In London ist es tatsächlich passiert: Der FC Bayern hat beim FC Arsenal seine erste Saisonpleite hinnehmen müssen. Cheftrainer Vincent Kompany zeigte sich darauf bestens vorbereitet.
Nach 18 Pflichtspielen ohne Niederlage – 17 Siege bei 64:15 Toren – zum Saisonstart inklusive eines bemerkenswerten Europarekords verlor der FC Bayern am 5. Spieltag der Champions League beim FC Arsenal zum ersten Mal in dieser Saison. Beim wohl derzeit formstärksten Fußball-Team der Welt gab es eine 1:3-Niederlage. In einem nun veröffentlichten Interview für das FCB-Mitgliedermagazins „51“, welches bereits vor der Partie stattfand, zeigt sich der belgische Cheftrainer des FC Bayern perfekt vorbereitet auf dieses Szenario.
Der 39-Jährige erklärt in diesem, seine Spieler immer hungrig sehen zu wollen: „Auf diesem Niveau ist es Pflicht, alles zu geben. Man darf gern genießen, was der Erfolg mit sich bringt – aber man muss bereit sein, Opfer zu bringen. Hunger heißt: immer mehr wollen, immer bereit sein, mehr zu tun, und das gemeinsam. Das hat auch nichts mit Gewinnen zu tun. Du musst hungrig sein, wenn du gewinnst, verlierst oder unentschieden spielst, wenn die Sonne scheint, wenn es regnet oder schneit. Es ist eine Mentalität, sich zu pushen, ohne negativ zu werden, aus der Überzeugung: Nur wer an seiner Arbeit festhält, macht Fortschritte.“
Speziell nach bitteren Niederlagen, wie nun im Emirates Stadium, verlangt Kompany diesen Hunger, denn: „Schwierige Momente passieren jedem. Entscheidend ist, sich dann nicht zu verstecken, sondern sie für sich zu nutzen. Brust raus, nach der Wahrheit suchen – das fordere ich. Ich möchte, dass die Gruppe an sich und ihren Weg glaubt. Und der Einzelne auch.“
Nach Siegen wie Niederlagen: Kompanys Vorgehensweise bleibt konstant
Der Bayern-Trainer bleibt dabei stets ausgewogen, große Siege werden nicht überbewertet, Niederlagen wie in London nicht zu hoch gehängt. Selbst nimmt er sich und seine Rolle nie allzu wichtig: „Ich will nicht ‚Kompany-Fußball‘ sehen – ich will Bayern München sehen. Gegen PSG haben wir erst extrem hoch verteidigt, später tief – und trotzdem haben wir unser Gesicht behalten. Aber zu sagen: ‚Das war mein Fußball‘ – so formuliere ich das nicht.“
Kompany „will eine Mannschaft, die in jeder Phase gefährlich ist. Selbst wenn wir tief im Strafraum verteidigen, soll der Gegner wissen: Mit drei Pässen können wir zuschlagen – wie in Frankfurt. Und wenn Manuel Neuer am Ball ist, müssen wir vermitteln: Bayern kann jederzeit gefährlich werden, ob nach zehn Pässen oder nur einem. Auch gegen tief stehende Gegner wollen wir zeigen, dass wir Lücken finden und bedrohlich bleiben. Einwurf, Eckball, für uns oder gegen uns – wir haben immer einen Plan, aus jeder Situation etwas zu machen. Dieses Gefühl ist mir viel wichtiger als Laufdaten oder Ballbesitzstatistiken.“
Kreativität ist für Kompany die wichtigste Komponente im Fußball
Obwohl der Belgier einst als Weltklasse-Innenverteidiger agierte und es seine Aufgabe war, sie zu unterbinden, ist für ihn die Kreativität die wichtigste Komponente seines Sports: „Ich habe meine ganze Jugend auf der Straße gespielt, da haben mich die Kreativen fasziniert. Dafür bin ich früher ins Stadion gegangen. Auch bei Bayern sind die großen Namen immer verbunden mit Kreativität. Beckenbauer – wie er mit dem Ball aufrückte, Pässe spielte, Räume nutzte. Ribéry, Robben: pure Magie. Und die Stürmer – diese Vielfalt an Toren. Diese Spieler konnten Dinge, die normale Menschen – auch ich – nicht können. Und das will ich schützen.“
Deswegen will er auch beim FC Bayern, „dass unsere technisch stärksten Spieler den Ball bekommen, die vier, fünf vorne in der höchsten Linie. Das sind die Jungs, die den Unterschied machen. Die Frage ist: Wie bringen wir den Ball zu ihnen? Wie verschaffen wir ihnen Raum? Wie geben wir ihnen drei, vier Optionen? Dribbling, Doppelpass, Flanke … Wenn sie die Wahl haben, haben wir gut gearbeitet. Dann können sie zeigen, was nur sie können.“
Bayern-Coach „will eine Mannschaft mit der Wucht eines Hurrikans“
Kompany besitzt dafür beim deutschen Rekordmeister „eine Mannschaft, die mich glücklich macht.“ Er vertraut total in „die Qualität der Spieler. Alles, was wir tun, dient nur dazu, sie zu unterstützen. Am wichtigsten ist die Mentalität, dass alle füreinander laufen: Teamwork schlägt Taktik, das ist der Kern des Spiels. Ich will eine Mannschaft mit der Wucht eines Hurrikans: die zusammenarbeitet, miteinander verbunden ist, sich gegenseitig trägt, Freude hat. Dann gibt es kein Limit.“
Und speziell nach der Niederlage in London gilt für den Coach des FC Bayern: „Wenn eine Mannschaft hart arbeitet, kann sie mich kaum enttäuschen – und diese Mannschaft hat immer gearbeitet, auch nach Niederlagen.“
