endspiel-Triumph schien es fast so, als ob die Bayern von der „Pokalgöttin“ für ihre ihre „Titelgier“ anschließend bestraft wurden: Erst satte zwölf Jahre später standen sie wieder in einem DFB-Pokalfinale, welches mit 2:1 gegen den MSV Duisburg gewonnen wurde.

Knapp zwei Monate nach jenem Endspiel spielten Stuttgarter und Bayern zusammen im verlorenen WM-Finale gegen Maradonas Argentinien (2:3). Karlheinz Förster vom VfB und Norbert Eder, Lothar Matthäus und Dieter Hoeneß vom FCB. Im WM-Kader von Teamchef Franz Beckenbauer standen zudem aus dem 1986er-Pokalfinale Klaus Augenthaler und der „Meistermacher“ Karl Allgöwer (VfB). Siehe dazu auch …

Titelbild: Final-Zweikampf zwischen Mätthäus und Buchwald. Der VfB-Abwehrrecke stand ebenfalls im „vorläufigen Aufgebot“ der deutschen Nationalmannschaft für Mexico, wurde aber letztendlich von Beckenbauer nicht berücksichtigt. Vier Jahre später sollte seine große WM-Stunde schlagen. Selbst als „Diego“ tituliert ließen er, Matthäus, Augenthaler, Klinsmann & Co. Argentinien und seinem Superstar Maradona im WM-Finale letztendlich keine Chance, auch wenn das Ergebnis das knappste aller möglichen war: 1:0. Vielleicht war das das von Dieter Hoeneß gewünschte Happy-End für die Stuttgarter Finaltorschützen von 1986? Ja, jetzt wird es sehr kitschig … 😉

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