Das brutalste Foul der FCB-Europapokal-Historie bei Real-Blamage in München

Beim aktuellen 2:1-Sieg von Kompanys Bayern bei Real Madrid entwickelte sich zwischenzeitlich durchaus eine hitzige Partie. Ein früheres Duell hatte sich dagegen die Bezeichnung „Fußballschlacht“ verdient.

Sitzen im heutigen Fußball die Roten Karten häufig sehr locker, bewahrte 1987 ein gnädig gestimmter schottischer Schiedsrichter Real Madrid in München vor einer epischen Niederlage: In der Saison 1986/87 kam es nach elfjähriger Pause zum zweiten Aufeinandertreffen im Europapokal zwischen den heutigen Champions-League- Dauerrivalen FC Bayern und Real Madrid. Das Hinspiel im Halbfinale des Landesmeistercups fand am 8. April 1987 in München statt. Es sollte ein denkwürdiges werden.

Hatte Gerd Müller bei der Erstauflage 1976 die Königlichen mit seinen drei Toren quasi im Alleingang (1:1; 2:0) abgeschossen, war bei der Neuauflage Lothar Matthäus mit zwei (Elfmeter-)Toren maßgeblich für den Hinspiel-Sieg und letztendlich den Finaleinzug verantwortlich. Er musste dafür aber auch leiden wie kaum ein Bayernspieler in einem Europapokalspiel zuvor, denn einige Real-Spieler nahmen den Ausdruck „Europapokalschlacht“ wortwörtlich.

Ein, nein drei unfassbare Fouls

Allen voran ein gewisser Señor Juanito: Als die Bayern im mit 75.000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion in der 37. Minute mit 3:0 in Führung gegangen waren, brannten Juanito kurz später nach einem Zweikampf im Mittelfeld sämtliche Sicherungen durch und er trat dem am Boden liegenden Matthäus mit voller Absicht vor den Augen des Schiedsrichters heftig auf den Kopf, sodass ihn dieser nur des Feldes verweisen konnte.

Der Szene war ein Gelb-würdiges Foul des Weltmeisters von 1990 vorausgegangen. Der gefoulte madrilenische Spieler sprang daraufhin wie von der Tarantel gestochen auf und stieß Matthäus mit großer Wucht mit beiden Händen gegen dessen Hals um. Dann kam der bösartige Tritt Juanitos und zu schlechter Letzt trat noch ein weiterer Spanier dem deutschen Rekordnationalspieler mit voller Wucht und Absicht auf den Oberschenkel.

Drei Tätlichkeiten in drei Sekunden, zwei davon äußerst brutal! Für heutige Verhältnisse unfassbar sah damals jedoch lediglich Juanito vom schottischen Unparteiischen Robert Bonar Valentine die Rote Karte. Der Übeltäter wurde allerdings für diese Aktion von der UEFA für fünf Jahre gesperrt, spielte danach nie mehr international.

Der Grund war tragisch: Juanito kam fünf Jahre nach dem Vorfall im Olympiastadion bei einem Autounfall ums Leben. Bei vielen Madridistas genießt er noch heute Heldenstatus: El Espíritu de Juanito – der Geist Juanitos. Er galt als großartiger Kämpfer, der für viele legendäre Aufholjagden Madrids verantwortlich war, aber eben auch als Heißsporn.

Fußballspiel – aber Real Madrid im Stierkampfmodus

Zurück zum damaligen Spiel: Weil teilweise unerklärlich ist, verloren ab dem Zeitpunkt der Überzahl die klar in Führung liegenden und hoch überlegenen Bayern den Faden und kassierten kurz vor dem Halbzeitpfiff sogar den Anschlusstreffer zum 1:3. Die Spanier waren ganz offensichtlich im Stierkampfmodus – da kannten sich die Bayern nicht so gut aus.

Ab der 72. Minute – Platzverweis für Mino – spielten die mittlerweile 4:1 führenden Bayern sogar in doppelter Überzahl, fanden aber erstaunlicherweise nicht mehr so ins Spiel, wie sie dies zu Beginn in Gleichzahl so exzellent gezeigt hatten. Mit kühlem Kopf wäre wohl eine epische Niederlage für Madrid möglich gewesen, aber auch, wenn Valentine in der beschriebenen Szene korrekterweise die drei Feldverweise ausgesprochen hätte. Mit dem 1:4 war Real Madrid am Ende äußerst glimpflich davongekommen. Das Auftreten der „Königlichen“ war in allen Teildisziplinen eine Blamage.

Die Tore und Juanitos Aussetzer sind im folgenden Youtube-Video kurz dokumentiert.

Skandalöses Rückspiel im Bernabéu-Stadion

Das Rückspiel im Estadio Santiago Bernabéu verlor der FC Bayern unter skandalösen Umständen mit 0:1, zog dennoch ins Finale gegen den FC Porto in Wien ein. Die Bayernspieler erzählten damals, dass Eisenstangen auf das Spielfeld flogen. Der spätere Weltmeister Klaus Augenthaler ließ sich provozieren und flog noch vor der Halbzeitpause vom Platz, was sich im Endspiel bitter rächen sollte. Der belgische Keeper Jean-Marie Pfaff in Weltklasseform rettete die Bayern in Madrid.

4 Kommentare zu „Das brutalste Foul der FCB-Europapokal-Historie bei Real-Blamage in München

  1. Eines meiner gewaltigsten gemeinsamen Erlebnisse mit dem FC Bayern😃👍👏

    Dieses Spiel war ich tatsächlich mal live dabei, da ich von der Bundeswehr aus einen dreimonatigen Lehrgang in Erding absolvieren durfte😃.

    Ich hatte das bis dato noch nicht ansatzweise erlebt… die Spanier laufen vor dem Spiel ins Stadion ein… 75.000 empfangen sie mit einem geltenden Pfeifkonzert (es war echt laut) und singen dann „zieht den Spaniern die Badehosen aus“…. Wahnsinn😃

    Man muss dabei bedenken, dass das ehrwürdige Olympia-Stadion bei weitem nicht so häufig ausverkauft war, wie zu heutigen Zeiten😃.

    Ein für mich als Norddeutschen ein einschneidendes, nie vergessenes Erlebnis, welches meine Liebe zu diesem Verein nachhaltig weiter vertieft hatte.

    Danke für diesen Bericht und…. macht weiter so👍😃👏👏👏

    1. Ja, das Olympiastadion war eigentlich damals nur zu den Viertel- und Halbfinalspielen im Landesmeistercup ausverkauft (wenn es ein renommierter Gegner war). Dazu – wenn terminlich gut gelegen – zu einem Spitzenspiel in der BL und bei Derbys gegen Sechzig und den Glubb.
      Den Stierkampf gegen Madrid habe ich damals mit meinen Kumpels in der Nordkurve (keine Ahnung, warum) gesehen … Damals brachte Real Madrid gar keine Auswärtsfans mit.

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