Drei Jahre nach seiner eigenen Entlassung als Vorstandsboss kritisiert Oliver Kahn die Machtstrukturen beim FC Bayern. Die Entwicklung der Neuausrichtung verlaufe viel zu langsam.
Der frühere FCB-CEO Oliver Kahn äußert im Gespräch bei Pay-TV-Sender Sky erhebliche Zweifel daran, dass sich die langjährigen Vereins-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und vor allem Uli Hoeneß tatsächlich bald aufhören werden, sich aus dem Hintergrund in das Tagesgeschäft beim Rekordmeister einzumischen. Der ehemalige Weltklassetorwart bezieht sich dabei auf die Aussagen von Hoeneß, wonach er und Rummenigge sich erst dann vollständig zurückziehen wollen, wenn die Vereinsführung passend besetzt ist.
Der 56-Jährige stichelt: „Man hört dann: ‚Wir werden uns irgendwann zurückziehen, wenn die richtigen Leute gefunden sind.‘ Das Ganze zieht sich jetzt viele, viele Jahre hin. Und gefunden hat man ja jetzt scheinbar immer noch niemanden.“
Die nun auch durch Kahn geäußerte Kritik, dass er und Rummenigge weiterhin sehr starken Einfluss auf Entscheidungen beim FC Bayern ausüben, weist Hoeneß jedoch regelmäßig ins Reich der Märchen: „Das stimmt überhaupt nicht.“
„Schneckentempo“ an der Säbener Straße
Dem widerspricht Kahn nun vehement. Er sieht die strukturelle Weiterentwicklung des FC Bayern sehr kritisch. Die Neuaufstellung des Vereins schreitet zu langsam voran. Zwar habe der Klub mit Rouven Kasper inzwischen einen neuen Marketingvorstand verpflichtet, insgesamt verlaufe die Entwicklung aber weiterhin „im Schneckentempo“.
Möglicherweise bezieht er sich dabei auch auf die überraschende Meldung, die die BILD jüngst in den Umlauf gebracht hat, wonach selbst die Zukunft des zuletzt so erfolgreich agierenden Sportvorstands Max Eberl an der Säbener Straße nicht gesichert sein soll. Die Boulevardzeitung schätzt die Chancen auf die Verlängerung seines im Juni 2027 auslaufenden Kontrakts lediglich auf 50 Prozent ein.
Kahn selbst kennt die Mechanismen beim Rekordmeister aus eigener Erfahrung sehr gut. Von Januar 2020 bis Juni 2021 war er zunächst „lernendes“ Vorstandsmitglied, bevor er zu Rummenigges Nachfolger als Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde. Im Mai 2023 kam es jedoch zu seiner fristlosen Entlassung, die sich in den Monaten zuvor schon abgezeichnet hatte: Ihm und dem damaligen Sportvorstand Hasan Salihamidžić wurde vor allem die fragwürdige Art und Weise der Entlassung von Trainer Julian Nagelsmann zum Verhängnis.
Federführend bei dem Rauswurf war Uli Hoeneß, der sich damals tatsächlich für einige Zeit aus dem Geschehen beim Rekordmeister herausgehalten hatte, sich aber aufgrund des Agierens von Kahn hinsichtlich seines Herzensvereins tief besorgt zeigte. Anstelle von Kahn wurde dann sehr rasch der frühere Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen zum CEO ernannt und Rummenigge „aus der Rente“ in den Aufsichtsrat geholt. Die Stelle des Sportvorstands blieb ein Dreivierteljahr unbesetzt, bis Max Eberl, die jahrelange Wunschlösung des FCB-Ehrenpräsidenten, im März 2024 übernahm.
