„Nicht mit dem Feuer spielen“: Matthäus warnt die Bayern vor dem Klassiker

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus blickt vor dem deutschen Klassiker auf das Hinspiel in München zurück, die BVB-CL-Partie in Bergamo, und warnt die Bayern.

Lothar Matthäus erklärt in seiner aktuellen Sky-Kolumne, warum sich die Bayern derartige Nachlässigkeiten wie im Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt nicht mehr erlauben dürfen. In der Torwartfrage würde der Ex-Bayern-Spieler (1984-88, 1992-2000) bei Manuel Neuer kein Risiko eingehen.

Vor dem deutschen Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern schätzt der Weltmeister von 1990 die bisherige Saison des Rekordmeisters ein: „Wir sind von den Leistungen des FC Bayern verwöhnt, aber trotzdem gibt es manchmal Schwächephasen im Spiel der Münchner: Am Samstag gegen Frankfurt, davor schon einige Male in der Bundesliga und auch im DFB-Pokal in Wiesbaden hatte man die Spiele eigentlich sicher in der Hand, hat dann aber einen oder zwei Gänge zurückgeschaltet.“

Aus seiner über 20-jährigen Profikarriere weiß der 64-Jährige aber auch: „So etwas kommt vor. Es darf aber nicht passieren, wenn es darauf ankommt. Im Pokalspiel in Leverkusen und im Achtelfinale der ChampionsLeague darf man sich solche Nachlässigkeiten nicht erlauben. Gegen Frankfurt oder im Pokal in Wiesbaden ist es gutgegangen, aber man sollte so etwas nicht zu oft herausfordern.“

Matthäus-Zustimmung für kritische Musiala-Analyse

Bei der Spielanalyse des 3:2-Siegs über die Eintracht stimmt Matthäus mehr der kritischen Einschätzung von Jamal Musiala als der des FCB-Coaches zu, der nach der Partie nicht zuletzt auf 75 dominante Spielminuten hingewiesen hat: „Natürlich ist am Ende der Sieg wichtig, und natürlich stellt sich Vincent Kompany als Trainer vor seine Mannschaft. Ich verstehe ihn absolut, aber da bin ich eher auf der Seite von Jamal Musiala.“

Der 22-jährige Nationalspieler monierte unmittelbar nach dem Schlusspfiff im Interview: „Für unsere Ziele können wir so Momente nicht haben. Wir müssen unsere Energie, unseren Fokus immer bei hundert Prozent halten.“ Der Rekordnationalspieler ergänzt: „Man hat zwar trotzdem gewonnen, aber Bayern darf nicht mit dem Feuer spielen.“

Kein Risiko bei Manuel Neuer

Zur Torwartsituation beim FC Bayern vor dem „Clásico“ hat Matthäus auch eine klare Meinung. Etwas überraschend arbeitet Manuel Neuer nur eine Woche nach seinem Muskelfaserriss in der Wade schon wieder an seinem Comeback und trainiert an der Säbener Straße: „Wenn Neuer am Samstag gegen Dortmund nicht spielen kann oder ein Risiko besteht, dass er sich wieder verletzt, würde ich voll auf Jonas Urbig setzen.“

Für den 22-jährigen Neuer-Ersatz ist er voll des Lobes: „Man hat ihn als Nachfolger für Neuer geholt und bisher hat er es gut gemacht, wenn er ihn vertreten hat. Als Trainer würde ich, vor allem mit Blick auf das, was im März und April ansteht, kein Risiko eingehen. Vor allem, weil ich mit Urbig einen Torwart habe, der das Vertrauen bisher voll bestätigt und seine Aufgaben bisher gut erfüllt hat. Urbig war zwar an zwei Gegentoren beteiligt, aber Neuer war auch bei dem einen oder anderen Treffer beteiligt. Ich traue Urbig das Spiel in Dortmund zu.“

BVB mit Chancen im Klassiker, aber nicht mehr auf den Titel

Dem Rivalen macht er vor dem Spitzenspiel Mut, denn „wenn Dortmund so spielt wie in der zweiten Halbzeit im Hinspiel in München, könnte ich mir vorstellen, dass der BVB im Klassiker gegen Bayern am Samstag nicht unbedingt der Außenseiter sein muss. Der BVB könnte mit einem Sieg auf fünf Zähler herankommen, und danach sind noch neun Spiele zu spielen.“ (Tatsächlich sind es dann sogar noch zehn Partien.)

Dennoch glaubt der 150-fache deutsche Nationalspieler selbst im Falle eines Sieges der Borussen nicht mehr an eine Wende im Titelrennen: „Doch diese Bayern-Mannschaft mit diesen Persönlichkeiten, mit dieser Atmosphäre im Team, mit dieser Kompaktheit und mit dieser Spielfreude wird die Meisterschaft nicht mehr aus der Hand geben.“ Matthäus weiter: „Ich glaube, dass die Dortmunder das auch wissen.“

Deshalb schätzt der Sky-Experte die Situation des BVB so ein, dass „das Playoff-Rückspiel in Bergamo eindeutig wichtiger“ ist und liefert dazu auch die Begründung: „Dort geht es um das Weiterkommen in der Champions League und um viel Geld. Ich würde mich zunächst voll auf Bergamo konzentrieren, und so wird es auch Niko Kovač machen.“

Offensiver BVB mit schnellem Umschaltspiel

„Nach dem Rückspiel in Italien werden wir mehr wissen, aber ich kann mir vorstellen, dass es Kovač gegen Bayern etwas offensiver angehen wird, so wie in der Schlussphase in Leipzig, als sich die eingewechselten Julian Brand und Karim Adeyemi empfohlen haben.“ Hier bleibt jedoch die Frage offen, ob der BVB nach möglicherweise sehr kräftezehrenden 90 oder gar 120 Minuten in Bergamo dazu in der Lage sein wird.

Eine Chance für den BVB sieht Matthäus aufgrund des Geschwindigkeitsdefizits in der FCB-Defensive: „Wenn die Dortmunder so spielen wie in den letzten 20 Minuten in Leipzig, werden sich vielleicht auch Möglichkeiten ergeben, die Bayern mit schnellem Umschaltspiel zu gefährden, zumal die Münchner in der Abwehr auf den verletzten Alphonso Davies verzichten müssen.“

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