Sommertransfers: Die Neuausrichtung des FC Bayern beim Scouting

Der FC Bayern spielt bislang eine äußerst erfolgreiche Saison. Die Blicke gehen jedoch längst über die aktuelle Spielzeit hinaus, die Transferstrategie hat sich dabei verändert.

Im aktuellen Sky-Podcast Mia san vier ist eines der zentralen Themen die laut Florian Plettenberg und Kerry Hau deutlich veränderte strategische Ausrichtung der Transfers beim FC Bayern. Eine zentrale Rolle spielt dabei Scouting-Chef Nils Schmadtke, der in enger Abstimmung mit Sportvorstand Max Eberl weniger auf teure Top-Transfers angesetzt ist, als vielmehr eine nachhaltigere Kaderplanung generieren soll.

Laut Plettenberg wurde dafür von Schmadtke in den vergangenen Monaten die Scouting-Struktur komplett neu ausgerichtet: „Er hat ein völlig neues Scouting-Team etabliert.“ Dabei wurden zahlreiche personelle Anpassungen vorgenommen, um neue Impulse zu setzen. Gleichzeitig setzt der Rekordmeister verstärkt auf internationale Märkte. „Man ist viel im südamerikanischen Raum unterwegs, auch in Südeuropa“. So sollen frühzeitig Talente entdeckt werden, längst bevor sie als Topspieler unbezahlbar werden.

Nach dem Scheitern der nicht gerade preisgünstigen Transfers von José Ernesto Sosa, Julio dos Santos und vor allem Breno im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends haben die Verantwortlichen des Rekordmeisters den südamerikanischen Markt für ziemlich lange Zeit aufgegeben. Nun scheint hier wieder ein großes Comeback stattzufinden.

Keine Verpflichtung von etablierten Stars, sondern von Spielern mit großem Potenzial

Während der FC Bayern in jüngerer Vergangenheit bei den Transfers regelmäßig auf etablierte Stars gesetzt hat, liegt der Fokus nun stärker auf entwicklungsfähigen Spielern. Dazu Sky-Reporter Kerry Hau: „Der FC Bayern kann nicht jeden Sommer einen 100-Millionen-Transfer tätigen.“ (Tatsächlich hat nicht einmal Harry Kane, im Sommer 2023 der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte, die 100er Schallmauer durchbrochen).

Stattdessen sollen Spieler verpflichtet werden, die das Potenzial haben, sich beim Rekordmeister zu Weltklassespielern zu entwickeln. Als Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit wird im Podcast der niederländische Nationalspieler Ryan Gravenberch genannt. Den hatte der FC Bayern 2022 20-jährig für eine Ablösesumme von 18,5 Millionen Euro von Ajax Amsterdam verpflichtet, jedoch ein Jahr später wieder für 40 Millionen Euro nach Liverpool weiterziehen lassen. Mittlerweile wird sein Marktwert von transfermarkt.de mit stolzen 90 Millionen Euro angegeben.

Die Herausforderung für die Verantwortlichen beim FCB besteht darin, die richtige Balance zu finden. Einerseits braucht es Führungsspieler und internationale Klasse, andererseits müssen junge Talente integriert und entwickelt werden. Zuletzt ist dies bei derartigen Transfers nur begrenzt gelungen. Diese konnten sich wie Gravenberch, aber auch Mathys Tel nicht nachhaltig an der Säbener Straße durchsetzen, immerhin aber gute Transfergewinne einbringen.

Als „perfekter Transfer“ sollte eigentlich eher der von Jamal Musiala gelten: 2019 ist er als 16-Jähriger für 200.000 Euro vom FC Chelsea an den Campus des FC Bayern gewechselt. Der aktuelle Marktwert des Nationalspielers beträgt 120 Millionen Euro.


Titelbild: Nils Schmadtke – seit 1. Oktober 2024 Scouting-Chef beim FC Bayern.

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