Nach zahlreichen Rekorden in der Hinrunde zählen einige Experten den FC Bayern nach zwei sieglosen BL-Spielen an. Das Topspiel gegen die TSG Hoffenheim könnte die nächste Wende einleiten.
Nach dem 5:1-Auswärtssieg des FC Bayern bei RB Leipzig zum Bundesliga-Rückrunden-Start hatte Fußball-Deutschland das Titelrennen vorzeitig für beendet erklärt und das einzige Problem des Rekordmeisters schien zu sein, dass er erst im zweiten Durchgang so richtig ins Rollen kommt, um dann die Gegner gnadenlos abzuschießen.
In der anschließenden Woche folgte das 7. CL-Ligaspiel gegen den belgischen Meister Union Saint-Gilloise, welches wieder diesem Muster folgte. Nach einer bedächtigen torlosen ersten Halbzeit gingen die Münchner nach der Pause schnell mit 2:0 in Führung, eine Klatsche schien für die zuvor fast ebenbürtigen Belgier fast unausweichlich.
Es kam jedoch anders, weil FCB-Innenverteidiger Minjae Kim nach einer Stunde per Ampelkarte des Feldes verwiesen wurde. Vincent Kompanys Truppe kontrollierte weiterhin das Spiel, ging aber in Unterzahl nicht mehr ins Risiko und ließ zudem noch einige Großchancen aus. Es blieb beim 2:0 und der FC Bayern war als einer der Top-4-Platzierten für das Königsklassen-Achtelfinale qualifiziert. Alles ging beim Rekordmeister weiter seinen gewohnt erfolgreichen Weg.
Unnötige Niederlage gegen Augsburg der Auslöser einer FCB-Minikrise“?
Und beim BL-Spiel gegen den FC Augsburg nur zweieinhalb Tage später ging man sogar mit einer 1:0-Halbzeitführung in die Pause. Es würde noch die stets wesentlich stärkere zweite Halbzeit folgen – was sollte da noch passieren? Tatsächlich eine unverständlich passive Vorstellung der bis zu diesem Spieltag „unschlagbaren“ deutschen „Übermannschaft“.
Die Lethargie der gesamten Bayern-Mannschaft an jenem bitterkalten Nachmittag nahmen die schwäbischen Nachbarn letztendlich dankend an und drehten die Partie in der Schlussphase komplett. Inwieweit diese saft- und kraftlose Vorstellung auch der halbstündigen Unterzahl im CL-Spiel geschuldet war, wurde nicht ausdiskutiert. Stattdessen wurden nach der Schlappe sogar positive Aspekte wie „ein Dämpfer genau zum richtigen Zeitpunkt“ gesehen.
Diese „Ausrede“ zählt in München aber nicht, wenn nicht sofort das nächste Spiel gewonnen wird: Nach dem 2:2 in einem erbitterten Fight beim Hamburger SV beträgt der Vorsprung in der Bundesligatabelle gegenüber Verfolger Borussia Dortmund aber plötzlich „nur“ noch sechs anstelle der zuvor so komfortablen elf Punkte. Da wird auch nicht gewürdigt, dass man die CL-Ligaphase zuvor beim 2:1-Sieg in Eindhoven mit 21 Punkten und 22:8 Toren auf einem herausragenden zweiten Platz beendet hatte.
Trotz einer bislang außergewöhnlich starken Spielzeit in allen Wettbewerben reden somit derzeit einige Experten zumindest eine „Minikrise“ an der Säbener Straße herbei. In Zahlen ausgedrückt bedeutet diese aber: Zweitbeste Ligaphase der CL-Historie, 2024/25 hätte man diese sogar mit den aktuellen Ergebnissen gewonnen. Immer noch souveräner Tabellenführer in der Bundesliga – und dies obwohl die Verfolger Borussia Dortmund und TSG Hoffenheim ebenfalls außergewöhnlich hohe Punktzahlen aufweisen. Die 51 Punkte – bei 74:18 Toren – nach 20 Ligaspielen bedeuten mit 2,55 nach wie vor den höchsten Punkteschnitt aller Vereine der europäischen Top-5-Ligen.
In München bleibt man gelassen, wird die Konkurrenz im Februar distanziert?
Kampfansagen kommen nun plötzlich aus Dortmund – Nico Schlotterbeck möchte sich nach der Saison als Meister feiern lassen – und vor dem Top-Duell gegen Hoffenheim auch von TSG-Spieler Grischa Prömel, der mit einem Sieg in München das Titelrennen möglichst lange offen lassen möchte.
In München gibt man sich angesichts der Kampfansagen der Konkurrenz betont gelassen, Jonathan Tah hat sich sogar äußerst positiv zum Statement seines Nationalelf-Kollegen Schlotterbeck geäußert. Im Bewusstsein der eigenen Stärke nimmt der FC Bayern voller Selbstbewusstsein die Herausforderungen der nationalen Konkurrenz an. Die TSG Hoffenheim gilt mit ihren fünf Ligaerfolgen 2026 als „Mannschaft der Stunde“. Dieser Titel ist aber höchst vergänglich, wenn man am Sonntag ohne Punkte die Allianz Arena verlassen wird.
Gewinnt dagegen der Rekordmeister das Top-Spiel gegen den Tabellen-Dritten, ist dieser nach zwei Drittel der Saison um zwölf Punkte distanziert und das Meisterschaftsrennen endgültig auf einen Zweikampf mit dem BVB geschrumpft. Der freut sich wiederum auf den „Klassiker“ am 28. Februar in der heimischen Arena, muss allerdings drei Tage zuvor die hohe Hürde Atalanta Bergamo auf dem Weg ins CL-Achtelfinale überspringen. Wenn auch unausgesprochen: Die Münchner Träume handeln vom dritten Triple der Vereinsgeschichte nach 2013 und 2020. Ein beeindruckender Sieg über die aufmüpfigen Kraichgauer könnte diesen Traum noch einmal realistischer werden lassen.
