Oliver Kahn äußert sich im Interview über Jonas Urbig als möglichen Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern. Der 22-Jährige muss laut ihm dabei eine Statistik brechen.
Die Verantwortlichen des FC Bayern müssen im Frühjahr die Frage klären, ob Kapitän Manuel Neuer eine weitere Saison dran hängt oder ob es an der Zeit ist, endgültig seinen Nachfolger zu bestimmen. Mit Jonas Urbig steht dazu an der Säbener Straße ein hochtalentierter Torhüter bereit, der bereits mehrfach sein großes Potenzial gezeigt hat.
Der ehemalige CEO des Rekordmeisters Oliver Kahn hat sich nun bei Sky zur Situation bei seinem Ex-Verein geäußert. Der 56-Jährige zeigt sich dabei angetan von den Leistungen des 22-Jährigen: „Eines ist auffällig bei ihm: In den Spielen, in denen er ran darf, spielt er nicht nur mit, sondern hält er hier und da ein paar überragende Bälle“, lobte Kahn. Ob er also die Nummer eins bei den Bayern werden könne? „Ja, absolut!“
Gerade das Comeback gegen die PSV Eindhoven hinterließ beim früheren Welttorhüter großen Eindruck: „Wenn du jung bist, machst einen Fehler wie gegen Augsburg, und spielst danach, als wäre nichts gewesen, im Gegenteil: Du machst noch ein sehr gutes Spiel, dann zeigt das einfach, dass er die innere mentale Stabilität hat, auf dem Niveau auch Fußball zu spielen.“
Urbig-„Fehler“ gegen Augsburg Folge seines mutigen Torwartspiels
Auch beim vermeintlichen Patzer gegen Augsburg nimmt Kahn Urbig in Schutz: „Viele Torhüter bevorzugen es, auf der Linie zu bleiben heutzutage. Ich glaube, es war das 1:0 für Bayern, der köpft den Ball aus einem Meter ins Tor und keiner sagt etwas. Keiner sagt etwas über den Torwart, weil der auf der Linie klebt. Jetzt kommt der Torwart raus, was immer gut ist, was die Trainer verlangen, weil das mutig auch ist vom Torwart, weil das Ausstrahlung hat, der Torwart kommt raus und verschafft sich Respekt und dann kriegt er den Ball nicht und wird brutal kritisiert.“
Die Kritik an Urbig sei für den „Titan“ deshalb „ein bisschen too much“ gewesen. Es sei ihm selbst wie auch anderen großen Torhütern immer mal wieder passiert, dass das Timing nicht gestimmt habe oder man hätte Fausten müssen. „Das kommt mit der Zeit“, versprach der ehemalige Vorstandsvorsitzende des FCB (2021-2023).
Trotz der vielversprechenden Entwicklung müsse man aber eines anmerken: „Die Zeit zeigt allerdings, dass egal wer nach so einer großen Ära gekommen ist, der hat es eigentlich nie geschafft. Es waren eigentlich immer Übergangssituationen, bis dann zwei, drei Jahre später eine neue Figur gekommen ist.“ Als Kahn 2008 seine aktive Laufbahn beim Rekordmeister beendet hatte, stand mit Michael Rensing sein designierter Nachfolger bereit – scheiterte aber an seinen Nerven.
Kahn: Urbig „hat es drauf“, Neuer-Nachfolger zu werden
So habe es Urbig statistisch gesehen schwer in München. Aber dennoch ist sich Kahn sicher: „Er hat es drauf.“ Einen großen Einfluss darauf habe auch Vincent Kompany. „Es ist ganz entscheidend, und so war es bei mir damals mit Winnie Schäfer, dass der Trainer ganz klar sagt: Das ist meine Nummer eins und der spielt bei mir und der darf bei mir Fehler machen.“
Kompany selbst betonte nach der CL-Partie in Eindhoven, dass es ohnehin sein Plan war, Urbig im Januar zweimal einzusetzen. Und gerade nach dem Spiel gegen Augsburg war für ihn jedoch „zu 100 Prozent klar, dass dies ein Moment ist, in dem er einen wichtigen Schritt machen kann“.
Damit bewies der belgische Chefcoach großes Vertrauen in die Qualitäten seines jungen Keepers und wurde mit einer bockstarken Leistung von diesem belohnt. Urbig wurde nach dem 2:1-Sieg von der UEFA sogar zum „Man-of-the-Match“ ernannt.
Der 22-Jährige war vor einem Jahr als zweiter Torhüter des damaligen Zweitligisten 1. FC Köln nach München gekommen und absolvierte seitdem bereits erstaunliche 19 Pflichtspiele, in denen zumeist absolut überzeugte. Sein Stil als technisch versierter Ball-sicherer Torhüter verkörpert das ideale Profil für die Neuer-Nachfolge beim FC Bayern.
