Vincent Kompanys Bayern spielen eine spektakuläre, eine überragende Saison. Im CL-Rückspiel gegen PSG wollen sie zusammen mit den Fans den nächsten Schritt zum Triple gehen.
Auf dem Weg zum dritten Triple der Vereinsgeschichte bricht der FC Bayern Rekorde am laufenden Band. Neu ist, dass er selbst für eine Niederlage gefeiert wird: Nach dem spektakulären 4:5 beim Champions-League-Titelverteidiger Paris Saint-Germain im Halbfinalhinspiel zeigt sich die ganze Fußballwelt vom Offensivfeuerwerk der beiden aktuell weltbesten Vereinsmannschaften begeistert. Fans und Medien werfen mit Superlativen um sich.
Während ein sichtbar stolzer FCB-Coach Kompany von einer „schrecklichen Erfahrung“ sprach, weil er gelbgesperrt auf der Tribüne sitzen musste und nicht seinem Team am Spielfeldrand helfen konnte, schwärmte PSG-Trainer Luis Enrique vom „besten Spiel“, das er „als Trainer je erlebt“ hat. Durch die Konstellation mit dem ein-Tore-Vorsprung ist ein weiteres Spektakel beim Rückspiel in München durchaus vorstellbar, vielleicht sogar wahrscheinlich. Auch wenn natürlich über die Abwehrfehler auf beiden Seiten diskutiert wird, sollte man dabei bedenken, dass beide Offensivreihen Weltklasse pur darstellen. Die der Bayern ist sogar kurz davor, einen weiteren erstaunlichen Europarekord aufzustellen.
„Hexenkessel“ Allianz Arena beim Rückspiel
Die Atmosphäre im Pariser Parc des Princes war beim 5:4 der Heimmannschaft heiß – wer jedoch beim Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid (4:3) in der Allianz Arena dabei gewesen war, weiß, dass das in München am 6. Mai noch einmal getoppt werden kann. Dann möglichst ohne Aktionen aus der Südkurve, bei welchen Fotografen zu Schaden kommen könnten. Die Bayern setzen auf diesen Heimspiel-Trumpf. Kompany wünscht sich sogar, dass diejenigen Fans, die sich nicht in der Lage sehen, seine Mannschaft bis zur völligen Heiserkeit anzupeitschen, zu Hause bleiben und ihre Tickets weitergeben. Mit diesem Wunsch steht er wahrlich nicht alleine dar.
Die Sehnsucht der FCB-Anhänger ist zudem riesig, endlich wieder einen CL-Finaleinzug der eigenen Mannschaft in der heimischen Arena feiern zu können. Seit dem Umzug nach Fröttmaning im Sommer 2005 war dies kein einziges Mal der Fall: 2010 (in Lyon), 2012 (in Madrid) und 2013 (in Barcelona) gelang dies jeweils auswärts, 2020 Corona-bedingt sogar im neutralen Lissabon. Von 2014 bis 2016 konnte der Heimvorteil im Halbfinalrückspiel dreimal unter Pep Guardiola nicht genutzt werden. Wer 1999 (gegen Kiew) und 2001 (gegen Real) beim Finaleinzug im Olympiastadion dabei war, schwärmt noch heute von den anschließenden Ehrenrunden der FCB-Spieler.
Historische Mutmacher
1982 – noch im Europapokal der Landesmeister – gab es übrigens schon einmal ein ähnliches Szenario wie aktuell: Breitnigges Bayern verloren das Halbfinalhinspiel in Sofia bei ZSKA nach 0:3- und 2:4-Rückstand mit 3:4. Im Rückspiel in München ließ man dann den Bulgaren beim 4:0 nicht die geringste Chance. Allerdings ist PSG eine ganz andere Hausnummer.
Es gibt auch eine interessante Parallele zum legendären CL-Triumph 2001: Damals schaltete der FCB im Viertelfinale den Sieger von 1999, Manchester United (1:0; 2:1), aus – und im Halbfinale war für den Titelverteidiger Real Madrid in München Endstation (ebenfalls 1:0 und 2:1). Im laufenden Wettbewerb waren die Königlichen, Triumphator von 2024, das bayerische Viertelfinal-Opfer – folgt nun wie 2000/01 der Titelverteidiger?
Gegen französische Teams ist der FCB übrigens noch nie in einem Königsklassen-Halbfinale gescheitert: 1975 setzten sich Beckenbauer, Müller & Co. gegen AS St. Etienne durch, 2010 und 2020 hatte Olympique Lyon keine Chance gegen die Münchner. Die torhungrigsten Bayern der Vereinsgeschichte würden da liebend gerne nachziehen. Die Vorfreude auf das Rückspiel in einer Woche steigt…
