Die Bayern verlieren ein verrücktes Halbfinal-Hinspiel mit 4:5 in Paris – gehen dennoch selbstbewusst ins Rückspiel und wollen mithilfe der Fans ins CL-Finale einziehen.
Der FC Bayern hat einen irren Neun-Tore-Wahnsinn im Halbfinal-Hinspiel der Fußball-Königsklasse im Parc des Princes knapp gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain verloren. Trotz der 4:5-Niederlage nach zwischenzeitlichem 2:5-Rückstand ist aufgrund der beeindruckenden Moral des Rekordmeisters fürs Rückspiel am kommenden Mittwoch, 6. Mai, in der Allianz Arena noch alles drin.
Die Münchner gingen durch einen Foulelfmeter von Harry Kane mit 1:0 in Führung (17.), hätten kurz darauf durch Michael Olise sogar noch erhöhen können. Stattdessen drehte PSG das Spiel durch Khvicha Kvaratskhelia (24.) und João Neves (33.). Olise glich wenig später aus (41.), das letzte Wort in Halbzeit 1 hatte jedoch das Heimteam: Ousmane Dembélé verwandelte einen umstrittenen Handelfmeter zur 3:2-Pausenführung (45.+5)..
Nach dem Doppelschlag durch Kvaratskhelia (56.) und Dembélé (58.) schienen die Finalhoffnungen der Bayern früh zu platzen – aber auch der deutsche Rekordmeister hatte noch zwei passende Antworten durch Dayot Upamecano (65.) und Luis Díaz (68.). So war es „am Ende nur ein Tor Unterschied. Wir gehen mit vollem Selbstvertrauen in das Rückspiel rein, hauen alles raus und wollen dann ins Finale“, meint Jonathan Tah mit Blick Richtung Rückspiel. Auch bei Vincent Kompany, der nach seiner Sperre im Hinspiel in der heimischen Arena wieder auf der Bank Platz nehmen darf, ist der Glaube an den Finaleinzug „zu einhundert Prozent da“.
Die Bayern-Stimmen zum Spiel
Chefcoach Vincent Kompany
„Wenn zwei Mannschaften mit dieser Idee in so ein Spiel gehen, dann kann genau so etwas passieren. Ich hatte schon das Gefühl, dass so ein Spiel drin ist. Natürlich, wenn du auswärts fünf Gegentore bekommst, ist es im Halbfinale normalerweise vorbei. Aber wir schießen vier und hätten auch noch zwei, drei mehr machen können.“
Die große Hoffnung des Belgiers: „Das Rückspiel ist zu Hause und wir müssen gewinnen. Das tun wir dort oft und mit der Unterstützung unserer Fans ist der Glaube auf jeden Fall da. Grundsätzlich hatten wir immer das Gefühl, dass wir gefährlich werden können. Mit ein bisschen Ballbesitz waren wir oft sehr schnell vor dem Tor von PSG. Gleichzeitig waren wir aber auch anfällig für Konter, das haben wir in der zweiten Halbzeit nicht gut genug verteidigt. Trotzdem bleibt: Vier Tore auswärts in Paris – wir können Tore schießen. Und zu Hause werden wir das wieder zeigen.“
Die Vorbereitung auf das Rückspiel in der Allianz Arena hat schon begonnen: „Was wir verbessern müssen, dafür haben wir jetzt eine Woche Zeit. Der Glaube ist zu einhundert Prozent da und das Gefühl auch. Wir brauchen unsere Fans und deren Unterstützung mit dem gleichen Feuer wie gegen Madrid.“
Joshua Kimmich
„Ich glaube, es war zu erwarten, dass es ein Schlagabtausch wird. Dass es so offen wird, war eher nicht zu erwarten. Es fühlt sich jetzt nach dem Spiel komisch an, weil wir verlieren – mit einem Tor Unterschied. Wir waren zwischenzeitlich drei Tore hinten, kommen zurück und haben das Gefühl, wir müssen eigentlich noch den Ausgleich machen. Gerade hinten raus wirkte Paris müde, hatte Krämpfe, hat auf Zeit gespielt. Da war schon das Gefühl da: Da geht noch was.“
Der deutsche Nationalmannschaftskapitän zeigt sich mit dem Beginn und dem Ende der Partie zufrieden: „Ich fand uns am Anfang ehrlicherweise sehr gut, die ersten 15, 20 Minuten. Da müssen wir das 2:0 machen. Dann bringen wir Paris durch einen Fehler im Aufbau ins Spiel. Danach waren sie besser drin. Sehr ärgerlich, dass wir nach einem Standard wieder ein Tor bekommen. Das darf uns nicht passieren. Aber wir haben auf jeden Fall eine sehr gute Reaktion gezeigt. Klar, sie haben noch einen Konter und treffen die Latte. Aber insgesamt hat man schon das Gefühl, dass noch was drin ist.“
Jonathan Tah
Es war ein sehr, sehr intensives Spiel. Trotz der Niederlage haben wir, glaube ich, in vielen Phasen gezeigt, was wir für eine Mannschaft sind. Wir sind gut mit Rückschlägen umgegangen, weil wir uns von sowas nicht aufhalten lassen und weitermachen. Man hat gesehen, dass wir viele Tore schießen können. Natürlich haben wir heute zu viele Gegentore bekommen. Aber am Ende ist es nur ein Tor Unterschied. Wir gehen mit vollem Selbstvertrauen in das Rückspiel rein, hauen alles raus und wollen dann ins Finale.“
Das meint Paris Saint-Germain zum Spiel
Chefcoach Luis Enrique
„Es war unglaublich. Ich habe eigentlich keine Worte. Ich glaube, das war das beste Spiel, das ich als Trainer je erlebt habe. Beide Teams wollten spielen, beide haben enorme Qualität. Ich denke, jeder hatte Spaß, dieses Spiel zu sehen. Wir sind natürlich glücklich, dass wir gewonnen haben. Und man darf nicht vergessen: Bayern hat in dieser Saison nur drei Spiele verloren. Das zeigt, wie gut wir es heute gemacht haben.“
