Die Viertelfinal-Hinspiele im Europapokal hätten für die deutschen Klubs kaum besser laufen können. Die drei Siege waren nicht nur eine Premiere, sondern sorgten auch für wichtige Punkte im UEFA-Ranking.
Holen die deutschen Europapokalteilnehmer doch noch einen fünften Champions-League-Startplatz für die Bundesliga? Nach dem ernüchternd frühen Ausscheiden von Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart haben die starken Europapokal-Ergebnisse in dieser Woche die Chancen darauf wieder steigen lassen. Alle drei Bundesligisten gewannen ihr Hinspiel im Europapokal-Viertelfinale. Bei mindestens so vielen Teilnehmern gab es das zum ersten Mal seit der deutschen Wiedervereinigung.
Dem überragenden 2:1-Sieg des FC Bayern im europäischen Klassiker in Madrid folgten am Donnerstag in den anderen beiden Wettbewerben zwei souveräne deutsche Heimsiege: Der SC Freiburg schlug im Europa-League-Viertelfinale den spanischen Gegner Celta de Vigo mit 3:0 ebenso hochverdient wie in der Conference League der FSV Mainz 05 Racing Strasbourg aus der Ligue 1 (2:0).
Setzt sich die Bundesliga in den direkten Duellen mit LaLiga durch?
Für den fünften CL-Startplatz muss sich die Bundesliga in der UEFA-Jahreswertung den zweiten Platz holen. Den belegt derzeit LaLiga. Allerdings ist der Vorsprung der spanischen Profivereine in den Viertelfinal-Partien gegenüber den Bundesliga-Klubs geschrumpft. Dies ist eine große Überraschung, hatten sich für diese Runde doch mit sechs doppelt so viele spanische wie deutsche Teams qualifiziert – aber jeweils den direkten Vergleich verloren.
Gelingt dem FC Bayern, Freiburg und Mainz jeweils der Sprung ins Halbfinale, haben sie die Spanier numerisch mindestens eingeholt. LaLiga wird in der Champions League jedoch sicher einen Halbfinalisten stellen. Dieser kommt aus dem Duell FC Barcelona gegen Atlético Madrid. Die Hauptstädter haben sich im Auswärts-Hinspiel überraschend mit 2:0 durchgesetzt.
In den Vorschlussrunden könnte es dann erneut zu zwei deutsch-spanischen Duellen kommen: Der aktuelle Fünfte von LaLiga, Betis Sevilla, könnte nach dem 1:1 in Braga auf den SC Freiburg treffen. In der Conference League ist ein Aufeinandertreffen von Mainz und Rayo Vallecano (3:0 gegen AEK Athen) möglich.
Was vor den Viertelfinal-Partien fast schon hoffnungslos erschien, könnte nun doch noch eintreten: Qualifizieren sich die drei Bundesligisten für das Halbfinale und schneiden dort besser als die spanischen Vereine ab, winkt tatsächlich der fünfte CL-Platz für das deutsche Fußball-Oberhaus.
Bundesliga besser als ihr Ruf
Ein noch genauerer Blick lohnt sich bei der aktuellen Konstellation: Der FC Bayern gehört in der Königsklasse ohne Zweifel zu den zwei, drei Topfavoriten. Dass aber die Mainzer, nachdem sie in der Hinrundentabelle noch auf einem direkten Abstiegsplatz gestanden sind, nun auch zu den Favoriten auf den Sieg in der Conference League zählen, verblüfft doch sehr: Setzt sich der „Karnevalsverein“ gegen den Sieger der Conference-League-Ligaphase aus Frankreich durch, wartet im Halbfinale wahrscheinlich der aktuelle 13. von LaLiga aus Vallecano – und im Endspiel trifft man dann wohl auf den Sieger aus Crystal Palace (14. der Premier League) gegen die derzeit heimatlosen Ukrainer von Schachtar Donezk.
Auch der SC Freiburg ist in der Europa League keineswegs chancenlos. Im Finale könnte man jedoch auf das englische Topteam Aston Villa treffen und wäre dort dann krasser Außenseiter. Auch ohne das große Flaggschiff FC Bayern ist die Bundesliga doch besser, als viele vermuten…
Titelbild: FCB-Torjubel im Bernabeú – setzt sich die Bundesliga am Ende doch gegen LaLiga durch?
