Während die Premier League ihren Boxing Day zelebriert, macht die Bundesliga Winterpause. Ein Blick in die Weihnachts-Historie des FC Bayern.
Zahlreiche deutsche Fußballfans, speziell diejenigen, die mit Weihnachten nicht so viel anfangen können, schauen am 26. Dezember neidvoll auf die Insel. Seit 1966 hat die englische Liga an jenem Tag, dem sog. Boxing Day, traditionell Spiele. Wurde vor ein paar Tagen am zweiten Weihnachtsfeiertag noch ein ganzer Spieltag ausgetragen, sind es mittlerweile nur noch einzelne Partien, dieses Jahr Manchester United gegen Newcastle United.
Der Name Boxing Day hat seinen Ursprung darin, dass die Arbeiter und Angestellten am zweiten Weihnachtsfeiertag von ihren Arbeitgebern in England Geschenke erhielten, die Christmas Box. So beschenkt der englische Fußball nun seit 59 Jahren seine Fans mit Liga-Spielen – eine Geste, die man sich in Deutschland heutzutage an den Weihnachtsfeiertagen nicht mehr vorstellen kann. Dagegen mussten legendäre FCB-Mannschaften früher noch regelmäßig am 26. Dezember zu Freundschaftsspielen antreten, blickt man noch weiter zurück sogar zu Pflichtspielen.
Weihnachts-Fußball beim FC Bayern
Nicht überraschend und den christlichen Traditionen hierzulande entsprechend hat die erste Mannschaft des FC Bayern in seiner gesamten Vereinshistorie noch nie ein Spiel an Heiligabend bestritten.
Beim ersten Weihnachtsfeiertag sieht es schon ein bisschen anders aus: Von 1907 bis 1948 spielten die Bayern insgesamt neunmal am 25.12. – sieben Spiele davon waren Freundschaftsspiele, aber auch zwei Punktspiele: 1938 (1:2 bei der SpVgg Fürth) und 1940 (4:1 gegen Jahn Regensburg) jeweils in der Gauliga Bayern, was für eine dunkle Zeit!
1966 spielte der FCB ein letztes Mal am ersten Weihnachtsfeiertag: Dabei wurde ein Freundschaftsspiel bei einer Auswahl, welche sich aus Berliner und Meidericher (Duisburger) Spielern zusammensetzte, mit 2:1 gewonnen.
Es war eine verrückte Zeit: Am 17.12. hatten die Bayern die Bundesliga-Hinrunde mit einem 1:0-Heimsieg gegen Borussia Dortmund abgeschlossen, flogen dann zu zwei Freundschaftsspielen nach Südamerika – 21.12. Racing Buenos Aires – 22.12. Universidad Catolica – um dann das Kalenderjahr 1966 eben mit jenem Freundschaftsspiel in Deutschland am ersten Weihnachtsfeiertag abzuschließen.
Es war die Bayern-Mannschaft mit den jungen Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier, die am Ende der Saison das erste (Pokal-)Double der Vereinsgeschichte holte: DFB-Pokal und Europapokal der Pokalsieger.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag gab es regelmäßig Bayern-Spiele
Am heutigen englischen Boxing Day, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, spielten die Bayern lange Zeit sehr regelmäßig: Von 1909 bis 1973 wurden insgesamt erstaunliche 28 Spiele mit Beteiligung des FCB ausgetragen, fast die Hälfte davon (13) waren Pflichtspiele. 1958, 1960 und 1961 wurde jeweils die 1. Runde des DFB-Pokals ausgetragen.
Das letzte Bayernspiel an Weihnachten war jedoch eine freundschaftliche Partie am 26.12.1973 in Franken, welche der FC Bayern bei Bayern Hof mit 3:1 gewannen. Am 29. und 30. folgten damals weitere Freundschaftsspiele beim 1. FC Nürnberg und Mainz 05.
Dies ist deshalb so überraschend, weil das die Startruppe war, die zum Saisonende 1973/74 zum ersten Mal den Europapokal der Landesmeister nach Deutschland holte (Titelbild) und aus welcher nicht weniger als sieben Spieler zur Weltmeistermannschaft 1974 zählten. Eine Schonung in der Winterpause für die hohen Ziele zum Saisonfinale existierte damals nicht in den Köpfen der Fußballfunktionäre. Die leere Vereinskasse musste mit den Einnahmen aus Freundschaftsspielen ein wenig gefüllt werden.
Aber die Europapokalsieger und Weltmeister in der Truppe hatten offensichtlich danach ausreichend Argumente dafür, dass so ein Szenario in der weiteren FCB-Historie nie wieder vorkam.
Zum ersten Mal Europas Fußball-Könige – großartige FCB-Geschichte – FC Bayern Total
Weitere ausgewählte FCB-Spiele an den Weihnachtsfeiertagen:
25.12.1907: Das Freundschaftsspiel gegen Phönix aus der damaligen deutschen Fußball-Hochburg Karlsruhe ging zuhause mit 1:7 hoch verloren.
25.12.1932: Der amtierende deutsche Meister besiegte den 1. FC Kaiserslautern mit 2:0.
26.12.1954: Beim letzten Weihnachts-Meisterschaftsspiel der Vereinsgeschichte besiegten die Bayern in der Oberliga Süd den VfB Stuttgart mit 2:1. Am Ende der Saison stiegen sie trotzdem zum einzigen Mal in ihrer Vereinsgeschichte ab.
26.12.1961: Das 6:0 beim Münchner Stadtteilverein FC Perlach in der 1. DFB-Pokalrunde war das letzte Pflichtspiel an Weihnachten der Vereinsgeschichte.
Koan Boxing Day!
Liebe Bayernfans, lasst uns nicht neidisch nach England schauen, wo es vor zwei Jahren sogar ein Spiel am heutigen Heiligen Abend (Wolverhampton – Chelsea) gab, sondern lieber die Weihnachtsfeiertage genießen.
Ob Fußball bei kaltem englischen Schmuddelwetter das Wahre ist, sei dahingestellt. Und im nasskalten Deutschland macht es doch sogar noch weniger Spaß – Spielern wie Stadionfans. Harry Kane freut sich nun schon zum dritten Mal in seiner Profikarriere, dass er Weihnachten zusammen mit seiner Familie feiern kann und auch der Belgier Vincent Kompany, lange Zeit in der Premier League beschäftigt, ist glücklich über diese wieder gewonnene schöne Tradition – zu Hause bei der Familie, nicht auf dem Fußballplatz.

Ein Kommentar zu “FC-Bayern-Weihnachts-Geschichten: Früher mussten die Superstars spielen”