Das letzte Heimspiel 2025 ist dem FC Bayern beim 2:2 gegen Tabellenschlusslicht Mainz misslungen, liefert den Verantwortlichen aber erneut eine nicht neue Erkenntnis.
Die Voraussetzungen waren für den FC Bayern vor dem Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 perfekt. Die Konkurrenz aus Leipzig (1:3 bei Union Berlin) und Dortmund (1:1 in Freiburg) hatte gepatzt und mit einem Sieg wäre man nach 14 Spieltagen auf elf Punkte enteilt. Im Weg stand der Tabellenletzte der Bundesliga mit kümmerlichen sechs Punkten aus 13 Partien – allerdings kam mit dem Schweizer Coach Urs Fischer ein berüchtigter „Betonanrührer“ in das Fußball-Oberhaus zurück.
In der Startelf seines Gegenübers Vincent Kompany fehlte der Gelb-gesperrte Luis Diáz und die Hintermannschaft wurde fast komplett neu aufgestellt: Minjae Kim, der lange verletzte Hiroki Ito und Tom Bischof ersetzten die Stammkräfte Dayot Upamecano, Jonathan Tah und Konrad Laimer. Trotz turmhoher Überlegenheit des Rekordmeisters sollten sich diese Wechsel bemerkbar machen: 85 Prozent Ballbesitz, 24:5 Schüsse (davon 11:2 aufs Tor) spiegeln diese exakt wider. Aber die Offensive musste sich einen fahrlässigen Umgang mit den Chancen, die fast ausschließlich über die rechte Olise-Seite generiert wurden, vorwerfen lassen, die Defensive Nachlässigkeiten bei den äußerst sporadischen Mainzer Bemühungen.
Upamecano – der perfekte Innenverteidiger für das Kompany-System
Abwehrchef Dayot Upamecano fehlte dabei an beiden Enden. Wie beim 3:1 über den FC St. Pauli vor zwei Wochen ohne ihn tat sich der FCB auch gegen die Mainzer überraschend schwer, unter anderem weil der Spielaufbau größtenteils zu behäbig war. Es fehlten Upamecanos messerscharfe vertikale Pässe im Spielaufbau. Keiner seiner Münchner Innenverteidiger-Kollegen kann diese so spielen wie der französische Nationalspieler. Gleichzeitig ist seine Schnelligkeit ein wichtiges Gegenmittel gegen die Konter von so extrem tief stehenden Gegnern wie Mainz. Aus einem solchen entstand der Freistoß vor dem 1:1 mit dem Halbzeitpfiff.
Beim Ausgleichstreffer der Nullfünfer per Kopfball durch Kacper Potulski stand Minjae Kim dann genauso falsch wie später Josip Stanišić, nach Itos Auswechslung in der Innenverteidigung positioniert, beim zwischenzeitlichen 1:2 durch Lee Jae-sung. Die Stamminnenverteidigung mit Upamecano und Tah hätte sich dabei wohl geschickter angestellt. Dabei ist der französische Vize-Weltmeister der einzige in der Münchner Abwehrzentrale, der sämtlicheVoraussetzungen für das Spielsystem von Kompany erfüllt: Exzellenter Spielaufbau, robuste Verteidigung begünstigt durch eine beachtliche Schnelligkeit. Zudem hat er mittlerweile seine Unkonzentriertheiten aus früheren Jahren nahezu völlig abgestellt.
FCB-Sportbosse sind bezüglich Vertragsverlängerung optimistisch
Upamecano ist sportlich der unumstrittene Abwehrchef beim FC Bayern, auch wenn Tah möglicherweise einige Kommandos mehr geben mag. Wenn das Vorhaben dem Rekordmeister auch nicht eben billig kommen wird: Eine Vertragsverlängerung des 27-Jährigen sollte an der Säbener Straße alternativlos sein. Er zählt derzeit zu den weltweit besten Innenverteidigern, ist möglicherweise sogar der beste von ihnen.
Hoffnungen, dass der monatelange Vertragspoker des FC Bayern mit dem Franzosen positiv ausgeht, gaben zuletzt Sportdirektor Christoph Freund auf der Spieltags-PK, aber auch Sportvorstand Max Eberl anlässlich der Partie gegen Mainz: „Grundsätzlich bin ich sehr zuversichtlich, das habe ich ja auch schon öfters an der Stelle gesagt. Wir haben schon Vertragsverlängerungen zusammen über Wochen und Monate besprochen. Unser großer Wunsch ist es. Was da um uns herum kreist, er hätte abgesagt, Drohungen, Ultimatum – alles Quatsch. Wir reden und wir reden sehr gut.“
Eberl äußerte außerdem einen Appell an Upamecano: „Dieses Nadelöhr wird kleiner und dann muss er durch dieses Nadelöhr. Mein Wunsch wäre, dass er durch geht und nicht daran vorbei. Das schafft er schon.“ Und weil sich auch der Rekordmeister in der Vorweihnachtszeit befindet, wird der Sportboss von Sky noch zitiert: „Ich weiß nicht, was hinter den einzelnen Türen im Adventskalender jetzt noch kommt“.
