Vor wenigen Tagen feierte er seinen 25. Geburtstag. Als 16-Jähriger galt der Deutsch-Brasilianer Oliver Batista-Meier als das größte Talent auf dem FCB-Campus und wurde als Ribéry-Nachfolger gehandelt.
Oliver Batista-Meier wechselte 2016 15-jährig vom 1. FC Kaiserslautern zum FC Bayern, der damals für den Hochtalentierten eine Ablösesumme von 500.000 Euro zahlte. Am Ende seines ersten Jahres für den Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters wurde er mit der U17 Deutscher Meister. Werder Bremen wurde in einem spannenden Endspiel im Grünwalder Stadion in München mit 2:0 besiegt.
Knapp zwei Monate später, am 12. August 2017, wurde das Campus-Stadion des FC Bayern beim 4:1 der U17 gegen den SC Freiburg eingeweiht. Der überragende Spieler auf dem Platz war Oliver Batista-Meier: Seine Spielweise, seine Dribblings, auch seine Schusstechnik erinnerten an die der FCB-Legende Franck Ribéry. Spätestens ab jener Partie galt die Transfersumme von einer halben Millionen Euro als Schnäppchen.
OBM – der Superstar des FCB-Campus
Mit „OBM“, so sein Spitzname auf dem Campus, als „Alleskönner im Angriff“ – Spielmacher und Torschütze in Personalunion – dominierte die U17 des FCB ihre Bundesligastaffel bis zur Winterpause. Aufgrund einer Verletzungsmisere der A-Jugend des FCB kam er zeitgleich, vor allem in der UEFA Youth League, auch schon regelmäßig in der ältesten Jugendklasse zum Einsatz. Den Insidern unvergessen ist sein Siegtor in der Nachspielzeit bei Celtic Glasgow als 16-Jähriger am 31. Oktober 2017: Sichtbar von Krämpfen geplagt dribbelte er humpelnd über das halbe Spielfeld und schloss eiskalt zum 2:1 ab.
Im Frühjahr 2018 fand die U17-Europameisterschaft in England statt, bei welcher der deutsche Nachwuchs schon nach der Vorrunde die Segel streichen musste. Man scheiterte am späteren Europameister Niederlande und an Spanien. In Erinnerung bleibt von diesem Turnier das letzte Gruppenspiel der Deutschen: Der kommentierende Reporter bezeichnete es als „Oliver Batista-Meier gegen Spanien“ – denn einzig OBM konnte mit den hochbegabten Spaniern mithalten.
Mit der U17 des FC Bayern erreichte er zum Saisonfinale erneut das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, welches am 17. Juni 2018 auf dem FCB-Campus sehr unglücklich mit 2:3 gegen den Nachwuchs von Borussia Dortmund verloren ging. Der Siegtorschütze auf Seiten des BVB: Das damalige „Wunderkind“ Youssoufa Moukoko. Erneut bester Spieler auf dem Platz war jedoch Oliver Batista-Meier. Für den Münchner Nachwuchs liefen unter anderem auch noch der heutige Nationalspieler Angelo Stiller und der heutige ManUnited-Stürmer Joshua Zirkzee auf, im Mittelpunkt stand aber stets OBM.
Erste Schritte bei den Bayern-Profis
Zur Belohnung wurde der 28-fache deutsche U-Nationalspieler am 29. Juni 2018 mit einem „langfristigen Vertrag“ beim FC Bayern ausgestattet, laut transfermarkt.de bis zum 30. Juni 2023. Anschließend war er mit den Bayern-Profis auf der Audi Summer Tour in den USA und konnte bei seinen Einsätzen durchaus gefallen. Zwei Monate später, am 2. Oktober 2018, beim Youth League Spiel gegen Ajax Amsterdam, dann der erste große Rückschlag: OBM zog sich einen Bänderriss zu und fiel fast ein halbes Jahr aus.
Gut ein Jahr später zog FCB-Cheftrainer Hansi Flick den mittlerweile 18-Jährigen aufgrund dessen hervorragenden Leistungen im Nachwuchsbereich in den Profikader hoch. Obwohl er einige Male im Spieltagskader stand, sollte es bis zu seinem ersten Bundesligaspiel aber noch bis zum Mai 2020 dauern: Am 29. Spieltag feierte Batista-Meier beim 5:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf endlich sein Profi-Pflichtspiel-Debüt. In der 78. Minute wurde er für Serge Gnabry eingewechselt und konnte in ein paar Aktionen noch andeuten, welch großes Talent er besaß.
Kurz darauf feierte er als einer der Leistungsträger mit den Bayern Amateuren die sensationelle Drittliga-Meisterschaft. Beim Pandemie-bedingten CL-Endrunden-Turnier in Lissabon im August 2020 gehörte OBM zum Kader des überragenden Triple-Gewinners, bekam aber in den Partien gegen den FC Barcleona (8:2), Olympique Lyon (3:0) und Paris Saint-Germain (1:0) keine Einsatzzeiten, obwohl er bei den Trainingsspielen ohne Probleme mit den damaligen Weltklassespielern des FC Bayern mithalten konnte.
Die Odyssee des FCB-Toptalents
Obwohl die Leihspieler Philippe Coutinho und Ivan Perišić den amtierenden CL-Sieger nach der Saison verließen und mit Leroy Sané lediglich ein Offensivspieler verpflichtet wurde, wurde der hochtalentierte Batista-Meier durchaus überraschend kurz später zur neuen Saison in die niederländische Eredivisie an den SC Heerenveen verliehen, wo er die prestigeträchtige Rückennummer 10 erhielt.
Dort startete er prächtig, wurde dann allerdings sehr bald von einer langwierigen Corona-Erkrankung gestoppt und kam dann anschließend bis zum Leihende im Sommer 2021 nicht mehr so richtig in Schwung. So kehrte er wieder nach München zurück und lief für die Bayern Amateure auf, die jedoch mittlerweile wieder in der viertklassigen Regionalliga Bayern kickten.
Bis zur Winterpause war er bei den „Bayern-Bubis“ der alles überragende Spieler, bei den Profis von Julian Nagelsmann bekam er aber keine Chance mehr. So wechselte er Anfang Januar 2022 für die bescheidene Ablösesumme von 300.000 Euro bei einem Marktwert von 650.000 Euro zum Zweitligisten Dynamo Dresden (vor seinem Niederlande-Abenteuer war sein MW 1,5 Millionen).
In Sachsen wurde er jedoch nicht glücklich, stieg zum Ende der Saison mit Dynamo in die Dritte Liga ab. Ein Jahr später wurde er gar zum Drittliga-Abstiegskandidaten SC Verl verliehen, wo er zwar prächtig einschlug – aber eben doch auf sehr niedrigem Niveau. Dresden holte ihn daraufhin im Januar 2024 zurück, um ihn nur einen Monat später wieder zu verleihen, diesmal nach Zürich zu den Grasshoppers.
Im Januar 2025 – und damit kurioserweise in der vierten Wintertransferperiode in Folge – wechselte OBM in die 2. deutsche Bundesliga zum SSV Ulm 1846, wurde mit einem Vertrag bis 2027 ausgestattet. Nachdem die Ulmer jedoch am Ende der Spielzeit 2024/25 trotz ansprechender Leistungen des Ex-FCB-Campus-Spielers abstiegen, ging seine Odyssee weiter: Er wechselte für 400.000 Euro (MW 750.000 Euro) zum Liga-Kontrahenten Preußen Münster.
Obwohl er sich mit seinem neuen Verein erneut im Abstiegskampf befindet, spielt Batista-Meier wohl seit seinem Abschied vom FC Bayern vor gut vier Jahren seine beste Saison. Fünf Tore und drei Assists sind eine gute Ausbeute, vor allem wenn man bedenkt, dass Münster in 22 Partien lediglich 25 Treffer erzielt hat.
Warum ist OBM (bislang) gescheitert?
Insgesamt entspricht die bisherige Profi-Karriere des „besten FCB-Campus-Spielers aller Zeiten“ – auch den zwei Jahre jüngeren Jamal Musiala stellte er dort klar in den Schatten – nicht ansatzweise seinem Talent. Es fällt schwer zu verstehen, warum ein Spieler mit einer derart überragenden Begabung nicht den Weg in den Spitzenfußball gefunden hat. Bereits als Teenager konnte er – auffällig in den Trainingseinheiten – mit den FCB-Superstars mithalten. Am Willen sollte es auch nie gelegen haben, speziell wenn man sich an sich Tor in Glasgow zurückerinnert.
Auffällig ist jedoch, dass sich fast alle Mannschaften, für die er auflief, im Abstiegskampf befanden und nun wieder befinden. Es war auch nie eine technisch erstklassige Truppe darunter. OBM benötigt für seinen Spielstil technisch versierte Teamkollegen, die auf technischen Niveau mit ihm mithalten können, ist er doch auch ein ausgezeichneter Kombinationsspieler. Dies fiel übrigens schon zu Campus-Zeiten auf: In der Spielzeit 2017/18 spielte er abwechselnd für die U17 und die U19 des Rekordmeisters: Die U17 war wesentlich talentierter und konnte spielerisch mehr mit OBM mithalten, dies tat auch seinem Spiel gut. Das Kombinationsspiel mit den weniger versierten U19-Mitspielern funktionierte dagegen kaum.
Fazit: OBM scheint häufig falsch abgebogen und beraten worden zu sein. Die Heerenveen-Wahl war keine gute, der Wechsel nach Dresden noch schlechter. 2020 konnte er spielerisch mit den Besten bei den FCB-Profis mithalten, und die Besten benötigt er grundsätzlich auch für seine Spielweise. Nicht weil ihn die mitziehen müssen, sondern weil die mit ihm mithalten können. Ist das tatsächlich die Erklärung, dass ein potenzieller deutscher A-Nationalspieler stattdessen permanent in unteren Ligen um den Klassenerhalt spielen muss?
