Bayern-Frauen trotz überragender Saison krasser Außenseiter im CL-Halbfinale

Parallel zu den Profis von Vincent Kompany zeigen auch die Fußballfrauen des FC Bayern eine famose Saisonleistung. Im Halbfinale der Champions-League wartet nun aber ein Gigant.

Frauen- und Männerteam des FC Bayern liefern in der laufenden Spielzeit fast im Gleichtakt Erfolge. Nachdem sich Kompanys Team am vergangenen Wochenende frühzeitig die 35. Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte gesichert hatte, legten die Ladys am frühen Mittwochabend durch einen 3:2-Sieg bei Union Berlin nach und holten sich ihrerseits den vierten Titel in Folge. Beide Profi-Teams des FCB führen die Tabelle vier Spieltage vor Schluss mit 15 Punkten an. Nur wenige Stunden später qualifizierten sich Kane, Díaz & Co. durch ein souveränes 2:0 bei Bayer Leverkusen für das Pokalfinale in Berlin und zogen wiederum mit den FCB-Frauen gleich, die dieses Kunststück bereits am Ostermontag vollzogen hatten.

Beide Teams stehen ebenfalls im Halbfinale der Königsklasse. Dabei verliefen sogar die Qualifikationen für dieses sehr ähnlich: Nach einem Auswärtserfolg im Viertelfinal-Hinspiel – die Frauen mit 3:2 bei Manchester United, die Männer mit 2:1 in Madrid – liefen beide im Rückspiel in der Allianz Arena lange Zeit einem Rückstand nach, der eine Verlängerung bedeutet hätte. José Barcalas Mannschaft drehte die Partie spät und gewann noch mit 2:1, die Männer lieferten sich ein episches Match mit Real Madrid und zogen mit 4:3 ins Semifinale ein.

Unterschiedliche Triple-Prognosen bei den FCB-Teams

Realistisch gesehen enden die Parallelen nun vor den anstehenden Halbfinal-Hinspielen: Kompanys Mannschaft möchte sich für eine hervorragende Saison mit dem Triple belohnen, und obwohl die nächste Hürde Paris Saint-Germain sehr hoch ist, erscheint dieses Ziel als machbar. Die Duelle zwischen dem FCB und PSG sehen viele Experten als die der aktuell weltbesten Vereinsmannschaften im Herrenbereich an. Die Damen des FC Bayern treffen dagegen auf das alles überragende Team des FC Barcelona und sind selbst im Heimspiel krasser Außenseiter, wie unter anderem die Wettquoten belegen.

Diese Einschätzung klingt absurd, wenn man sich die bisherige Saisonbilanz der Münchnerinnen anschaut: Mit 21 Siegen aus 22 Spielen (bei einem Unentschieden) die früheren Serienmeisterinnen aus Wolfsburg in der Liga distanziert, scheinbar mühelos in das DFB-Pokalfinale eingezogen – und insgesamt souverän das CL-Finale erreicht. Von 34 Pflichtspielen wurden 31 gewonnen, es gab zwei (eher unnötige) Unentschieden – und nur eine einzige Partie wurde – vor fast sieben Monaten – verloren!

Diese Niederlage Anfang Oktober 2025 war jedoch eine Demütigung, eine fürchterliche Klatsche. Und der Gegner war ausgerechnet der FC Barcelona: am ersten Spieltag der Ligaphase der Königinnenklasse verloren die FCB-Frauen auswärts mit 1:7 und waren über die gesamte Spielzeit völlig chancenlos.

Bayern-Frauen geben sich vor den Barça-Duellen kämpferisch

Vor den Halbfinalduellen muss man dieses Ergebnis nicht unbedingt als Maßstab nehmen – die Münchnerinnen haben sich im Lauf der Saison extrem gesteigert -, aber durchaus als Warnung. Denn die Leistungen der Spielerinnen aus der katalanischen Hauptstadt haben seitdem nicht nachgelassen, wohl eher im Gegenteil: Im CL-Viertelfinale wurde der Zweite der starken spanischen Liga F, Real Madrid, mit einem Gesamtscore von 12:2 deklassiert.

Bayern-Coach José Barcala vertraut dennoch der Stärke seiner Mädels und sieht im Duell David gegen Goliath Chancen: „Wir haben Respekt vor Barcelona. Aber was in der Vergangenheit passiert ist, gehört dorthin – wir sind nicht mehr dasselbe Team wie im Oktober. Was wir beeinflussen können, ist unser eigenes Auftreten: Wir wollen auf dem Platz zeigen, was wir können. Wir wissen, wie stark Barcelona nach Ballverlusten ist, vor allem im Gegenpressing. Wenn wir diese Situationen sauber lösen, können wir unsere Spielerinnen ins letzte Drittel bringen. Gleichzeitig wird uns dieser Gegner lange zum Verteidigen zwingen. Entscheidend wird sein, dass wir als Mannschaft geschlossen auftreten und gemeinsam klar im Kopf bleiben.“

Die wiedergenesene deutsche Nationalspielerin Klara Bühl ergänzt: „Wir wissen, dass es ein großes Spiel wird und wir freuen uns sehr auf die Arena, die Atmosphäre und unsere Fans vor Ort. Wir lieben diese Bühne, wir spüren jedes Mal die Energie von den Rängen – und genau das wollen wir als Faktor für uns nutzen. Aus dem Duell im Oktober haben wir viel gelernt, wir haben es detailliert analysiert und wollen unsere Lehren auf dem Platz zeigen: giftig in den Zweikämpfen sein, von Anfang an da sein und jede Chance nutzen. Wir haben große Qualität im Kader, aber um sie auf den Platz zu bringen, brauchen wir jederzeit 100 Prozent Leistung und Leidenschaft, um gemeinsam mit dem Club und unseren Fans einen Schritt in Richtung Finale zu gehen.“

Können diese Vorsätze auf dem Spielfeld umgesetzt werden, ist vielleicht sogar die ganz große Sensation möglich. Der FC Bayern als Underdog, krasser Außenseiter – durchaus eine ungewohnte Rolle.

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