Nach dem 4:2-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart feiert der FC Bayern vorzeitig seine 35. Deutsche Meisterschaft. Die Stimmen verraten, dass es sich dabei um eine „extrem spezielle“ handelt.
Während sich viele Stimmen in Fußball-Deutschland nach dem souveränen Titelgewinn des FC Bayern über ein langweiliges Titelrennen in der Bundesliga beklagen, ist die Stimmungslage beim Rekordmeister wenig überraschend eine ganz andere. Gerade der Leverkusener Triumph vor zwei Jahren hatte verdeutlicht, dass es rasch auch ganz anders laufen kann, wenn der Fokus nicht stimmt. Davon abgesehen feiert man an der Säbener Straße einen ganz besonderen Titelgewinn, der in der laufenden Spielzeit nicht der einzige bleiben soll.
Die Stimmen der Bayern
Chefcoach Vincent Kompany
„Wunderschön. Für mich ist jeder Titel wie der erste, sonst brauchst du diesen Job nicht machen. Diese Momente kosten unglaublich viel Arbeit und das nicht nur in dieser Saison, sondern über viele Jahre hinweg. Wenn du dann ankommst, musst du es genießen. Ich habe Emotionen, das ist kein Problem, wer mich auf dem Platz sieht, weiß das. Aber es gehört auch Ruhe dazu. In diesem Moment geht es darum, einfach alles zu genießen.“
Die hochverdiente Meisterschaft ist für den 40-Jährigen dennoch in dieser Saison nur ein Zwischenschritt: „Ab morgen geht es dann wieder weiter, wie immer. Die Zahlen sind schön, aber es ist noch nicht vorbei. Es geht weiter. Das ist auch eine Mentalitätsfrage: Wir geben immer Vollgas, egal ob Vorbereitung oder Pflichtspiel. Wir nutzen unseren Kader, wir wollen Fußball genießen und das haben wir dieses Jahr gemacht. Und ich will damit noch nicht aufhören. Jetzt kommen die entscheidenden Wochen. Wir freuen uns drauf, wissen aber auch, wie schwer es wird. Unser Glaube ist da und das ist im Fußball sehr viel wert.“
Joshua Kimmich, gegen Stuttgart FCB-Kapitän
„Es ist schon extrem speziell. Gerade diese Saison war eine sehr, sehr gute Bundesliga-Saison. Auch das Spiel heute ist nicht selbstverständlich – nach den Madrid-Spielen hierherzukommen und gegen den Tabellendritten so aufzutreten. Es ist Titel Nummer 35, und besonders ist die Art und Weise, wie wir dahin gekommen sind.“
Zum bisherigen Saisonverlauf: „Wir hatten keine großen Ups and Downs, sondern waren sehr konstant. Das ist uns in der Form in den letzten Jahren nicht so oft gelungen, auch wenn wir viele Meisterschaften geholt haben. Aber so souverän und konstant wie in diesem Jahr war es selten. Darauf sind wir sehr stolz. Für mich persönlich ist es die zehnte Meisterschaft, das ist schon ein ordentliches Pfund. Ich hoffe, da kommen noch ein paar dazu. Manuel ist da natürlich ein Vorbild.“ (Manuel Neuer hat mit seinem 13. Titel den Rekord von Thomas Müller eingestellt.)
Nationalspieler Leon Goretzka
„Wir wussten eigentlich schon vorher, dass wir es geschafft haben, aber wir wollten unbedingt heute auch das Spiel gewinnen – und zwar auf die Art und Weise, wie wir es die ganze Saison gemacht haben. Einfach unseren Stiefel runterspielen. Ich glaube, das hat uns dieses Jahr so stark gemacht, dass wir keinen Unterschied gemacht haben, ob es um viel oder weniger ging. Wir gehen jedes Spiel gleich an, und das war heute unsere große Aufgabe. So kann man den Sieg und vor allem auch den Titel richtig genießen.“
Der zum Saisonende scheidende 31-Jährige schwärmt: „Unsere Chemie in der Mannschaft ist schon seit Jahren top. Im Vergleich zu anderen Topteams ist das bei uns eine sehr familiäre Atmosphäre. Unsere jungen Spieler bringen eine starke Mentalität mit: selbstbewusst, aber bodenständig, sie arbeiten hart und helfen uns weiter. Das hat man zuletzt auch wieder gesehen. Gleichzeitig bleiben sie auf dem Boden – und das macht es einfach besonders.“
Jamal Musiala
„Es ist ein großer Moment für uns. Seit dem ersten Testspiel haben wir gesagt, dass wir mit unserer Mentalität den nächsten Schritt machen wollen. Das haben wir Spiel für Spiel über die ganze Saison gezeigt, immer mit der gleichen Energie und dem gleichen Hunger, egal gegen wen. Das hat uns am Ende auch etwas früher zur Meisterschaft gebracht. Das ist eine wichtige Lehre für uns, die wir mitnehmen müssen.“
Der 23-jährige Supertechniker bestätigt damit die Aussagen Goretzkas vom außergewöhnlichen Teamspirit, denn ganz offensichtlich war er trotz seiner bei der Klub-WM erlittenen Horrorverletzung selbst im Krankenstand von Saisonbeginn an „aktives Mitglied“ dieser Truppe.
Sportvorstand Max Eberl
Der 52-Jährige mit einer interessanten Theorie zur aktuellen Erfolgsgeschichte: „Die zweite Meisterschaft wäre nicht gekommen, wenn wir die erste nicht geschafft hätten. Für mich ist das von Anfang an ein Weg, den wir jetzt seit zwei Jahren gehen. Die Basis für heute haben wir über die ganzen Monate davor gelegt. Ich bin überzeugt, dass dieser Zusammenhalt entstanden ist, durch alles, was wir in der ersten Saison positiv wie negativ erlebt und in die zweite Saison mitgenommen haben. Und wir deshalb jetzt da stehen, wo wir stehen: als hochverdienter Deutscher Meister und als eine Einheit.“
Trotz aller Gerüchte, dass sein Engagement beim Rekordmeister nicht mehr allzu lange andauern könnte: „Mit Blick auf die weiteren Entscheidungen verspüre ich einfach nur Vorfreude. Vorfreude, weil wir da sind, weil wir es uns verdient haben. Wir sind da, weil wir nicht nur in der Meisterschaft sehr gute Leistungen gebracht haben, sondern in allen drei Wettbewerben.“
