Nach den Achtelfinal-Hinspielen der Königsklasse ist ein erneutes Aufeinandertreffen zwischen dem FC Bayern und Real Madrid sehr wahrscheinlich. Mit welchen Vorzeichen?
Nach dem grandiosen 6:1-Auswärtssieg des FC Bayern bei Atalanta Bergamo konnte auch Real Madrid sein Achtelfinal-Hinspiel sehr überzeugend gewinnen: Die Königlichen ließen im Estadio Santiago Bernabéu Pep Guardiolas Manchester City beim 3:0 nicht den Hauch einer Chance. Die Gewinner der beiden Duelle treffen im Champions-League-Viertelfinale aufeinander.
Die Spiele zwischen dem spanischen und dem deutschen Rekordmeister haben sich über die Jahrzehnte zu dem Europapokal-Klassiker schlechthin entwickelt. Galten die Münchner sehr lange Zeit als „La Bestia Negra“, als großer internationaler Angstgegner, der Madrilenen, haben diese in jüngerer Vergangenheit den Spieß umgedreht und von 2013/14 bis 2023/24 die letzten vier K.-o.-Aufeinandertreffen für sich entschieden. Häufig spielten dabei auch umstrittene Schiedsrichterentscheidungen eine wichtige Rolle. So wird der Erzrivale aus der spanischen Hauptstadt von zahlreichen FCB-Fans auch als „UEFA Madrid“ tituliert.
Nun könnte man sich – etwas überraschend – im Viertelfinale wieder begegnen. Während Vincent Kompanys Bayern bislang eine überragende Saison spielen, lief es bei Real Madrid eher holprig, sodass sogar Wunschtrainer Xabi Alonso Anfang des Jahres entlassen wurde. In der Liga hinken die Königlichen dem Clásico-Rivalen Barcelona hinterher, im Pokal-Achtelfinale sind sie blamabel gegen den Zweitligisten Albacete Balompie ausgeschieden und Platz 9 in der CL-Ligaphase war auch nicht unbedingt der madrilenische Anspruch. Kein Wunder, dass die Citizens als Favorit in die Achtelfinal-Partien gegangen sind.
Aber Real Madrid ist Real Madrid, die Champions League, früher der Europapokal der Landesmeister, der Wettbewerb des 16-fachen Rekord-Titelträgers. Dennoch müssen sich die formstarken Bayern vor den wahrscheinlichen Duellen gewiss nicht verstecken – ganz im Gegenteil. Nach dem 6:1-Kantersieg in Bergamo, der höchsten Europapokal-Schlappe in der Geschichte des norditalienischen Klubs, zollten sogar spanische Zeitungen wie AS höchsten Respekt: Diese „Bayern machen Angst“.
Tatsächlich ist der deutsche Rekordmeister in der Geschichte der Fußball-Königsklasse so etwas wie „La Bestia Negra“. Kein anderer Verein hat in den letzten gut 50 Jahren seinen Konkurrenten in dieser Häufigkeit schmerzhafte Rekordniederlagen und Negativerlebnisse beschert wie der FCB. Viele „Opfer“ waren prominent.
Rekord-Niederlagen gegen den FC Bayern
Die höchsten CL-Pleiten ihrer Vereinsgeschichte erlitten gegen Bayern außerdem: Banik Ostrau (1976, 0:5), der FC Basel (2012, 0:7), OSC Lille (2012, 1:6), die Roma (2014; zu Hause 1:7), Shaktar Donezk (2015; 0:7), der FC Porto (2015; 1:6), Roter Stern Belgrad (2019; zu Hause 0:6), der FC Barcelona (2020; 2:8), Atlético Madrid (1974 & 2020; 0:4) und der FC Salzburg (2022; 1:7).
Die schlimmsten CL-Heimdebakel gegen die Münchner mussten Juventus Turin (2009; 1:4), Tottenham Hotspur (2019; 2:7), der FC Chelsea (2020; 0:3) und Benfica Lissabon (2021; 0:4) verkraften.
1972 wurde Omonia Nikosia mit einem Gesamtscore von 0:13 (0:9; 0:4) zerlegt – Vereins-Negativrekord und FCB-Königsklassenrekord zugleich. Im CL-Achtelfinale 2008/09 zog Sporting Lisabon mit 1:12 (0:5; 1:7) den Kürzeren – bis heute CL-Rekord in der K.-o.-Phase. Nicht viel besser erging es Barça sogar im Halbfinale 2013 – 0:7 (0:4; 0:3), dem FC Arsenal 2017 – 2:10 (1:5; 1:5) und Chelsea im AF 2020 – 1:7 (0:3; 1:4): ein Jahr bevor es selbst die Champions League gewann.
Ganz bitter auch die 2:9-Klatsche von Dinamo Zagreb in der Allianz Arena am ersten Spieltag der Ligaphase 2024/25: Dies war tatsächlich die höchste Pflichtspielniederlage in der Historie des kroatischen Rekordmeisters. Und auch Real Madrid erlebte in der damaligen CL-Zwischenrunde 2000 ein Negativ-Rekorderlebnis mit dem FC Bayern: 3:8 (2:4 zu Hause; 1:4 auswärts) nach zwei Spielen. Ganz so hoch müsste es aus Sicht der Münchner Bestia Negra im Jahr 2026 gar nicht ausfallen…
