Kritisierte Upamecano-Verlängerung ist ein Erfolg für den FC Bayern

Während zahlreiche Experten und Fans die Art und Weise der Vertragsverlängerung mit Dayot Upamecano scharf kritisieren, feiert der FC Bayern den Deal. Zurecht. Ein Kommentar.

Jan-Christian Dreesen, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, kommentiert die Vertragsverlängerung mit dem Münchner Abwehrchef bis 2030 treffend: „Dayot Upamecano ist bei uns zum Topspieler auf höchstem Niveau gereift. Dass er seinen Weg beim FC Bayern fortsetzt, freut uns sehr und beweist einmal mehr unseren Stellenwert im internationalen Fußball. Sein klares persönliches Commitment ist ein starkes Signal – für unseren sportlichen Kurs und für das sehr gute Miteinander im Team und im Club.“

Trotz der zahlreichen Kritiken am Deal, speziell den Zahlen – Jahresgehalt bis 20 Millionen Euro, hohe Signing Fee, aber auch der Ausstiegsklausel und der Tatsache, dass der Spieler selbst (erst) seine unbedingte Bereitschaft zur Verlängerung zeigte, als der Verein sein Angebot schon zurückgezogen hatte, ist dieser – wie Dreesen sagt – ein wichtiges Signal für den Rekordmeister.

Mit Unterbrechungen hatte sich der Poker fast ein Jahr hingezogen. Nicht zuletzt die Fußball-Giganten Paris Saint-Germain und Real Madrid haben am bulligen Innenverteidiger großes Interesse gezeigt. Der Spieler, der in den Verhandlungen von seinen Beratern, die zuletzt von Uli Hoeneß heftig attackiert wurden, vertreten wurde, ließ sich Zeit. Ganz am Ende steht jedoch ein Ergebnis, das beide Seiten als Erfolg sehen, aber auch verkaufen können: Upamecano bekommt offenbar ein üppiges Handgeld und eine Ausstiegsklausel, die 2027 aktiviert werden kann. Bayern behält seinen Abwehrboss und gewinnt Planungssicherheit für die kommenden Jahre.

Ausstiegsklauseln eine Normalität im Profifußball

Die Ausstiegsklausel sollte dabei nicht als Zeichen von Schwäche interpretiert werden, sondern ist Ausdruck einer veränderten Verhandlungsrealität im Spitzenfußball. Spieler mit internationalem Format können nicht mehr bedingungslos gebunden werden, sondern wollen Optionen. Diese Erfahrung mussten die Verantwortlichen des Rekordmeisters bereits mit Harry Kane und Jamal Musiala machen.

Wie alle anderen Topvereine auch muss der FC Bayern diese Entwicklung akzeptieren. Dennoch hat man an der Säbener Straße bekommen, was man wollte: einen der besten Innenverteidiger der Welt, der sehr gerne bei dem Verein bleibt, bei dem er sich zum Topspieler entwickelt hat. Wie bei Kane und Musiala ist das Risiko, dass die Ausstiegsklausel (kurzfristig) gezogen wird, sehr gering, solange die Mannschaft des Rekordmeisters erfolgreich performt.

Auch FCB-Sportvorstand Max Eberl hat mit seiner Einschätzung des Deals recht: „Dayot Upamecano ist eine weitere zentrale Figur unserer Mannschaft, mit der wir verlängern konnten. Ein Kader braucht Ankerpunkte: Mit Dayot setzen wir den nächsten. Oft lautet die Frage nicht, wen man holt – sondern wen man entwickelt: Dayot ist beim FC Bayern zum internationalen Spitzenspieler gereift, wir freuen uns auf den weiteren gemeinsamen Weg.“

Upamecano ein „Ankerpunkt“ in der FCB-Mannschaft

Der 27-Jährige zählt tatsächlich zu den Ankerpunkten in Vincent Kompanys Team. Als der französische Vizeweltmeister 2021 zusammen mit seinem Coach Julian Nagelsmann von RB Leipzig zum FC Bayern wechselte, galt er als fehleranfälliger Rohdiamant. Obwohl er insgesamt sofort beim Rekordmeister überzeugen konnte, patzte er gerade bei den entscheidenden CL-Partien. Auch wenn dieser Kritikansatz beileibe nicht bei allen verstummt ist, hat sich Upamecano objektiv zum internationalen Topspieler entwickelt. Er ist extrem zweikampfstark, trotz seines massiven Körpers schnell, besitzt ein überragendes Aufbauspiel und hat seine früher regelmäßigen Konzentrationsschwächen mittlerweile fast komplett abgestellt.

Die Verlängerung zeigt auch, dass die Bayernbosse aus Fehlern gelernt haben: Die Liste der Spieler, die den Verein in den letzten Jahren ablösefrei, aber auch unter Wert verlassen haben, ist keine kurze. David Alaba, Niklas Süle und Leroy Sané lassen grüßen. Bei Upamecano drohte dasselbe Szenario, gemessen am Marktwert wäre er damit sogar der größte FCB-Verlust geworden. Dass man ihn gehalten hat, ist durchaus ein Verdienst der sportlichen Führung, so holprig der Weg bis dorthin auch war. Dass der Deal letztendlich zustande kam, spricht für die Professionalität aller Beteiligten. Am Ende zählt einzig das Resultat.

Win-win-Situation

Für den Spieler ist die Entscheidung äußerst positiv. Abgesehen von der erheblichen Gehaltsaufstockung spielt er bei einem der größten Vereine Europas und hat mit Vincent Kompany einen Trainer, der ihm nicht nur hundertprozentig vertraut, sondern ihn auch in seiner Entwicklung extrem nach vorne bringt. Die Ausstiegsklausel gibt ihm die Sicherheit, dies neu bewerten zu können, wenn sich einige Parameter an der Säbener Straße ändern sollten.

Der Verein hat mit dieser Verlängerung ein Zeichen gesetzt, sich wie bei Alphonso Davies, Joshua Kimmich und Jamal Musiala wieder gegen internationale Topvereine durchsetzen können. Solche Aufgabestellungen sind nicht nur schwierig, sondern kosten letztendlich auch eine Menge Geld. Diese Art von Umsetzung ist auch keineswegs als Schwäche zu missinterpretieren, sondern ist eine Stärke des Rekordmeisters, wenn man dazu immer wieder fähig ist. Wenn der FC Barcelona nach München blickt, dürfte er vor Neid erblassen. Im Fall von Upamecano wäre es extrem kompliziert geworden, ihn sportlich einigermaßen adäquat zu ersetzen – und letztendlich hätte man dabei finanziell erheblich draufzahlen müssen.

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