Borussia Dortmund zeigt sich nach den beiden Bayern-Patzern gegen Augsburg und in Hamburg im Titelrennen plötzlich selbstbewusst. Jonathan Tah gefällt das.
Nach dem 5:1-Sieg zum Rückrunden-Auftakt bei RB Leipzig schien die 35. Bayern-Meisterschaft nur eine Frage des Zeitpunkts zu sein. Doch nur zwei Spieltage später ist der Vorsprung des Rekordmeisters in der Bundesliga gegenüber dem Tabellen-Zweiten Borussia Dortmund von elf auf sechs Punkte „geschrumpft“. Während einige Experten eine „Mini-Krise“ des FC Bayern sehen, hat mit Nationalspieler Nico Schlotterbeck ein erster BVB-Spieler nach dem 3:2 über Schlusslicht Heidenheim eine Kampfansage Richtung München geschickt.
„Man muss als BVB langsam auch mal den Anspruch haben, den Fans zu sagen: ‚Wir wollen Meister werden!‘ Die Jungs und ich wollen angreifen. Die Bayern kommen noch zu uns,“ so der 26-Jährige selbstbewusst. In München nimmt man die Ansage des Dortmunders zur Kenntnis, Schlotterbecks Innenverteidiger-Partner in der Nationalsmannschaft, Jonathan Tah, findet sie sogar gut.
Tah findet Schlotterbecks Ambition „schön“
In einem ausführlichen Interview mit Sky Sport Reporter Kerry Hau ordnet der 29-Jährige diese Meisterschafts-Ansage ein: „Ich finde es schön, wenn es Teams in der Liga gibt, die versuchen, erfolgreich zu sein. Wir verfolgen weiter unseren Weg. Wir wissen, wo wir hinwollen – wo wir am Ende stehen wollen. Trotzdem ist es schön, dass es Teams gibt, die diese Ambition haben.“
Schlotterbeck will am 28. Februar im Heimspiel gegen den großen Rivalen den Punktabstand weiter verkürzen und die Meisterschaft noch spannender machen, aber auch beim FCB-Verteidiger ist die die Vorfreude auf den deutschen Klassiker bereits „extrem groß. Auswärts in Dortmund ist etwas Besonderes. Das erste Mal für mich mit dem FC Bayern – daher freue ich mich sehr auf das Spiel. Es wird intensiv, aber es wird gut.“
Der 1,95 Meter große Abwehrhüne zeigt sich wohl auch deswegen so optimistisch, weil er weiß, dass der Bundesligarivale nur drei Tage zuvor in der Zwischenrunde der Champions League bei Atalanta Bergamo um den Einzug in das Achtelfinale kämpfen muss, in dem man pikanterweise in der ersten März-Hälfte aufeinander treffen könnte.
Gegner haben sich laut Tah der FCB-Spielweise angepasst
Die jüngste defensive Anfälligkeit der Bayern sieht er sachlich-nüchtern: „Wir haben ein paar mehr Gegentore bekommen – mehr Gegentore aus dem Spiel. Vorher sind die Hälfte unserer Gegentore aus Standard-Situationen entstanden. Jetzt immer noch und daran müssen wir arbeiten.“
Von Krisengerede hält Tah jedoch sehr wenig, stattdessen: „Es fühlt sich aber nicht so an, als würden wir in einer schlechten Phase stecken. Die anderen Teams passen sich ebenfalls an – versuchen andere Dinge gegen uns zu machen, weil sie jetzt ausreichend Zeit hatten, sich anzuschauen, was Vincent Kompany möchte. Da müssen wir uns wieder adaptieren. Vielleicht ist das gerade genau diese Phase, die jetzt schon wieder vorbei sein kann.“
FCB-Nationalspieler bleibt voller Optimismus
Über die anstehende Vertragsverlängerung des FCB-Innenverteidiger-Kollegen Dayot Upamecano freut sich Tah ganz offensichtlich: „Ich habe ihm gefühlt 100-mal am Tag gesagt, dass er verlängern soll. Wenn das jetzt der Fall ist, dass er zugesagt hat, dann bin ich sehr, sehr glücklich darüber, weil er extrem wichtig für uns ist.“
Insgesamt zeigt sich der 43-fache Nationalspieler sehr zufrieden über das Zusammenspiel mit seinen Abwehrkollegen Upamecano, Minjae Kim, Hiroki Ito und Josip Stanišić: „Diese Gruppe, die wir haben, ist etwas Besonderes. Jeder bringt auf seine Art und Weise etwas rein. Das ist wichtig, weil jeder etwas vom jeweils anderen lernen kann. Wir wollen alle besser werden – wollen wachsen. Dann haben wir auch noch einen Trainer, der ebenfalls auf dieser Position gespielt hat. Also ja – das fühlt sich wirklich gut an.“
Während der Dortmunder Schlotterbeck Morgenluft im Titelrennen wittert, freut sich sein DFB-Kollege Tah ganz offensichtlich auf die anstehenden anspruchsvollen Aufgaben – schon bald wird man wissen, wessen Optimismus mehr Berechtigung gehabt hat.
