Demütigung für Real Madrid, aber Matthäus verschenkt den Champions-League-Sieg

Im Königsklassen-Viertelfinale könnte der FC Bayern wieder auf Real Madrid treffen. Bei der Hundertjahrfeier des Vereins und zum Matthäus-Abschied wurde dieses zweimal gedemütigt.

Nur eine Woche nach dem grandiosen 4:2-Auswärtssieg des FC Bayern im Estadio Santiago Bernabéu lief Lothar Matthäus am 8. März 2000 ein letztes Mal in einem Pflichtspiel für den FC Bayern auf. Dass es ein Champions-League-Kracher gegen die Königlichen aus Madrid in der damaligen Zwischenrunde war, verlieh der Geschichte einen passenden Rahmen.

Der deutsche Rekordmeister gewann die Partie mit 4:1 und Matthäus wurde in der 90. Minute unter dem tosenden Applaus der 59.000 Bayernfans – Auswärtsfans aus Spanien gab es damals fast keine – im ausverkauften Olympiastadion ausgewechselt. Nach 410 Partien und 100 Toren im FCB-Trikot inklusive sieben Meisterschaften, drei Pokalsiegen (die beiden Titel 2000 dazu gezählt) und dem Triumph im UEFA-Cup 1996 sah er die Zeit gekommen, um Servus zu sagen. Mit Feuerwerk und Bannern in der Südkurve wurde der ehemalige Weltfußballer und FCB-Kapitän gebührend verabschiedet.

Die Bayerntorschützen zur 2:0-Halbzeitführung waren Mehmet Scholl (4.) und Giovane Élber (30.) nach einem weiten Abschlag von Oliver Kahn. Der noch heute sehr beliebte Brasilianer verarbeitete den Ball technisch anspruchsvoll, nahm ihn in vollem Lauf mit Oberschenkel und Knie mit, um ihn dann am verdutzten Iker Casillas vorbei einzunetzen. Ein spektakuläres – dem Anlass angemessenes – Tor.

Nachdem die Bayern die erste Halbzeit komplett beherrscht hatten, kam Madrid nach der Pause auf und Ivan Helguera konnte in der 69. Minute zum 1:2 verkürzen. Kurz darauf wurde der pfeilschnelle Alexander Zickler für Élber eingewechselt und „vernaschte“ die königliche Verteidigung auf seine typische Art zunächst zum 3:1 (79.) und zum 4:1 – kurz nach Matthäus frenetisch gefeierter Auswechslung für Patrik Andersson – in der Nachspielzeit.

USA-Wechsel verhindert die Abrundung von überragender Matthäus-Karriere

Matthäus wechselte damals – mitten in der Saison(!) – in die US-amerikanische Major League Soccer zu den New York Metro Stars, wo er lediglich bis September 2000 spielte. Die Fußstapfen seines väterlichen Freundes Franz Beckenbauer, der 1977 ebenfalls nach New York zu Cosmos gewechselt und dort äußerst erfolgreich gewesen war, waren aber für den Loddar zu groß bzw. nicht die richtigen.

Viele Fußballfans sind sich noch heute sicher: Wäre er zumindest bis zum Saisonende 1999/2000 an der Säbener Straße geblieben, hätten er und die Bayern eine riesige Chance auf den CL-Triumph gehabt. Er hätte seine fantastische Karriere nach dem EM-Sieg 1980 und dem Gewinn der WM 1990 im Jahr 2000 mit dem dritten großen Titel, der in seiner Sammlung noch fehlte, beenden können.

So lief seine Laufbahn in der zum damaligen Zeitpunkt sportlichen Bedeutungslosigkeit in den USA aus – mit zwei Niederlagen in den Königsklassenendspielen von 1987 und 1999 im Gepäck. Den Henkelpott holte in jener Spielzeit tatsächlich Real Madrid, nachdem man die Bayern – ohne Matthäus – im Halbfinale schmeichelhaft mit 2:0 und 1:2 eliminieren hatte können.

Die Bayern um Stefan Effenberg und Oliver Kahn holten das Versäumte ein Jahr später in Mailand gegen den FC Valencia nach. Für den deutschen Rekordnationalspieler blieb der CL-Sieg ein unerfüllter Traum.

PS: Vor knapp einem Vierteljahrhundert war Real Madrid – obwohl schon damals Rekordsieger in der Königsklasse – noch weit davon entfernt das Protegé der UEFA zu sein. UEFA Madrid gibt es seit 12, 15 Jahren …


Titelbild: Lothar Matthäus in seinen letzten Minuten im FCB-Trikot.

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