Auswärtsfans werden in den europäischen Fußball-Wettbewerben Opfer von Polizeiwillkür und -gewalt. Den Bayernfans passiert das in Madrid regelmäßig. Warum das ein UEFA-Skandal ist.
Es ist schon wieder passiert: Beim Viertelfinal-Hinspiel der Fußball-Königsklasse zwischen Real Madrid und dem FC Bayern wurden zahlreiche mitgereiste Anhänger des deutschen Rekordmeisters Opfer von scheinbar willkürlicher Polizeigewalt. So zeigen Filmaufnahmen von Reportern der Sportsendung El Desmarque behelmte Polizisten am Einlass des Estadio Santiago Bernabéu, die Bayern-Fans ohne erkennbaren Anlass einschüchtern, schubsen, aus der Menge ziehen und vereinzelt mit Schlagstöcken traktieren.
Es wurden dabei Erinnerungen wach an die skandalösen Geschehnisse im selben Stadion im April 2017, als die spanischen „Sicherheitskräfte“ auf alles eingeprügelt hatten, was nach Fan des FC Bayern ausgesehen hatte. Frauen waren sogar auf dem Toilettengang von scharfen Polizeihunden gebissen worden. Ganz so schlimm war es nun neun Jahre später nicht. Es bleibt dennoch ein Skandal – ein Skandal, für den sich die Polizei in Madrid schämen sollte, aber auch einer der UEFA und ihres maroden Systems.
Trotz hohen Amtes: Hilfloser FCB-CEO Dreesen
Wie damals zeigen sich die Vereinsbosse empört, bleiben aber hilflos: Der FCB-Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen ist Vizevorsitzender der European Club Association (ECA). Er ist also federführend beteiligt, wenn es um die Organisation des europäischen Klubfußballs geht. Dennoch stand er nach dem Bayern-Sieg bei Real Madrid vor den Kameras und musste die Öffentlichkeit als Druckmittel nutzen, weil es bei der UEFA keine Möglichkeit dafür gibt, wie ein Klub das Problem der Polizeigewalt gegen seine Fans lösen kann.
Der sichtbar geschockte Dreesen sprach von „völlig überzogenen Übergriffen der spanischen Polizei“ gegen „sich friedlich verhaltende Anhänger“. Ein vergleichbares Szenario gab es in der laufenden Saison schon im November 2025: Die Pariser Polizeipräfektur hatte vor dem Spiel bei PSG kurzfristig verfügt, dass Busse mit Bayern-Fans an einer Mautstelle vor der Stadt ausharren mussten, ohne Versorgung, ohne sanitäre Anlagen. Der Klub leitete damals juristische Schritte ein und nannte die Maßnahmen „beispiellos“ und „ungeheuerlich“. Bewegen konnte er damals jedoch überhaupt nichts.
Zwei CL-Auswärtsspiele, zwei wichtige EU-Länder, zwei skandalöse Vorfälle innerhalb von fünf Monaten. Das ist kein Pech, sondern ein regelmäßig auftretendes Muster. Richtigerweise stellte Dreesen im Kontext fest, dass „ein derartiges Verhalten der Polizei mittlerweile bei Auswärtsspielen in Europa fast schon zur Normalität gehört“.
Regelmäßige Auswärtsfahrer, wie auch „Groundhopper“ werden dies bestätigen: In einigen südlichen europäischen Ländern, vor allem in Spanien und Griechenland, scheint es fast schon „Polizei-Sport“ zu sein, auswärtige Fans zu schikanieren und nicht selten zu verprügeln. Erschreckend ist nicht zuletzt, dass diese Unsitte vermehrt auch in den großen europäischen Hauptstädten Usus ist: Neben Madrid und Paris auch in Rom und selbst in London sammeln Europapokal-Fans seit einiger Zeit regelmäßig bittere Erfahrungen.
Welches Interesse hat die UEFA an der Sicherheit der Fußballfans?
Fakt dabei ist natürlich, dass lokale Sicherheitsbehörden unter nationalem Recht handeln. So hat die UEFA keinen direkten Zugriff auf die in zunehmenden Maße eskalierenden Polizeieinsätze. Auf der anderen Seite lizenziert sie die Stadien, organisiert die Wettbewerbe, verteilt die Milliarden-Prämien. Damit sollte die UEFA auch Einfluss darauf haben können, unter welchen Bedingungen die Fans diese Spiele erleben können. Dass der mächtige Europäische Fußball-Dachverband keine verbindlichen Standards unter Androhung von harten Sanktionen für einen menschenwürdigen Umgang mit Auswärtsfans vorgibt, ist nicht nur ein systemisches Versagen – es ist ein Skandal.
Wenn sogar ein Weltklub wie der FC Bayern mit seinem ECA-Sitz und seiner juristischen Abteilung daran scheitert, seine Fans zu schützen, welchen Schutz genießen Anhänger eines Klubs, der im europäischen Fußball überhaupt kein politisches Gewicht hat? Dreesens Stellungnahmen werden erneut verhallen, weil sie bei der UEFA offensichtlich niemanden interessieren. Der FC Bayern kann klagen und das skandalöse Polizeivorgehen anprangern. All das wird nichts am Verhalten der spanischen, griechischen oder französischen Polizei bei künftigen Spielen ändern.
Das kann nur die UEFA als Institution, die alle Beteiligten an einen Tisch zwingt. Sie vergibt sehr schnell harte Strafen für „Fan-Vergehen“ wie Pyrotechnik. Bei ausufernder Polizeigewalt gegen zahlende, reisende Fans sieht sie nicht einmal ein Verfahren vor. Das ist ein riesiger Skandal.
